Jeder kann zum Opfer werden. Die Fake-Shops im Netz sind täuschend echt. Die Kriminellen werden immer professioneller. Die Polizei hingegen scheinbar machtlos.
Sven Bonack, Oper
Und habe dann das Schreiben … Verfahren eingestellt wurde.
Kapitulieren unsere Sicherheitsbehörden vor den Kriminellen im Netz?
Alexander Poitz
An diesem Sachverhalt wird deutlich, welche Beweise wir haben, nämlich so gut wie keine.
Warum die Behörden an ihre Grenzen stoßen und welches dubiose Netzwerk krimineller Machenschaften meine Recherchen offenbaren.
„Sie wollten irgendwas Illegales machen, glaube ich.“
Was muss passieren, um die Fake-Shop-Kriminalität endlich zu stoppen?
Dieser Frage gehe ich auf den Grund. Ich suche zunächst nach Fake-Shops im Netz. Dort tauchen sie auf: Schier endlose Listen von Warnungen über vermeintliche Fake Shops. 96 Millionen Euro ergaunern Betrüger jedes Jahr, mit Wahren, die niemals geliefert werden.
Einer der Betroffenen ist Sven Bonack. Obwohl er selbst Polizist ist, hat er sich vom Angebot eines André Goltzsche – Sven Bonack
Ist Ihnen nicht aufgefallen … augenscheinlich nicht erkennbar, dass das ein Fake ist.
Elisaluna Handel24.de: Wie die meisten Fake-Shops heutzutage, hochprofessionell. Falsche Prüfsiegel sollen Vertrauen wecken, 100 % positive Bewertungen – sogar vermeintlich sichere Bezahlmethoden werden hier angeboten.
Also die haben Bestellung per Name und Rechnung … auf diese Masche reingefallen.
Mit dem Geld hat er abgeschlossen. Was er aber als Polizist nicht akzeptieren kann ist das, was folgte: Er stellt Anzeige bei der Polizei und erhält sehr schnell eine Antwort, die ihn wütend macht.
Sven Bonack
Mit dieser Begründung:
„Es fehlt gegenwärtig auch an konkreten Anhaltspunkten für die Durchführung Erfolg versprechender weiterer Ermittlungen…“
Im Weiteren spricht die Staatsanwaltschaft von „kriminalistischer Erfahrung“, nach der es nicht möglich sei, einen Täter zu identifizieren. Für Sven Bonack bedeutet das, dass in seinem konkreten Fall nicht einmal versucht wurde, Ermittlungen aufzunehmen.
Haben die Behörden den Kampf gegen Fake-Shops aufgegeben? Ich werde noch versuchen herauszufinden, wer hinter dieser Seite steckt. Doch zuvor treffe ich einen Mann, der unser Rechtssystem scharf kritisiert. Alexander Poitz - Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei - weiß um die Machtlosigkeit seiner Behörde.
André Goltzsche – Alexander Poitz
Der Kriminalbeamte sieht massiven Aufholungsbedarf bei den Behörden. „Die Kriminellen sind uns meilenweit voraus“, sagt er.
André Goltzsche Alexander Poitz.
Ein Hilfeschrei der Polizei ,mit dem ich mich direkt an das Justizministerium wende. Man antwortet mir, dass die Speicherung von Internetdaten grundgesetzwidrig sei. Man arbeite allerdings an einem Gesetzesentwurf, nachdem bei Verdacht auf eine Straftat
„Provider (Internetanbieter) verpflichtet werden, die bei ihnen gespeicherten relevanten Verkehrsdaten zunächst nicht zu löschen.
Ob dieser Gesetzesentwurf überhaupt beschlossen wird, dazu gibt es noch keine Information. Noch ernüchternder sieht es beim Einsatz von KI und Online-Durchsuchungen aus:
Das Bundesministerium für Justiz plant derzeit keine Ergänzungen … , die die von Ihnen aufgelisteten Maßnahmen erleichtern oder ausweiten würden.
Ist das eine Kapitulation vor den Kriminellen? Ich kann verstehen, warum sich Betroffene oft im Stich gelassen fühlen. Zumal es im Fall von Sven Bonack und seinem betrügerischen Grillkauf etliche Indizien gegeben hätte.
Unter anderem steht im Impressum eine Geschäftsadresse. Und dort will ich mich erkundigen. Sind diese Daten frei erfunden? Oder werden womöglich Firmendaten von echten Unternehmen für das Impressum missbraucht?
André Goltzsche
Hier komme ich nicht weiter. Doch ich finde eine zweite Spur: Den vermeintlichen Geschäftsführer der Fake-Shop Seite: Unter seinem chinesischen Namen offenbart sich ein wahres Firmengeflecht. Das Dubiose: Sämtliche Firmen ändern regelmäßig ihre Geschäftsführer. Alle, bis auf Eine: Die Mejoy Labs GmbH. Ebenfalls mit einer offiziellen Geschäftsadresse. Vor Ort fällt mir sofort etwas Seltsames auf: Gleich dutzende Firmen sind einem einzigen Briefkasten zugeordnet. Ist das ein Unterschlupf für Betrüger? Ich frage beim Vermieter nach.
Vermieter – André (nachgesprochen)
Wir haben ihnen die Dienstleistung gekündigt, weil sie, glaube ich für chinesische Firmen Kontaktadressen generieren wollten – oder irgendwas Illegales, glaube ich.
Über die genauen Hintergründe möchte der Vermieter nicht mit mir sprechen. Offizielle Geschäftsadressen sind aber offenbar ein wahres Einfallstor für die Betreiber von Fake-Shops. Hat die Polizei im Fall von Sven Bonack also wirklich nicht mal versucht, dieser Spur zu folgen? Die Staatsanwaltschaft streitet diesen Vorwurf ab. Tatsächlich habe man herausgefunden:
„ dass der Name des hiesigen Fakeshops „Elisa Luna Handel24“ auf der tatsächlich in Berlin existenten Firma „Elisaluna Handel GmbH“ basiert. … Deren Daten wurden also missbräuchlich verwendet.“
Wer hinter dem Missbrauch der offiziellen Daten steckt – dazu habe es aber keine weiteren Ermittlungen gegeben. Weder zur IP-Adresse, noch zum Kontoinhaber. Die Spur würde sich hinter Geldwäschern und Strohmännern verlaufen.
Warum es so schwer ist, diese Täter zu fassen, das weiß auch Simon Götze. Der Verbraucherschützer spricht von tausenden neuen Fake-Shops. Jeden Monat.
André Goltzsche - Simon Götze
Und das funktioniert ganz einfach: Fake-Shop-Finder eingeben und im Suchfeld die Internetadresse des zweifelhaften Shops eingeben. Im Fall von Polizist Sven Bonack kein Zweifel: Elisaluna Handel24.de weist Anzeichen für einen Fake-Shop auf.
André Goltzsche
Man kann allein schon durch rot und grün.
Ich rate jedem, dieses Angebot zu nutzen.
Gegenüber der Politik fordere ich, den Hilfeschrei der Polizei ernst zu nehmen. Die Ermittler im Netz brauchen zwingend Personal, technische Aufrüstung und vor allem bessere rechtliche Möglichkeiten, um Kriminelle überhaupt zu ermitteln und uns Bürger mit diesen Betrügern nicht im Stich zu lassen.