RTL Aktuell Spezial - die ganze Sendung: Sechs Tote in Stade – alle Fakten, alle Hintergründe
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Ein Termin zum Sorgerecht eskaliert in tödlicher Gewalt: In Stade erschießt ein Mann sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung. Die Ermittler sprechen von einer kaltblütigen Tat. Die Geschehnisse des Tages und alle Hintergründe gibt es in unserem RTL Aktuell Spezial.
Schüsse auf ein Mutter-Kind-Heim, Tote in Stade.
Heute Mittag rückt die Polizei zu einem Großeinsatz in der niedersächsischen Kleinstadt aus. Die Einsatzkräfte nehmen einen Mann fest, der mutmaßlich vier Frauen und zwei Männer getötet hat. Mehrere Menschen sind zum Teil schwer verletzt.
„Waren schon ganz viele Schüsse, ein, zwei hintereinander und dann eine ganze Serie kam da."
„Die meinten dann nur, dass wir uns in Sicherheit begeben sollen und so schnell wie möglich die Ferne aufsuchen sollen."
Die Hintergründe zu der schrecklichen Bluttat und was über den mutmaßlichen Täter bis jetzt bekannt ist.
„Hallo und guten Abend noch mal. Wir melden uns mit einer kurzen Sondersendung zu den tödlichen Schüssen in Stade. Die Sendung Undercover Boss sehen Sie dann gleich direkt im Anschluss. Heute Mittag hat in Stade in Niedersachsen ein Mann in einer Wohneinrichtung um sich geschossen. Sechs Menschen sind dabei ums Leben gekommen, mehrere wurden verletzt. Gerade hat die Polizei eine Pressekonferenz zu dem furchtbaren Überfall gegeben. Da gab es eine überraschende Neuigkeit. Die Todesopfer sind nicht etwa Bewohner, sondern Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes. Ist das richtig?"
„Ja, genau. Es handelt sich dabei um vier Frauen und zwei Männer, alle im Erwachsenenalter, die von dem mutmaßlichen Schützen getötet wurden. Bei dem handelt es sich um einen fünfundvierzigjährigen, in Deutschland geborenen Mann mit türkischen Wurzeln. Er wurde kurz nachdem die Schüsse abgefeuert wurden von den Einsatzkräften festgenommen. Die Einsatzkräfte haben, als er hier weggefahren ist, auch noch auf das Auto geschossen. Deswegen hatte es platte Reifen und konnte wenige hundert Meter vom Tatort entfernt gestoppt werden."
„Danke schön für den Moment. Und bevor wir weitersprechen, fasst Christoph Lang zusammen, was dort heute in Stade genau passiert ist."
Ein Sonnentag im beschaulichen Stade. Nicht mal die Augenzeugen begreifen anfangs, welch Grauen sich hier abspielt. Ein Autofahrer hört die Schüsse.
„Jäger. Hier wird geballert, Alter!"
Wenn es nur so harmlos gewesen wäre. Vier Frauen und ein Mann sterben vor dem Mutter-Kind-Heim. Gelbe Markierungen zeugen von einer menschlichen Katastrophe. Ein weiterer Erwachsener erliegt im Krankenhaus seinen Wunden. Zudem gibt es mehrere Verletzte.
„Ich stand vorher auf der anderen Seite der Straße. Da fuhr ein Auto vor mir. Und dann habe ich nur Schüsse mitbekommen."
„Erst mal dachte ich, dass es ein Feuerwerk ist oder Böller angezündet wurden."
„Ich habe eingeparkt und dann die Tür aufgemacht. Vom Auto quasi schon ausgestiegen. Dann haben wir nur gehört: Hilfe! Ein sehr lauter Ruf und dann ein, zwei Schüsse und hinterher eine ganze Serie."
Die Polizei ist schnell vor Ort und hat auch bald die eine einzige gute Nachricht.
„Eine Person wurde festgenommen, der mutmaßliche Schütze. Zwei weitere Personen befinden sich in polizeilichen Maßnahmen, sind aber nicht festgenommen."
Der Täter flieht in diesem Auto und hat dabei die Hilfe einer Verwandten, sagt die Polizei.
„Ich habe gesehen, dass eine Frau am Steuer saß und auf dem Beifahrersitz noch eine zweite Person. Das schien mir etwas jünger."
Die Polizei zerschießt die Reifen, der Wagen kommt nicht weit.
„Man hat nur gesehen, wie die beiden Insassen festgenommen wurden. Mehr konnten wir aus der Ferne nicht sehen, weil wir so weit wie möglich weggehen sollten."
Das Haus, in dem alles geschah, gibt Müttern mit Kindern Unterschlupf. Dass es betont unauffällig wirkt, ist Absicht.
„Jeder wusste, was es ist, aber keiner durfte darüber reden. Es ging ja auch um aggressive Ehepartner oder Freunde."
Vor wenigen Minuten gibt die Polizei bekannt: Die Frau und die drei Monate alte Tochter des Täters lebten in der Einrichtung.
„Zum Täter kann ich sagen: Es handelt sich um einen fünfundvierzigjährigen, in Deutschland geborenen und im Raum Hannover wohnhaften Mann mit türkischen Wurzeln. Es liegen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich Bedrohung. Er galt bisher jedoch nicht als besonders gewalttätig."
Frau und Kind sind zum Glück unverletzt. Die Opfer haben offenbar allesamt im Mutter-Kind-Heim gearbeitet.
Janine Hagemann ist forensische Psychologin und hat selbst lange Zeit im Frauenhaus gearbeitet. Einen schönen guten Abend, Frau Hagemann. Vielleicht können Sie uns etwas über die Situation in solchen Einrichtungen erklären. Passiert es häufiger, dass Angehörige dorthin kommen und randalieren oder sogar Menschen angreifen?
„Grundsätzlich ist das Personal mit Konfliktsituationen in solchen Einrichtungen vertraut. Dennoch muss man sagen, dass dieser Angriff auf das Personal in diesem Mutter-Kind-Wohnheim eine besondere Schwere hat und alles andere als alltäglich ist."
„Trotzdem haben wir gehört, der Täter war wohl dort, um ein Gespräch über sein Kind und das Sorgerecht zu führen. Man kann sich doch eigentlich denken, dass der Mann wahrscheinlich schon vorher gewalttätig war. So ein Gespräch birgt eine Menge Zündstoff. Gibt es da gar keinen Schutz, etwa Security oder Polizei? Oder wird so ein Mann kontrolliert? Er hatte schließlich eine Waffe dabei."
„Das wird tatsächlich ganz unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Einrichtungen mit sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen und andere, in denen sie lockerer sind. In jedem Fall ist das Personal darauf vorbereitet, dass Konflikte hitziger werden können. Aber dass jemand schießt und derart gewaltbereit ist, das ist etwas sehr Besonderes. Ich glaube nicht, dass man selbstverständlich damit rechnet, dass Menschen Waffen mit sich tragen."
„Wie wird es jetzt mit der Mutter weitergehen? Sie wird gerade befragt. Das Kind ist in Obhut. Die beiden werden doch wahrscheinlich wieder zusammengebracht, oder?"
„Ich gehe davon aus, dass Mutter und Kind wieder zusammengebracht werden. Nach allem, was wir bislang wissen, trägt die Mutter keine Schuld an dem Vorfall. Gleichzeitig ist eine angemessene Nachbetreuung für Mutter und Kind sehr wichtig."
„Das ist definitiv ein einschneidendes, wenn nicht sogar traumatisierendes Ereignis, das beide miterleben mussten."
„Frau Hagemann, vielen Dank für diese Informationen. Wir schalten jetzt wieder zu meinem Kollegen Nils Fischer, der vor Ort am Tatort ist. Es war ja noch eine weitere Frau beteiligt. Sie soll den Fluchtwagen gesteuert haben. Was weiß man über sie?"
„Ja, genau. Das ist richtig. Die Frau soll am Steuer gesessen und den Fluchtwagen gefahren haben. Der mutmaßliche Schütze saß auf dem Beifahrersitz. Die Polizei hat gesagt, dass es sich bei ihr um eine Person aus dem persönlichen familiären Umfeld handelt. Wie genau die Beziehung aussieht, wurde nicht weiter erläutert. Sie wird derzeit von der Polizei befragt. Es ist außerdem noch unklar, ob gegen sie ebenfalls Ermittlungen geführt werden. Darüber hinaus wird auch die Mutter des drei Monate alten Kindes befragt. Das Kind hat das Jugendamt in Obhut genommen."
„Alles noch recht ungeklärt. Danke für die Informationen aus der Pressekonferenz, die kurz vor dieser Sendung stattgefunden hat. Mein Kollege Sven Wenzel fasst die wichtigsten Aussagen noch einmal zusammen."
Auch Stunden nach der Tat werden noch Spuren gesichert, um zu ermitteln, wie genau sich diese grausame Tat abgespielt hat. Über den Täter weiß man hingegen schon viel. Er ist wegen eines Sorgerechtsstreits in die Jugendeinrichtung gekommen.
„Der Täter hatte zusammen mit vielen der Opfer einen Termin, um über das weitere Sorgerecht seiner drei Monate alten Tochter zu sprechen, die sich gemeinsam mit der Kindsmutter im Gebäude befand."
Beide bleiben unverletzt. Die getöteten Frauen und Männer sind Mitarbeiter von Jugendhilfe und Jugendamt. Die Mutter wird verhört, das Kind ist in Obhut. Es wird aber auch gegen eine weitere Person ermittelt. Sie soll im Fluchtwagen mitgefahren sein.
„Zu den weiteren Maßnahmen kann ich sagen, dass sich eine weitere Person in polizeilichen Maßnahmen befindet. Ihr Status wird derzeit geklärt. Wir ermitteln mit Hochdruck, um die Tat und ihre Hintergründe vollständig aufzuklären."
Psychologen sind aktuell in Stade im Dauereinsatz. Nicht nur für die Zeugen, sondern auch für die Ermittler.
„Denn was die gesehen haben, hinterlässt Spuren – auch bei den erfahrensten Beamten. Wir kümmern uns mit Betreuungsmaßnahmen darum, dass sich die Angehörigen gut begleitet fühlen. Das endet nicht mit den Ermittlungen. Auch die eingesetzten Kolleginnen und Kollegen belastet das."
Und ganz Stade steht unter dem Eindruck eines Tages, an dem ein mutmaßlicher Sorgerechtsstreit sechs Menschenleben beendet hat.
„Schon wieder hat der Streit um ein Kind offenbar Menschenleben gekostet. Schon wieder hatte ein Täter, der bereits polizeibekannt war, die Gelegenheit, erneut und noch härter zuzuschlagen. Wie es in dem Fall weitergeht, ob Haftbefehl erlassen wird und was mit dem Baby und seiner Mutter jetzt passiert, all das wird sich noch zeigen. Die nächsten Informationen haben die Kollegen vom Nachtjournal. Wir melden uns morgen wieder wie gewohnt. Jetzt wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend und vielen Dank für Ihr Interesse."
