Wenn Megan Blain aus Seaham in England das Solarium betritt, kennt man sie hier schon persönlich. Doch der Hintergrund ist traurig:
„Ich geh nicht ins Solarium, weil ich es genieße, sondern weil ich es körperlich tun muss."
Vier Mal pro Woche für jeweils 15 Minuten setzt Megan ihren Körper dem UV-Licht aus. Auch heute wieder. Wirklich glücklich ist sie danach aber nicht:
„Ich könnte heulen, weil ich weiß, dass ich damit meiner Haut schade. Manchmal gehe ich nach dem Sonnenstudio noch auf meine eigene Sonnenbank Zuhause..."
Aus Angst, nicht braun genug zu sein, spritzt sich die 19-Jährige zusätzlich fünf Mal pro Woche noch eine Bräunungsflüssigkeit – trotz aller Nebenwirkungen:
„Ich merke, dass ich mich danach krank und schläfrig fühle, nicht viel Appetit habe, auch Migräne bekomme."
In Deutschland sind solche Bräunungsspritzen gar nicht zugelassen, weiß Hautärztin Dr. Arna Shab. Aber: Megan ist kein Einzelfall.
„Es gibt den Begriff Tanorexie , das heißt, die Leute sind süchtig nach Bräune und deswegen benutzen sie auch Solarien oder die Sonne zu exzessiv und erhoffen sich dadurch aber für sich ein schöneres Hautbild. Aber letztendlich ist es dann gar nicht mehr schön. Es ist einfach viel zu gegerbte Haut, viel zu vorgealtert und letztendlich sehen die das aber gar nicht. Sie denken immer, sie sind noch zu hell.
Megan entdeckt die künstliche Bräune schon mit 14, durch eine Freundin. Sie fängt an, heimlich die Sonnenbank ihrer Mutter zu nutzen und entwickelt nach und nach eine Sucht.
„Ich wurde damals gemobbt und hatte das Gefühl, mich ändern zu müssen, um von den Leuten akzeptiert zu werden."
Aber die Sucht nach Bräune macht alles nur noch schlimmer: Megan verliert ihre Freunde, streitet mit der Familie, bekommt Hasskommentare im Netz. Auch ihr Körper reagiert: Flecken und Muttermale häufen sich auf ihrer Haut.
„Ich habe zweimal versucht zum Arzt zu gehen, aber ich bin vor der Tür stehengeblieben. Ich hatte Angst und habe gezittert. Aber weiß nicht, warum. Ich weiß auch nicht, ob Hautkrebs mich davon abhalten würde, mein Leben selbst zu ruinieren..."
Laut der Weltgesundheitsorganisation kann UV-Strahlung Krebs verursachen und zu vorzeitiger Hautalterung führen. Dr. Arna Shab rät Megan deshalb dringend, damit aufzuhören und ihre Haut untersuchen zu lassen. Und sie weiß auch: Eine gesunde Bräune gibt es nicht.
„Jede Bräune per se ist ungesund und jede UV Exposition birgt ein gewisses Risiko. Man hat eine gewisse Eigenschutzzeit der Haut, aber die ist doch sehr schnell erschöpft und deswegen sollte man sich dann Hautschutzmitteln bedienen."
Megan hat bisher alle Warnungen ignoriert. Aber sie hofft, dass sie es irgendwann doch noch schafft, mit dem exzessiven Bräunen aufzuhören.