Bioidentische Hormone, Östrogen-Gel und Co.: Wie wirken die Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden im Praxis-Test?
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Es ist so weit: Gynäkologin Pia Baust hat den vier Frauen – je nach Leiden – verschiedene Mittel zum Testen empfohlen. Jutta probiert täglich 100 Milligramm eines fertig dosierten Progesterons, welches von der Krankenkasse übernommen wird. Barbara startet mit der Rimkustherapie, bei der sie individuell auf sie abgestimmte bioidentische Hormone einnimmt. Yvonne testet ein Östrogen-Gel. Reporterin Nina probiert einen Komplex aus 23 Mikronährstoffen. Wie es den vier Testerinnen im Laufe der Zeit geht und ob sich ihre Symptome verbessern, erfahrt im Video oben.
Der große Praxis-Test mit Nina, Jutta, Barbara und Yvonne startet mit einem ersten Check-up bei Gynäkologin Pia Baust.
„Das Schlimmste, würde ich sagen, ist eigentlich, dass ich mich emotional nicht mehr so fühle wie früher. Ich fühle mich ängstlicher, habe irgendwie mehr Sorgen, finde, dass die Welt irgendwie schlimmer ist als früher.“
„Das ist typisch für ein Auf und Ab der Hormone, vor allen Dingen von dem Progesteron. Und dann hat man diese Stimmungen Traurigkeit, Schlafstörungen.“
Und trotzdem muss Jutta in ihrem Job als Lehrerin natürlich voll funktionieren.
„Ich merke auch, dass ich in der Schule, dass mich die Dinge mehr stressen.“
Anders als Jutta hat Barbara schon mal eine Hormonersatztherapie gemacht und sie gar nicht vertragen. Permanentes Herzstolpern war die Folge. Doch ihre Gelenkschmerzen quälen sie aktuell so, dass etwas passieren muss. Und es stehen 20 Kilo zu viel auf der Waage.
„Damit die Gewichtszunahme auch wieder runtergeht, wäre mehr Bewegung gut. Aber wenn ich nicht richtig laufen kann durch Fußschmerzen, Entzündung, ist es halt schwieriger. Das ist so ein bisschen ein Teufelskreis, den ich so empfinde.“
Was Barbara überrascht, Dr. Baust kann sich eine alternative Hormonersatztherapie bei ihr vorstellen.
„Ich habe auf jeden Fall auch gedacht, ich bin aus diesem Zeitrahmen, aus diesem Fenster raus und dass ich zu alt bin und dass ich da jetzt eher allein durchgehen muss. Ich habe ein bisschen Angst, ob ich das dann wieder schlecht vertrage. Aber ich würde mich auf jeden Fall darauf einlassen.“
Yvonne quälen Hitzewallungen und was mit Reporterin Nina aktuell los ist, ist bekannt. Ein großes Blutbild wird gemacht und in zwei Wochen kommen die vier Frauen zurück und starten in ihre Therapie. Yvonne fährt oft mit der Bahn und unsere Reporterin begleitet sie – will verstehen: Wie ist das mit den Hitzewallungen? Es ist Winter, gerade mal sechs Grad. Und während Nina fröstelt, fängt Yvonne in der Bahn sofort an, sich auszuziehen. Schuld an den Hitzewallungen ist der zu niedrige Östrogenspiegel.
„Jetzt würde ich mal gerne die Jacke ausziehen.“
Unsere Reporterin kann sich kaum vorstellen, dass es Yvonne so warm ist.
„Naja gut, man merkt schon, ich finde, man sieht jetzt ja keine Schweißperlen. Ich habe jetzt schon den Eindruck, dass du eine andere Gesichtsfarbe bekommen hast. Zum Glück habe ich diese Probleme noch nicht, aber mein Energielevel ist gerade erbärmlich und seit ein paar Monaten habe ich permanent Kopfschmerzen.“
Bevor wir mit der von Dr. Baust verordneten Therapie loslegen, teste ich noch die online bestellten Gummibären. Zur Erinnerung: Sie sollen mir gegen die Müdigkeit helfen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. „Die riechen total so wie diese sauren Schnüre, die man im Kiosk kriegt. Das ist wie so eine Süßigkeit.“ Umso mehr bin ich gespannt, ob mir das irgendwas bringt. Verbraucherschützerin Angela Clausen wird sich die Inhaltsstoffe und die gemachten Versprechen von Bears with Benefits und anderer Nahrungsergänzungsmittel später noch anschauen. Ich nehme vier Gummibären täglich und zumindest der Start ist vielversprechend.
„Wie krass anders kann man sich fühlen, wenn man gut geschlafen hat? Ich habe heute Nacht geschlafen wie ein Baby – also für meine Verhältnisse.“
Aber das bleibt leider ein einmaliger Ausreißer. Ich falle nach dem verheißungsvollen Start mit meinen Menopause-Gummibären jetzt wieder hart auf den Boden der Tatsachen.
„Heute war wieder so eine richtig beschissene Nacht und ich komme überhaupt nicht aus dem Quark. Es ist jetzt nach elf Uhr.“
Nach zwei Wochen haben die Bären bei mir kaum einen Effekt gehabt. Zurück zu unserem großen Experiment. Heute starten wir unsere Therapie. Jutta hat zu wenig Vitamin B12, Vitamin D und Progesteron. Sogenannte bioidentische Hormone können den Mangel ausgleichen. Diese werden meist aus der Yamswurzel gewonnen. Im Labor wird dann der enthaltene Wirkstoff Diosgenin extrahiert und bioidentisches Progesteron und Östrogen erzeugt. Doch ausgerechnet das wollte Jutta eigentlich nicht.
„Es besteht ja so das Gerücht, dass das Brustkrebs auslöst. Da fühle ich mich natürlich nicht so gut.“
„Es ist letztendlich, wenn man sich die Studien ansieht und da genau recherchiert, ist das kein Thema. Natürlich muss man auch sagen, jede siebte bis achte Frau erkrankt heutzutage im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Aber das hat natürlich auch viele, viele andere Ursachen: Stress, Gewicht, Alkohol, Rauchen.“
Jutta entscheidet sich dafür, nimmt ab jetzt 100 Milligramm eines fertig dosierten Progesterons am Tag, das die Krankenkasse übernimmt, und die fehlenden Vitamine. Und Barbara?
„Wie wir es schon vermutet haben, ihre Hormone sind total niedrig.“
Barbara startet mit der sogenannten Rimkustherapie. Das sind individuell zusammengestellte, bioidentische Hormone. Der Vorteil: Anders als bei Juttas Kapseln werden sie perfekt auf die Patientin abgestimmt. Der Nachteil: Die gesetzliche Krankenkasse zahlt sie nicht und die Kosten liegen bei mindestens 50 Euro im Monat.
Yvonne versucht mit einem Östrogen-Gel ihre Hitzewallungen in den Griff zu kriegen. Dieses wirkt wie Hormonkapseln, ist aber niedriger dosiert.
Ich habe einen starken Vitamin- und Nährstoffmangel, vor allem an Vitamin B und Magnesium. Der Grund für meine starken Kopfschmerzen?
„Wir haben wirklich sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn man auch erst mal nur Mikronährstoffe auffüllt – gerade jetzt bei Migränepatienten.“
Kein Progesteron. Mein Wert ist bei zehn nicht gut, aber auch nicht dramatisch. Dabei hatte ich eigentlich darauf gehofft, denn die Einnahme kann sich positiv auf den Stoffwechsel auswirken. Stattdessen nehme ich einen Komplex aus 23 Mikronährstoffen. Ich bin total überrascht darüber, dass ich jetzt erst mal nur Mikronährstoffe nehme und bin wirklich gespannt, ob das hilft bei den Schlafstörungen und der Migräne. Nur mit meinem Gewicht muss ich mir jetzt etwas einfallen lassen.
Ein anderes Problem, das oft unausgesprochen bleibt, ist die plötzliche Unlust. Wenn Sex zur Belastung wird, dann kann eine Beziehung daran zerbrechen. Und hier ist fast jedes Paar irgendwann betroffen, wie Gynäkologin Pia Baust weiß.
„Ich schätze mal, es sind weit über 80 Prozent hier. Unlust ist ein Riesenproblem. Einfach, weil die Männer dieses Thema überhaupt nicht kennen. Die haben eigentlich immer Lust. Die Frau hat aber gar keine Lust mehr. Die kommen manchmal extra nur wegen dieses Themas hier in die Praxis und sagen: Bitte, bitte helfen Sie mir. Das muss hier alles wieder klappen, weil mein Mann mich sonst verlässt.“
„Die Gründe sind vielfältig.“
„Also entweder ist es wirklich, weil es zu trocken im Scheidenbereich ist. Das kann man natürlich sehr gut behandeln. Das andere Thema ist aber auch, dass unsere Biologie so gestaltet ist, dass wir irgendwann als Frauen auch keine Lust mehr haben, weil wir uns nicht mehr fortpflanzen sollen.“
„Aber es gibt auch Möglichkeiten, das Sexleben wieder anzukurbeln. Ein zu niedriger Testosteronwert bei Frauen kann ein Grund sein.“
„Dann gilt es, den Wert zu messen. Liegt es überhaupt am Testosteron? Eventuell Testosteron geben als Creme? Aber bitte auch hier: Messen und Kontrolle. Es gibt Körpertherapien, die man machen kann, und aber auch so Sachen. In welcher Phase geht es mir gut? Wann können wir uns verabreden?“
Sexuelle Unlust hat auch Yves erlebt, aber in einem so jungen Alter, dass ihr das erste Mal den Boden unter den Füßen weggezogen hat.
„Mein Name ist Yves und ich bin mit 29 in die Wechseljahre gekommen.“
Wie ist sie damit umgegangen? Was hat das mit ihrer Beziehung gemacht? Das wird sie Nina beim gemeinsamen Workout erzählen. Denn Sport gehört jetzt auch fest in Ninas Alltag.
„Dass ich dich hier treffe, das hat schon einen Grund.“
„Ja, richtig. Ich mache seit meinen Wechseljahren intensiv Sport, fast jeden Tag, weil mir das einfach hilft, besser zu schlafen, mich auszupowern.“
„Eva wird zum Glück früh Mutter. Mit 29 kommt ihr zweiter Sohn zur Welt und kurz danach geht das los, was die heute 43-Jährige damals einfach nicht erwartet hatte.“
„Mein größtes Problem waren die Hitzewallungen, der unruhige Schlaf und dadurch die Gereiztheit. Das hat schon viel ausgemacht und das hat mich auch sehr mitgenommen, und mein Umfeld natürlich auch.“
Ihr damaliger Partner versteht erst mal überhaupt nicht, was gerade mit ihr passiert und genauso ihr Arzt.
„Vor allem, weil du ja noch so jung gewesen bist. Dann hat man ja. Wahrscheinlich hat dich keiner für voll genommen.“
„Nein, die haben erst mal gedacht, ich würde mir irgendwas einbilden. Erst als ich schwarz auf weiß hatte. Ich war total geschockt und ich war traurig, wenn ich ehrlich bin, weil mein erster Gedanke war: Ich kann keine Kinder mehr bekommen.“
Plötzlich steht Yves Leben Kopf. Nicht nur die Chance auf weitere Kinder ist weg, auch die Lust auf Sex.
„Gerade in diesen jungen Jahren ist ja eigentlich ganz viel davon da. Bei mir war gar nichts mehr davon da. Da war gar nichts mehr. Nein, das war total weg.“
Und ihr Partner trennen sich nicht nur wegen der Probleme, die die frühe Menopause mit sich bringt. Aber die schon angezählte Beziehung hält das nicht aus. Zunächst bekommt Eve chemische Hormone, die sie aber nicht verträgt. Also versucht sie jahrelang, sich selbst zu helfen. Zusätzlich zum Sport achtet sie auf die richtige Ernährung. Das tut Nina auch.
„So wenig wie möglich verarbeitete Produkte, so wenig wie möglich Zucker. Auf diese Sachen zu achten: gute, fette, gesunde, Fette und vielleicht auch ein bisschen mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten.“
Zu Hause zeigt die zweifache Mutter unserer Reporterin ihre Arztbefunde, die bestätigen, wie niedrig ihr Progesteron-Wert damals war. Erst mit 37 erfährt sie von der Rimkus-Therapie, die bioidentischen Hormone, die wir auch testen. Yves geht zu einem Spezialisten in Düsseldorf. Aber das hat seinen Preis.
„Ich habe mir einen Kredit aufgenommen, weil der Arzt natürlich pro Stunde Geld kostet: die Hormone herstellen zu lassen, die ganzen Untersuchungen.“
Yves war zehn Jahre single. Heute ist sie wieder in einer glücklichen Beziehung.
„Würdest du denn sagen, dass du heute wieder total happy in deinem Körper bist?“
„Ich fühle mich auf jeden Fall wieder viel wohler als noch vor ein paar Jahren. Doch mir geht es gut. Ja.“
Alles dank des Sports, der bewussten Ernährung und der Rimkus-Therapie. Und die Zeit mit ihren Söhnen kann sie jetzt wieder genießen.
Das will auch Jutta. Aber in Woche zwei kämpft sie sich noch ziemlich durch ihren Alltag.
„Ich habe erst mal das Gefühl gehabt, dass mein Sohn in der Schule irgendwie ohne Hilfe nicht richtig klarkommt. Und abends habe ich einen Brief geöffnet von der Rentenversicherung und habe die Hälfte nicht verstanden und hatte irgendwie das Gefühl: Dieser Tag überfordert mich.“
Wir sind in Woche drei unseres Tests. Barbara renoviert gerade ihr Haus in Eigenregie und muss die jahrzehntealte Tapete abkratzen. Das ist natürlich gar nichts mit ihren Gelenkschmerzen. Ich besuche sie auf der Baustelle und frage, wie ihr Körper das mitmacht.
„Das tut echt weh, nach einer Zeit über Kopf zu arbeiten. Aber ich hatte bis jetzt noch keine Gelenkentzündung. Also vielleicht wirken ja die Hormone schon ein bisschen.“
Barbara hat 20 Kilo zugenommen. Ja, sie backt gerne, aber früher hat ihr das nichts ausgemacht. Doch als sie in die Wechseljahre kommt, verzeiht ihr Körper ihr gar nichts mehr. Und das Gefühl habe ich auch gerade. Ein Foto aus der Zeit, als sie noch happy war mit dem Gewicht.
„Das ist natürlich schon was anderes.“
Zumindest ein paar Kilo will ich auch loswerden. Deshalb mache ich jetzt jeden Morgen mein Workout. „Und ich merke halt auch, dass mein Körper jetzt einfach wieder strammer ist. Insofern ja, mein morgendliches Workout bringt wirklich schon was und ich nehme fleißig meine Mikronährstoffe, auch wenn ich spät dran bin.“
Yvonne schickt uns überraschend diese Videonachricht: „Ich bin jetzt eine Stunde Bahn gefahren. Ich habe eine dicke Jacke an, ein sehr dickes Vlies. Ich habe nicht geschwitzt. Es ist mega.“
Mitte Februar tut sich auch etwas bei Jutta.
„Kleiner Zwischenstand: Die letzten Tage waren eigentlich sehr gut, was die Laune anbetrifft. Es waren zwar Karnevalstage, vielleicht lag es auch daran. Aber insgesamt muss ich doch sagen, dass ich den Eindruck habe, dass ich fitter bin, positiver bin.“
Und als ich denke, auf einem richtig guten Weg zu sein, passiert das: „Ich schon wieder seit drei Tagen totale Kopfschmerzen. Ich habe das Gefühl, ich bin überhaupt nicht leistungsfähig gerade. Aber ich habe so viel zu tun und das baut so einen Druck auf bei mir.“
Während ich total down bin, geht es bei Barbara langsam besser. „Gelenke halten durch, auch bei der Renovierung. Könnte besser sein, aber ich bin ja auch keine 25 mehr.“
Unsere Reporterin setzt aktuell auf Nahrungsergänzungsmittel, um ihre Symptome in den Griff zu kriegen. Und damit ist sie nicht allein. Der Markt boomt. Das Thema Menopause zu thematisieren, ist wichtig. Aber Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW sieht auch Grund zur Kritik.
„Wir haben wirklich unheimlich viele selbst ernannte Wechseljahresexperten, Vitalstoffstrategen und wie die sich alle nennen – ganz toll. Wo die Expertise dahinter steckt, ist meist eher fraglich. Tatsächlich ist das Thema deswegen so in den Fokus geraten, weil immer mehr Produkte auf den Markt kommen.“
Vier Produkte von günstig bis hochpreisig. Was fällt der Expertin auf? „Mönchspfeffer ist eher ein kritischer Pflanzenstoff. Ursprünglich wurde Mönchspfeffer früher eingesetzt, um die Libido der Mönche zu reduzieren. Warum das jetzt unbedingt in Frauen Wechseljahresprodukten auftauchen muss, weiß ich eigentlich auch nicht. Und Meno Forte heißt ja nun auch schon: wirkt stark. In den Wechseljahren könnte man schon fast als ein Health Claim bezeichnen, also eine gesundheitsbezogene Aussage, die von dem Produkt so nicht gehalten werden kann.“

