Seit zwölf Jahren leidet Sara Jane Tolksberg aus Dortmund an chronischer Migräne. In ihren schwersten Zeiten sind es 25 Tage pro Monat.
Sara Jane Tolksberg:
Ich beschreibe es immer ganz gerne als jemand , der einem so ein bisschen einen Nagel ins Auge haut und das immer so , das trifft auch hier dem Ohr hinten immer ganz gut zu . Also es fühlt sich an wie 1000 Nadelstiche. das sind halt so Tage , wo ich im Dunkeln liege und hoffe , dass der Tag bald um ist und es mir am nächsten Tag vielleicht besser geht
Übliche Therapien mit Betablockern, Botox und Topiramat hat die 29-Jährige schon ausprobiert. Höhepunkt war der zweiwöchige stationäre Aufenthalt in einer Spezialklinik in Kiel. Aber nichts hat dauerhaft geholfen. Fast die Hälfte ihres jungen Lebens hat sie mit Schmerzen und Isolation verbracht.
Sara Jane Tolksberg:
es fühlt sich wirklich mies an für mich . Es ist viel auf der Strecke geblieben in den letzten Jahren , sei es von irgendwie . Konzerte mit Freunden , die ich kurzfristig absagen musste.
Und ja , es spiegelt sich natürlich auch in einer teilweisen Depression wieder , dass man da echt so eine Abwärtsspirale hat und sagt okay , je mehr ich Kopfschmerzen habe , desto mehr muss ich mich einsperren , desto isolierter bin ich . Und das ist natürlich auch was , was mich sehr belastet
Der emotionale Stress und die Migräneattacken spiegeln sich auch in ihrem Gewicht wieder. Früher war die gebürtige Gelsenkirchnerin deutlich schlanker. Jetzt wiegt sie 111 Kilo auf 1,57m. Ihr Körpergefühl leidet.
Doch für sie und andere Betroffene gibt es neue Hoffnung, wie sie von Prof. Christoph Kleinschnitz, Klinikleiter der Uniklinik Essen, erfährt. Eine Studie aus Italien, die die Wirkung der Abnehmspritze bei übergewichtigen Migräne-Patienten getestet hat, liefert spannende Ergebnisse.
Prof. Christoph Kleinschnitz
"diese Abnehmspritze hat in der Tat dazu geführt , dass die Patienten zum einen Gewicht verloren haben . Das ist natürlich auch der Sinn der Sache , aber zum anderen auch die Migräne , vor allem die Migräne , Häufigkeit , also die Attackenhäufigkeit und auch die Stärke der Schmerzen sich signifikant verringert hat. Das ist aus meiner Sicht ein sehr spannender Ansatz"
Das Ergebnis der eher klein angelegten Studie mit 26 Probanden:
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Der Wirkstoff Liraglutid in der Abnehmspritze - ursprünglich entwickelt als Diabetes-Medikament - hat die Kopfschmerztage von Migränepatienten pro Monat halbiert.
Von im Schnitt 19,8 Tagen auf 10,7 Tage nach der Behandlung.
[Grafik Ende]
Davon träumt auch Sara Jane Tolskberg und könnte dann mit der Abnehmspritze in zweierlei Hinsicht therapiert werden. Denn:
[Grafik]
Der Wirkstoff hat Einfluss auf das Nervensystem: Reduziert zum Einen das Hungergefühl, stärkt das Sättigungsgefühl und hemmt schmerzauslösende Botenstoffe.
[Grafik Ende]
Prof. Christoph Kleinschnitz
von daher glaube ich , würden Sie ideal in dieses Profil passen , ideal sozusagen diese Studie wiedergeben und ein Therapieversuch . Zwei Fliegen mit einer Klappe wäre hier denke ich sinnvoll
Für die 29-Jährige sind das gute Nachrichten.
Sara Jane Tolksberg
dass es eine Therapie geben könnte , die beide Probleme gleichzeitig löst , löst auf jeden Fall Hoffnung in mir aus .
die Abnehmspritze war mit meiner Hausärztin jetzt auch schon besprochen , da wollten wir jetzt noch mal weiter gucken . Und da bin ich auf jeden Fall positiv begeistert und überrascht , dass es vielleicht auch für die Migräne was machen kann
Und damit ist sie mit Sicherheit nicht alleine. Die Ergebnisse der Studie machen wohl vielen Betroffenen Hoffnung.