Mutter entsetzt über Vorfall in Hilden

Lehrer soll Schüler rassistisch beleidigt haben - trotzdem darf er weiter unterrichten

03. Januar 2020 - 18:32 Uhr

Evangelische Kirche lässt Lehrer weiter an der Schule

"So etwas wie dich hätte man früher vergast." Mit diesen Worten soll ein Mathelehrer aus Hilden bei Düsseldorf seinen Schüler Karim E. (14) aufs Übelste rassistisch beleidigt haben – trotzdem darf er weiter an der Schule unterrichten. Für Karims Mutter Bianka E. ein Unding. Sie hat den Lehrer wegen Beleidigung angezeigt und ihn beim Träger der Schule, der evangelischen Kirche, gemeldet. Doch die unternimmt nichts. Was Bianka E. und ein Sprecher der Kirche dazu sagen, zeigen wir im Video.

Rassistische Beleidigung an Schule: Mitschüler bezeugen der Staatsanwaltschaft den Vorfall

Der Vorfall liegt mehrere Monate zurück. Laut Karim gab es im Juli 2019 in der Klasse Unruhe. Er grinste über das Verhalten seiner Mitschüler. Sein Lehrer soll ihn daraufhin mit den Worten, "Du kannst dir das hier gar nicht erlauben. So etwas wie dich hätte man früher vergast", angegangen haben. Mehrere Mitschüler bestätigen der Staatsanwaltschaft diesen Wortlaut später.

Karim ist 14, die Tragweite dieser Äußerung ist ihm erst gar nicht bewusst. Als er zu Hause seiner Mutter davon erzählt, fällt sie aus allen Wolken. Sie habe das erstmal sacken lassen müssen, erzählt Bianka E. im Interview mit RTL. Dann habe sie ihrem Sohn erklärt, warum diese Äußerung des Lehrers über eine normale Beleidigung hinausgeht. Karims Reaktion: Wut, Selbstzweifel, Unverständnis.

Evangelisches Schulzentrum Hilden
Der Vorfall soll sich bereits im Juli am Evangelischen Schulzentrum in Hilden abgespielt haben.
© RTL

Mutter über Lehrer: "Für mich ganz klar war: Das ist seine Haltung gegenüber nicht-deutschen Kindern“

Bianka E. schreibt eine E-Mail an die Schulleitung, am nächsten Tag bekommt sie einen Termin mit der Stufenleiterin und dem Direktor. Die zeigen Verständnis für ihre Aufgebrachtheit, sind laut der Mutter selbst schockiert. Auch der beschuldigte Mathelehrer wird dazugerufen. Der Mann habe keine Reaktion gezeigt, die Vorwürfe nicht abgestritten, sich schon gar nicht entschuldigt. Er habe einfach nur dagesessen. "Für mich ganz klar war: Das ist seine Haltung gegenüber nicht-deutschen Kindern", sagt Bianka E. über die Begegnung. Ihr Ziel: Der Lehrer soll suspendiert oder zumindest vorerst beurlaubt werden. Das sei ihre Pflicht, nicht nur ihren eigenen Kindern gegenüber, sondern auch anderen, die nicht deutscher Herkunft seien, so Bianka E.

Die Mutter zeigt den Lehrer wegen Beleidigung bei der Polizei an und setzt sich mit der evangelischen Kirche in Verbindung, die Träger der Schule ist. Es passiert: nichts. Der Lehrer habe die Vorwürfe zurückgewiesen, man wolle das Strafverfahren abwarten, heißt es von der Kirche und der Schule. Erst dann wolle man über sein Schicksal entscheiden. Das ist zwar rechtens – über disziplinarische Maßnahmen darf die Behörde selbstständig entscheiden, aber erscheint bei der Schwere der Beleidigung doch fragwürdig.

Nach rassistischem Vorfall in Hilden: Karim musste die Schule wechseln

Gleichzeitig läuft der Justizapparat weiter: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, befragt Mitschüler, die den Vorfall bestätigen. Auch der Lehrer selbst wird kontaktiert. Der hat sich bei der Staatsanwaltschaft allerdings bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, sondern lediglich seinen Anwalt eingeschaltet. Das Verfahren läuft noch, wird von der Abteilung für politische Strafverfahren geleitet. Man warte auf die Einlassung des Lehrers, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Gespräch mit RTL. Erst dann soll entschieden werden, wie es weitergeht – ob das Verfahren eingestellt oder ob Anklage erhoben werde, könne man noch nicht sagen.

Der beschuldigte Lehrer darf währenddessen weiter unterrichten, als ob nichts gewesen wäre. Karim geht seit den Sommerferien auf eine andere Schule. Ihn hat die Äußerung seines Mathelehrers zu sehr belastet.