„Da war er schon blau und steif“: „Miss Olympia“ Susen Tiedtke verliert ihren geliebten Sohn Max († 17)
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Susen Tiedtke wurde als schönste Leichtathletin weltweit berühmt. Trat bei Olympia an und gewann bei zwei Weltmeisterschaften einmal Silber und einmal Bronze. Doch die Spitzensportlerin war auch ganz am Boden: Vor ziemlich genau einem Jahr stirbt ihr Sohn Max. Im Interview mit RTL verrät die ehemalige „Miss Olympia“, wie sie mit der Trauer umgeht.
Mit einem Klopfen fängt alles an! Es gibt gute und schlechte Tage, sagt Susen Tiedtke. Trauer kann Menschen verschlucken. Wir treffen sie im Westin Grand Hotel in Berlin. Fast genau ein Jahr ist ihr Sohn jetzt tot. Max ist nur 17 Jahre alt geworden. „Ich lag praktisch über einen Monat nur irgendwie so halb im Koma auf dem Sofa und wusste nicht, wo vorne und hinten ist.“
So dunkel die Geschichte von Susen Tiedtke auch ist, da ist auch viel Hoffnung, denn die 57-Jährige ist eine Kämpferin. Die 90er Jahre. Susen Tiedtke ist eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen Deutschlands. Es gelingt ihr fast alles. Sie wird unter anderem Vizeweltmeisterin im Weitsprung. Die Journalisten geben ihr den Titel Miss Olympia. Sie gilt als schönste deutsche Sportlerin.
„Durch den Sport habe ich so viel erfahren und so viel lernen können und so viel ausprobieren können. Und das hat unheimlich auch das Leben geprägt. Weil wenn man ein Ziel hat, man wirklich alles darauf hin gibt. Das prägt einen vom Sport her.“
Es ist ein Dienstag und warm. Frühling liegt in Berlin in der Luft. Als ein Freund von Max anruft und sich erkundigt, warum er nicht ans Telefon geht. Susen geht zu seinem Zimmer und klopft an. Es ist der 4. März 2025.
„Und dann lag er im Bett und hat ganz ruhig geschlafen. Ganz friedlich und still. Und dann bin ich zu ihm ran und da war er schon steif und blau und es reißt plötzlich so das gesamte Leben aus einem heraus. Weil das ist ja nun mal so das eigene Fleisch und Blut. Und dann ist er tot. Das war so krass, das war so heftig.“
Das ist Max. Im Alter von etwa zwölf Jahren. Wie er mit seinem kleinen Motorrad durch den Garten fährt, wie er gestorben ist? Es wird später festgestellt: Der 17-jährige hat eine unentdeckte Entzündung am Herzen. Der Tod eines Kindes reißt alles mit. Die 57-Jährige und ihr damaliger Partner trennen sich.
„Für mich war das aller schwierigste wieder eine neue Lebensmotivation zu finden. Warum soll ich noch leben, wenn mein Sohn tot ist? Es war alles so, eigentlich will ich nur hinterher.“
Jetzt passiert etwas in dieser Geschichte, was viele überrascht, aber Jahre zuvor hatte Tiedtke nach einem starken Fieber eine Nahtoderfahrung. Sie sieht ein Licht, fühlt sich gut und glaubt fest daran. Es gibt so etwas wie das Paradies.
„Und es gibt einem so ein bisschen so ein Trost, wenn man weiß, er ist nicht so komplett weg. Weil wenn man das nicht glaubt, ist es ganz schwierig, so was zu verkraften. So einen Tod eines Sohnes. Ich hab ganz viel geschlafen, weil ich immer im Schlaf mich irgendwie versucht habe, mich mit ihm zu verbinden.“
Fast jeder, der einen geliebten Menschen verliert, kennt es. Die gelernte Heilpraktikerin beginnt, mit ihrem Sohn zu sprechen. Da ist dieses Gefühl. Max ist immer noch da. Das hilft Susen, nicht aufzugeben. Jeder trauert auf seine Weise. Die 57-Jährige weiß, sie muss jetzt nach vorne schauen. Der Tod ihres Sohnes ist für sie auch so etwas wie ein Neuanfang.
„Ich habe jetzt ein Jahr erst mal von gar nicht gearbeitet und von nichts gelebt. Also von den Sachen, die ich so gespart hatte und so Sachen habe ich gelebt. Aber man muss jetzt wieder seinen neuen Weg finden. Und da habe ich mich gefragt: Was macht dir eigentlich Spaß? Und das war schon so beim Einkaufen. Man ist einkaufen gegangen und ich habe immer alles für die Kinder gekauft und hab dann Essen gemacht. Und dann esse ich halt die Reste oder so was. Und jetzt gehe ich einkaufen. Ja, was will ich denn eigentlich? Das ist so ganz komisch.“
Hunderte trauernde Menschen melden sich in den letzten Monaten bei Tiedtke. Und genau deswegen spricht sie jetzt über das, was ihr passiert ist.
„Ich habe jetzt meinen neuen Weg gefunden und hoffe vielleicht, wenn jemand anders das hört, der vielleicht ähnliches durch geht, dass er vielleicht sich so ein bisschen unterstützt fühlt oder sagt, das geht. Da geht es mir auch so und sich nicht so allein fühlt.“
Trauer, weiß Susen Tiedtke, sollte niemand unterdrücken. Alles andere macht dich krank. Und so seltsam es auch klingt und auch wenn es länger gedauert hat, der Tod ihres Sohnes Max hat ihr eines auch gegeben, nämlich Hoffnung.
