Er muss immer auf der Hut sein. Denn der 12-jährige Milo aus Oberhausen rea- giert allergisch auf Erdnüsse. Nimmt er nur geringe Mengen der Hülsenfrucht zu sich, gehen die Symptome los
OT MILO BECKERS, Schüler: "Es fängt meistens mit Halskratzen an. Aber es wird dann halt immer schlim-mer: Atemnot oder Bauchschmerzen. Oder Hautjucken oder so."
Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock kommen - mit Atemnot und Kreislaufstillstand. Deshalb hat Milo auch immer ein Allergie-Notfallset dabei - egal wohin er geht. Das beruhigt seine Mutter aber kaum. Denn die Gefahr lauert selbst in Produkten, die eigentlich keine Erdnüsse enthalten. In viele von ihnen können trotzdem Spuren der Hülsenfrucht sein.
OT NICOLE BECKERS, Mutter: "Erst-mal ist man ständig in Angst um's eigene Kind. Ist was pas-siert? Klar. Es ist ja nicht nur Hals-krat-zen oder Bauch-weh oder mal erbre-chen? Es kann ja wirklich mal zu ei-nem anaphy-lakti-schen Schock kommen. Und dann muss man schnell die Feuer-wehr rufen. Klar, wir haben al-les da. Aber die Angst ist ja immer da."
Damit soll Schluss sein. Dank dieser Kapseln. Im Innern: kleinste Mengen Erdnussprotein - in Pulverform. Die sollen Allergiker täglich zu sich nehmen. Der Körper gewöhne sich dann langsam an die allergieauslösenden Stoffe. So die Theorie. Auch Milo macht die neue Therapie - seit drei Monaten im Bottroper Marienhospital. Heute wird die Dosis unter ärztlicher Aufsicht erhöht - wie alle zwei Wochen im ersten halben Jahr. Das Pulver wird dafür mit Pudding verrührt. Schon das reicht für kleinere Reaktionen aus:
OT MILO BECKERS, Allergiepatient: "In der ersten halb-en Stun-den oder 45 Minuten habe ich Halskratzen […] Wenn man's eine zeitlang macht, dann gewöhnt man sich dran und dann stör-t's einen auch nicht mehr."
Eine Stunde lang muss Milo jetzt im Krankenhaus bleiben - zur Vorsicht. Insgesamt sechs junge Erdnussallergiker werden hier behan- delt. Geheilt von ihrer Erdnussaller- gie werden sie am Ende der mehrjähri- gen Therapie aber nicht sein. Darum gehe es auch gar nicht, erklärt Kin- derklinik-Chefarzt und Allergologe Doktor Mirco Kuhnigk.
OT Dr. MIRCO KUHNIGK, Chefarzt Kinderklinik Bottrop: "Wir wollen die Pa-tien-ten nicht etwa zu Erdnuss-Essern umer-ziehen oder um-ler-nen. Sondern dass halt kleinste Mengen vertragen werden. Dass man halt die lebenseinschränken- den Sachen vernach- lässigen kann."
Es gibt schätzungs- weise bis zu acht- hunderttausend Erdnussallergiker deutschlandweit. Davon werden laut Hersteller rund zweihundert mit dem Medikament behandelt. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Dass die Therapie ihrem Sohn helfen könnte, entspannt Nicole Beckers schonmal:
OT NICOLE BECKERS, Mutter: "Ein Stück weit bin ich glaube ich ein biss-chen freier. (Lacht.) Ein biss- chen glücklicher. Und nicht mehr so angespannt in der ganzen Situation, in allen Lebenslage."
Das gilt auch für Milo. Sein größter Wunsch: Sich einfach mal etwas vom Kiosk zu holen - ganz ohne Sorgen.