Achtung vor Riesenbärenklau!: Giftpflanze löst diese Verbrennungen aus
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Während der Riesenbärenklau für Menschen schwere Hautverbrennungen verursachen kann, fressen Galloway-Rinder die invasive Pflanze mit Begeisterung. Auf einer Weide bei Schleswig helfen sie so auf natürliche Weise dabei, ihre Ausbreitung einzudämmen und werden zu echten Umweltschützern auf vier Beinen.
Galloway-Ochse Moppel geht hier einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach - Herkulesstaude mampfen Für ihn ein leckerer Snack - für Landwirt und Biologe Gerd Kämmer war es eine große Erleichterung, als er entdeckt, dass seine Galloways am liebsten die invasive Art fressen. Artos, Boss und Moppel stehen deshalb diese Saison ganz bewusst auf der drei Hektar großen Weiden bei Schleswig, um sie bärenklaufrei zu halten.
Die invasive Pflanze kommt eigentlich aus dem Kaukasus und wurde vermutlich als Ziergewächs eingeschleppt. Für Menschen ist sie hochgiftig und kann bei Hautkontakt schwere Verbrennungen mit Pusteln und Quaddeln auslösen. Die Gefahr steckt im Inneren.
Gerd Kämmer, Biologe
"Wenn ich es hier jetzt breche, dann ist das jetzt hier der Pflanzensaft, der da jetzt rauskommt. Das wäre jetzt das Gefährliche. Man sieht es hier sofort am Handschuh. Der feuchte Handschuh, Das ist das, wo man den Hautkontakt vermeiden sollte. Gerade wenn jetzt die Sonne rauskommt."
Denn die Sonne löst zusammen mit dem Gift die Verbrennungen auf der Haut aus. Die gefährliche Pflanze beschäftigt Biologe Gerd Kämmer schon seit Jahren. Dort wo der Riesenbärenklau für den Menschen gefährlich werden könnte, sollte seine Verbreitung unbedingt eingedämmt werden. Doch das ist sehr aufwändig und ohne Schutzkleidung kaum möglich. Vor zwei Jahren macht der 63-Jährige dann eher zufällig eine Entdeckung.
Gerd Kämmer, Biologe
"Da liefen die Tiere also auf Flächen, die wir aus Naturschutzgründen beweiden, wo auch Riesenbärenklau ist, und haben dann gesehen okay, die fressen das Zeug. Ja, so ist es dann. Und dann haben wir das nachgeguckt. Wie fressen sie es, wann fressen sie es und sind so auf die Idee gekommen, dass das funktionieren kann."
Tatsächlich scheint die Giftpflanze den robusten Galloways mit ihrem dichten, dunklen Fell nichts auszumachen, im Gegenteil:
Gerd Kämmer, Biologe
"Da kommt die Sonne ja gar nicht, bis auf die Haut. Insofern schadet dieser Giftstoff denen auch mal gerade gar nicht. Und unsere Erfahrung ist eben, dass sie sogar süchtig werden nach dem Zeug. Wenn Sie also erst einmal anfangen, den Riesenbärenklau zu fressen, dann fressen sie so lange, bis nichts mehr da ist."
Auf der vom gemeinnützigen Bunde Wischen angepachteten Weide standen vor dem Einzug der Rinder Tausende der meterhohen Giftpflanzen. Inzwischen leisten die natürlichen Riesenbärenklaumäher hier echte Umweltschutzarbeit, nur noch selten muss der Landwirt selbst nachhelfen und blühende Pflanzen abschneiden. Den Großteil der Arbeit übernehmen die Tiere, sie fressen die Pflanze bis auf den Stängel herunter.
Gerd Kämmer, Biologe
"Die Pflanze versucht natürlich sofort, neue Seitentriebe zu bilden. Hier sieht man das. Das ist schon wieder der Beginn einer neuen Blüte hier, die jetzt käme. Aber das hat keine Chance, weil die Rinder in den nächsten Tagen mit Sicherheit hier wieder vorbeikommen werden und dann die Pflanze komplett runterfressen werden."
Die Entdeckung aus Schleswig-Holstein hat sich inzwischen zu einem Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft entwickelt. Kämmer bekommt dazu immer wieder Anfragen und verleiht seine Rinder sogar an Bekannte, um Riesenbärenklau zu bekämpfen. Selbst das Umweltministerium befürwortet den Ansatz.
Gerd Kämmer, Biologe
"Grundsätzlich hat diese Methode Potenzial, auf weitere Flächen ausgeweitet zu werden – überall dort, wo die Flächen sich mit verhältnismäßigen Mitteln einzäunen lassen und wo eine langfristige Beweidung möglich ist."
Und so mampfen Artos, Moppel und Co weiter: Bis Oktober vernichten sie hier jeden Tag zwischen zehn und zwanzig Kilo Riesenbärenklau. Gegen diese gefräßigen Umweltschützer hat die Giftpflanze hier in Zukunft wohl schlechte Karten.
