"Hier herrscht Krieg"

Krawalle in Stuttgart: Polizist schildert dramatische Nacht in privater Sprachnachricht

24. Juni 2020 - 9:51 Uhr

Polizist aus Stuttgart spricht sich von der Seele, was er gerade erlebt

In Stuttgart sind in der Nacht zum Sonntag 400 bis 500 Randalierer durch die Innenstadt gezogen, haben Polizisten angegriffen und Geschäfte geplündert. In einer Nachricht an seine Bekannten schildert ein Polizist die Einsatznacht von Stuttgart. In diesem Zusammenhang spricht er despektierlich über die Nationalität einiger Angreifer und über die Polizeiführung. Wir haben seinen Erlebnisbericht gekürzt und konzentrieren uns auf die Schilderungen der Ausschreitungen. Was der Polizist sagt – in unserem Video.

22.06.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein während der nächtlichen Randale in Stuttgart beschädigtes Polizeiauto, das zuvor für einen Ortsbesuch von Bundesinnenminister Seehofer an den Ort der Randale gebracht worden war, wird von einem Fotografen
Nach der Randale in Stuttgart
© dpa, Marijan Murat, mut fgj

Bei Einsatz in Stuttgarter Krawallnacht: "Ich bin so richtig verstört“

Es war kein Einsatz wie jeder andere, das wird in der Sprachnachricht deutlich. Der Beamte spricht in der Sprachnachricht von kriegsähnlichen Zuständen. "Wir befinden uns grade heute Nacht wirklich im Krieg", sagt er. "Und ich übertreibe nicht. Ich bin so richtig verstört", erklärt er. Jeder, der eine Uniform trage, werde Opfer der Gewalt. Der Polizeifunk überschlage sich förmlich.

Es dauerte Stunden, bis die Polizei die Randalierer wieder unter Kontrolle hatte. Nach ersten Erkenntnissen war die Situation nach der Polizeikontrolle eines Jugendlichen eskaliert. Plötzlich schlug die Stimmung im Schlossgarten um und hunderte Menschen, die sich dort versammelt hatten, um zu trinken und mit Freunden das Wochenende zu genießen, gingen auf die Polizei los.

21.06.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein beschädigter Mannschaftswagen der Polizei steht in der Innenstadt. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei haben dutzende gewalttätige Kleingruppen die Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. F
Randale und Plünderungen in Stuttgart
© dpa, Simon Adomat, htf

Schockierende Szenen der Gewalt in Stuttgart

Die Menge teilte sich in kleinere Grüppchen auf und zog durch die Innenstadt von Stuttgart. Es flogen Flaschen und Ziegelsteine, Fensterscheiben gingen zu Bruch und Polizeiwagen wurden beschädigt. In einem Video ist sogar zu sehen, wie ein Angreifer einem Polizeibeamten mit ausgestrecktem Bein in den Rücken springt.

Inzwischen hat die Polizei 25 Randalierer vorläufig festgenommen – neun davon wurden in der Nacht und im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt. Unter den Festgenommenen ist laut Polizei auch ein 16-Jähriger, der einen am Boden liegenden Studenten gegen den Kopf getreten haben soll. Der Student hatte offenbar die Krawalle kritisiert und wurde daraufhin von einer Gruppe Randalierer zusammengeschlagen.

Wie sich ein solcher Gewaltausbruch in einer großen Menschengruppe entwickeln kann, erklärt hier ein psychologischer Berater im RTL-Interview.