Mareike R., Grundschullehrerin: „Ich wurde schon im Klassenraum bedroht von einem wütenden Vater, der sich Zugang in den Klassenraum verschafft hatte am Unterrichtsvormittag. Ich erlebe eigentlich täglich, gerade heute wieder Prügeleien auf dem Schulhof, die wir natürlich als Lehrkräfte versuchen zu entschärfen, wo wir auch Ziel von Tritten und Schlägen werden.“
In der Schule, in der sie Lehrerin ist, werden Kinder zwischen sechs und elf Jahren unterrichtet. Armut und daraus entstehenden Frust sieht Mareike R. als Gründe für die zunehmende Gewalt. Konflikte mit Worten zu lösen – auch das hätten manche Schüler nicht gelernt.
Mareike R., Grundschullehrerin: „Es ist in unserem Kollegium unserer Schule häufiger vorgekommen, dass Kinder mit Scheren auf Lehrkräfte losgehen. In einem sehr speziellen Fall, dass ein Kind gezielt eine Waffe gebaut hat, ein Schläger mit Nägeln beschlagen hat, und dann in die Schule kam und beim Hereinkommen anderen Mitarbeiterinnen mitgeteilt hat, dass es damit seine Lehrerin töten möchte.“
Die Grundschullehrerin spricht von einem höheren Gewalt-Level, und sie bestätigt damit eine bundesweite Entwicklung. Zahlen aus dem letzten Jahr liegen noch nicht vor, aber 2024 wurden Lehrerinnen oder Lehrer in 1.283 Fällen Opfer von Körperverletzungen.
Weil die Gewalt an Schulen so zunehme, fordert Thilo Hartmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Es müsse mehr Lehrer und auch mehr Sozialarbeiter an Schulen geben. Und: Lehrer müssten mit extra Trainings unterstützt werden.
Thilo Hartmann, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen: „Es wäre sehr, sehr gut, wir hätten Fortbildungen für Lehrkräfte, um zu lernen, mit solchen Situationen umzugehen. Denn häufig ist es ja nicht nur das Reagieren im Moment, sondern auch das Reagieren danach. Was hat diese Situation mit mir gemacht? Wie verarbeite ich vielleicht einen Schock oder einen gewissen Angstzustand, den man haben kann, wenn man körperlich oder verbal sehr massiv angegriffen wird.“
Auch Lehrerin Mareike R. wurde im Klassenzimmer schon angegriffen. Sie spürt, dass viele Kollegen Gewalterfahrungen belasten.
Mareike R., Grundschullehrerin: „Es wird über die Jahre hinweg leider auch ein Stück von Schulalltag, sodass nicht jeder neue Vorfall erneut zu Schock führt, sondern eher zu Frust darüber, wie das Schulsystem immer weniger dem gewachsen ist.“
Sie selbst sei gern Lehrerin, sagt Mareike R. Sie wünscht sich zum Beispiel mehr Zeit, um mit ihren Schülern Konflikte zu lösen. Politiker müssten das Thema erkennen und auch mehr Geld zur Verfügung stellen, sonst werde die Angst im Klassenzimmer nicht verschwinden.