Viele Breie sind zu süß

Zuckerfalle Babybrei – wie Sie und Ihr Kind gesund und glücklich ins Beikost-Alter starten

Ihr Baby wird den Brei auch mögen, wenn er nicht gesüßt ist
Ihr Baby wird den Brei auch mögen, wenn er nicht gesüßt ist
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07. Dezember 2020 - 10:26 Uhr

Zu süße Breikost schürt bei Kindern dauerhaft das Bedürfnis nach Süßem

Wenn das Baby von der Brust auf Brei umsteigt, greifen viele Eltern zu Gläschen und Fertigprodukten. An sich nicht verwerflich – wenn der Brei nicht so viel Zucker enthält. Doch leider ist Babykost oft viel zu süß. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Kind gesund an feste Nahrung heranführen.

Babys erster Brei - ein großer Schritt

Weg von der Flasche - der Babybrei ist ein Schritt in Richtung Großwerden
Weg von der Flasche - der Babybrei ist ein Schritt in Richtung Großwerden
© Getty Images/iStockphoto, Topalov Djura

Es ist ein großer Schritt für alle Eltern, wenn ihr Baby nicht mehr nur aus Mamas Brust oder die Flaschenmilch trinkt, sondern zum ersten Mal Brei vom Löffel zu schlecken versucht. Doch gerade wenn die Kinder sich anfangs schwer tun und viel von dem liebevoll pürierten Brei übrig bleibt, greifen die Mamas und Papas gern zum Fertigbrei. Auch wenn sie schon wieder berufstätig sind, scheinen gebrauchsfertige Gläschen oder Pulver die perfekte Lösung sein, um Zeit zu sparen.

Fertige Säuglingsnahrung ist leider oft zu süß

Aber die Lebensmittelprüfer haben herausgefunden, dass viele industriell hergestellte Breiprodukte zu süß sind, wie der Babybrei-Check im Jahr 2019 von Stiftung Warentest und die Untersuchung zum Babybrei des Magzins Ökotest ebenfalls aus dem Jahr 2019 zeigen. Die Kritikpunkte der Tester: Falsch deklarierte Zutaten auf den Etiketten, zum Teil erhöhte Schadstoffbelastung vor allem im Reisbrei und in vielen Fällen zu viel Zucker oder Fruchtpulver, die bei Babys und Kleinkindern eine Vorliebe für Süßes fördern könnten. Auch wissen viele Verbraucher nicht, dass Saccharose, Glucose, Fructose oder Maltodextrin nichts anderes sind als Zucker.

"Das Problem an zu viel Zucker im Brei ist, dass das zu einer sehr frühen Gewöhnung an einen starken Süßgeschmack führt", erklärt Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund ins Leben. "Gerade das erste Lebensjahr ist hier prägend." Und wer möchte schon, dass das eigene Kind immer Jieper auf Süßes hat? Zumal der Konsum von Zucker die Entstehung von Karies begünstigt.

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Die Tipps der Experten:

  • Am besten ganz auf Produkte mit Zucker und Aromen verzichten, damit Ihr Baby den natürlichen Geschmack von Lebensmitteln kennenlernen kann.
  • Den Gesamtzuckergehalt auf dem Etikett checken oder bei mehreren Komponenten selber errechnen. Er soll 5-7 % nicht überschreiten. Bei 100 Gramm Brei wären das 5-7 Gramm.
  • Selbst probieren. Wenn Sie finden, dass es sehr süß schmeckt, ist es nichts für Ihr Kind.
  • Breisorten variieren: Nicht nur Milch-Obst-Brei reichen, auch wenn Ihr Kind den bevorzugt, sondern auch auf Gemüse setzen. Achtung: Auch Gemüse enthält Zucker, fertige Gemüsebreis auch.
  • Brei bevorzugt selbst herstellen.

So starten Sie entspannt in die Brei-Zeit mit Selbstgekochtem

Nach der Muttermilch geht es weiter mit Babybrei und Beikost - wir verraten, was Sie zum Thema Babynahrung wissen sollten.
Babybrei, Beikost - schon bei Säuglingen sollten Sie auf eine ausgewogene Ernährung achten.
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Es muss auch gar nicht in Arbeit ausarten, wenn Sie den Brei selbst kochen. Sie können ab dem fünften Monat (17. Woche) testen, ob Ihr Kind schon bereit ist für die Beikost. Am besten beginnen Sie mit einem Gemüse-Fleisch-Brei und lassen Getreide-Obst- und Getreide-Milch-Brei folgen. Sie füttern von dem ersten Brei so viel, wie Ihr Baby essen mag und bieten danach noch wie gewohnt Brust oder Flasche an. Wenn eine Still- oder Flaschenmahlzeit komplett ersetzt ist, gehen Sie die nächste an, bis das Kind komplett auf Breikost umgestellt ist. Für eine ausgewogene Ernährung variieren Sie die Breisorten immer wieder und erweitern so die Geschmackspalette Ihres Kindes.

Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfiehlt, glutenhaltige Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel möglichst nur in kleinen Mengen einzuführen, am besten während das Baby noch parallel gestillt wird. Das soll das Risiko verringern, an der Glutenunverträglichkeit Zöliakie zu erkranken. Auch Reis birgt Risiken. Wegen des Arsengehaltes sollten nicht zu viele Mahlzeiten Reis enthalten.

Rezept für Gemüse-Kartoffel-Brei (1 Portion)

  • 100 g Gemüse (gekochte Möhre, Pastinake, Kürbis, Broccoli oder Spinat)
  • 50 g Kartoffel
  • 1 TL Rapsöl
  • 1 TL Butter
  • 20-25 g Fleisch oder Fisch (nach Bedarf)

Gemüse schälen, in etwas ungesalzenem (!) Wasser ca. 8-10 Minuten kochen, noch warm pürieren. Rapsöl und Butter erst vor dem Servieren in den warmen Brei rühren, er kühlt so schneller auf Ess-Temperatur herunter. Je 1-2 Mal Fisch bzw. Fleisch pro Woche reicht völlig. Kaufen Sie am besten Bio-Fleisch von Tieren, die ohne Hormone und Antibiotika gemästet wurden. Alle diese Breisorten lassen sich prima portionsweise einfrieren. Auftauen, im Wasserbad erwärmen und dann das Fett unterziehen. Fertig!

Rezept Obst-Getreide-Brei (1 Portion)

  • 100 ml Wasser
  • 20 g (ca. 2 gehäufte TL) Getreideflocken, z.B. Hafer, Hirse
  • 1 TL Öl, Butter oder Mandelmus
  • 100-150 g Apfel, Birne oder Aprikose – gekocht für ganz Kleine oder auch roh
  • evtl. ein kleines Stück Banane

Haferflocken in dem Wasser quellen lassen. Apfel schälen und entkernen, in kleine Stückchen schneiden. Alles zusammen pürieren und frisch servieren. Was, mit Öl? Ja, das stellt sicher, dass der Körper Ihres Babys fettlösliche Vitamine wie A und D überhaupt aufnehmen kann. Diesen Brei bereiten Sie lieber frisch zu.

Milch-Getreide-Brei (1 Portion)

Baby isst Brei
Gesundes Essen, gesundes Kind - glückliche Familie.
© (C) Natalia Deriabina ((C) Natalia Deriabina (Photographer) - [None], iStock, Natalia Deriabina
  • 200 ml Milch (am besten Bio mit 3,5% Fettanteil)
  • 20 g Getreideflocken, z.B. Hafer oder Hirse
  • 20 g Obst der Saison, am liebsten frisch

Die Milch erhitzen und die Getreideflocken einrühren. Einige Minuten leicht köcheln lassen, bis die Masse leicht eindickt. Zerdrücktes oder püriertes Obst unterziehen. Lieber auf frisches Obst setzen – Püree aus dem Glas oder umweltschädlichen Quetschbeuteln ist oft zu konzentriert und damit süßer als 20 g Frischobst. Oft ist auch beim Fertig-Obstmus Zucker zugesetzt. Diesen Brei bereiten Sie ebenfalls frisch zu.

Wichtig: Verzichten Sie auf jede zusätzliche Süße. Auch Milch enthält in Form von Laktose einen Milchzucker und lässt den Brei süßlich schmecken. Viele andere Zutaten enthalten ebenfalls Zucker, zum Beispiel Fructose. Vor allem aber darf der Brei keinen Honig enthalten.

Ihr Kind will nicht essen? Das könnte die Ursache sein:

Wenn Ihr Kind eine Sorte Brei nicht mag, probieren Sie eine andere. Bieten Sie die verschmähte Sorte aber immer wieder an. Kinder müssen manche Dinge weit mehr als ein Dutzend Mal probieren, bis sie sie akzeptieren.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind eine bestimmte Sorte Brei nicht verträgt und mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Hautausschlag reagiert, könnte es an einer Unverträglichkeit einzelner Bestandteile der Mahlzeit liegen – oder zum Beispiel an einer Unverträglichkeit bestimmter Zucker wie bei einer Fructosemalabsorption oder einer Laktoseintoleranz. Wenn ihr Kind nicht zunimmt und wächst oder seit der Einführung des Getreidebreis oft quengelig ist, kann dies auch ein Anzeichen für eine Zöliakie sein. Lassen Sie sich in solchen Fällen immer von Ihrem Kinderarzt beraten.

Wenn Ihr Kind den Löffel sucht, aber einfach nichts vom Brei im Kind landet, hat es vielleicht noch motorische Schwierigkeiten, mit Zunge und Gaumen den Löffel leer zu schlecken. Ein Flexi-Löffel für Essanfänger kann hilfreich sein. Geben Sie Ihrem Kind Zeit und versuchen Sie es immer wieder und geben Sie dann die Brust oder die Flasche. Wenn es gar nicht klappt, sprechen Sie Arzt oder Hebamme an.

Manche Kinder haben auch einfach kein Interesse an pürierter oder flüssiger Nahrung und wollen gleich etwas Festes futtern. Dann ist vielleicht das "Baby-led weaning" (BLW) etwas für Sie und Ihren Schatz. Dabei isst das Kind am Familientisch mit – zum Beispiel kleine Kartoffel- oder Möhrenstückchen mit der Hand.

Noch mehr Infos zum Thema Beikost-Einführung und Babybrei finden in unserem Special zur Baby-Ernährung.

(Quellen: dpa, Stiftung Warentest, Ökotest, DGKJ)