Die Ära Julian Nagelsmann ist beendet. Nach 37 Spielen als Bundestrainer ist Deutschland noch immer ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt. Dabei sollte ausgerechnet er 2023 als damals 36-jähriger frischen Wind in die Nationalmannschaft bringen.
„Er hat natürlich sofort gebrannt für diese Position. Und deshalb ist Julian genau der Richtige jetzt. Mit seiner Art, wie er mit den Spielern umgeht."
Nach zwei enttäuschenden Weltmeisterschaften soll die Heim-EM 2024 zum Erfolg werden. Nagelsmann ist das Gesicht des neuen Looks und trifft mutige personelle Entscheidungen. Leon Goretzka und Mats Hummels müssen gehen. Toni Kroos feiert sein Comeback. Die Ansätze stimmen. Deutschland erreicht das Viertelfinale, scheidet dort jedoch unglücklich gegen Spanien aus. Für den DFB ist trotzdem klar: Der Weg mit Nagelsmann soll weitergehen. Der Vertrag wird verlängert.
„Dass ich schon das Gefühl hatte, dass wir gute Schritte eingeleitet haben, aber noch nicht fertig sind. Und dieser Prozess, der wird sicherlich noch ein bisschen dauern, bis wir dann den Peak erreicht haben. Ganz entscheidend ist, dass ich ähnlich wie vor der EM auch für die WM absolute Ruhe möchte."
Doch ruhig bleibt es nicht. Die Leistungen schwanken. Zwischenzeitlich gerät sogar die WM-Qualifikation in Gefahr. Hinter vorgehaltener Hand sollen Nationalspieler immer wieder Kritik an der Kommunikation des Bundestrainers geäußert haben. Nagelsmann beschränke sich eher auf kurze Sprachnachrichten via WhatsApp. Persönliche Gespräche blieben gerade bei Nominierungen wohl eher die Ausnahme. Nebenschauplätze sorgen für zusätzliche Unruhe. Oliver Baumann oder Manuel Neuer im Tor und die Undav-Frage. Wer spielt, wer sitzt auf der Bank? Unklare Rollen, falsche
„Ich glaube, dass die Mannschaft total verunsichert war. Viele Umstellungen, keine klaren Entscheidungen. Auch, dass der Bundestrainer immer wieder die Mannschaft lang warten lassen hat. Zumindest ist es so rübergekommen. Ein Spieler will Klarheit haben."
Auch bei Nagelsmann ist die Verunsicherung zu spüren. Die Körpersprache wird angespannter. In Interviews wirkt er zunehmend gereizt, reagiert patzig.
„Bitte hört auf. Quatsch. Ehrlich? Ja, Warum haben wir heute. Wollten die Jungs nicht Vollgas geben."
Als das WM aus feststeht und Fußballdeutschland einen emotionalen Bundestrainer braucht, folgt unerwartet eine Abrechnung.
In der ersten Spielminute in Führung gehen. Stehen wir zu viert allein vor dem Tor und müssen einfach nur quer spielen, dann schiebt man ins leere Tor. Der Typ, der Dennis, den irgendwie auf den zweiten Pfosten. Das sind halt so kleine Momente, wo du dann auch mal gegen so einen Block einfach in Führung gehen musst. Durch eine ganz einfache Aktion. Da war nicht viel dahinter.
Ein Taktikfuchs, kein Menschenfänger. Doch genau den braucht es jetzt, um aus der Mannschaft wieder eine Einheit zu formen. Jürgen Klopp gilt aktuell als wahrscheinlichste Option. Der neue Bundestrainer nimmt mit dem gleichen Ziel wie sein Vorgänger das Ruder in die Hand Deutschland zurück an die Weltspitze führen.