Man fährt scharfe Geschütze auf, in Calvia, im Westen Mallorcas. Mehrere bewaffnete Männer schießen mit Knallpatronen auf Bäume. Ihr Ziel: Die Nester der Prozessionsspinner.
Christian Dienst, Grünflächenamt Frankfurt: „Ja, ich musste auch am Anfang ein bisschen schmunzeln, habe dann aber gesehen, dass das wirklich der Wahrheit entspricht“
Auf Mallorca breiten sich die Prozessionsspinner nämlich in vielen Orten ungebremst aus. Sie heißen übrigens so, weil ihre Raupen wie bei einer Prozession hintereinander vom Baum kriechen. Gefährlich sind ihre Brennhärchen, die bei Menschen und Tieren schwere Hautreizungen und Allergien verursachen können.
Hierzulande kämpft man aber eher ... klassisch.
Christian Dienst, Grünflächenamt Frankfurt: „Da gibt es halt eine präventive Behandlungsmethode. Das war vorher halt ein Bakterium. Ausbringen mittels Hubschrauber gibt es unter anderem oder halt Sprühkanonen, die an Traktoren montiert sind oder halt im Nachhinein im Nachgang durch Absaugung“
Nur im Münsterland hat man auch eine ungewöhnliche Methode entwickelt, bei der geschossen wird.
Und zwar mit Paintballwaffen. Die Taktik: Die Farbpatronen darin sind mit weiblichen Sexual-Lockstoffen gefüllt und sollen paarungswillige Männchen im besten Fall SO verwirren, dass sie die Weibchen nicht mehr finden. Zu verwirrt für Sex, also. Verrückt, oder?!
Ole Theisinger, Wissenschaftler im Interview 2023: „Ja, es ist schon ein ungewöhnlicher Ansatz, verrückt würde ich ihn jetzt nicht nennen. Diese Pheromone wirken nur auf den Eichenprozessionsspinner und nicht auf andere Falterarten"
In den Kieferwäldern von Mallorca nimmt man dann eben Gewehre oder Schrotflinten zur Hand. Brutal ja, effektiv nicht unbedingt - findet unser Experte.
Christian Dienst, Grünflächenamt Frankfurt: „Es prallt ja eine unheimliche Wucht auf diese Nester und die zerspringen so und das sind in diesen Nestern sind halt diese Raupen mit ihren Haaren und die werden dann halt vom Wind überall hin verteilt. (...) Also wenn die zu Boden rieseln und man diese Nester aufsammelt oder mit denen in Kontakt kommt, dann kann man sich genauso infizieren wie vorher mit diesem Nesselgift.“
Es gilt also: Abstand halten. Von den Nestern - und auf Mallorca auch von den Männern UNTER den Nestern.