Immer mehr Menschen lassen sich einfrieren: Eingefroren, um weiterzuleben? Das ist Kryokonservierung!
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Es klingt gruselig, ist aber für manche Menschen jetzt schon ein konkreter Plan! Würdet ihr euch nach eurem Tod einfrieren lassen? RTL hat mit Menschen gesprochen, die sich nach ihrem Ableben in speziellen Tanks einfrieren lassen wollen, bis die Wissenschaft irgendwann so weit ist, sie wieder aufzutauen und weiterleben lassen zu können. Was dahintersteckt, seht ihr hier im Video.
Ein bisschen gruselig, aber wahr: In genau diesen Tanks lagern bei minus 196 Grad 4 Menschen, die sich haben kryokon-servieren lassen. Wer das tut, ist der der Überzeugung: Wird man eines fer-nen Tages wieder aufgetaut, kann man weiterleben.
"Noch vor noch we-ni-gen Jahren klang Kryonik ja noch kom-plett nach Science Fiktion, aber mitt-lerweile ist die Idee, sich nach dem Tod konser-vieren zu lassen, ziemlich konkret ge-worden. Totkranke Menschen beispiels-weise könnten im Kälteschlaf auf den medizini-schen Fort-schritt warten. Letztendlich ist die Idee der Kryokonser-vierung ja so etwas wie die Idee vom ewigen Leben. Aber wer GLAUBT an sowas und will sich tat-sächlich konservie-ren lassen?“
Ich treffe Marcus Beyer. Der 51-Jähri-ge hat keine Krank-heit, trotzdem ent-schied er 2020: Er wird sich nach sei-nem Tod kryokonser-vieren lassen und hat dafür bereits einen Vertrag abge-schlossen.
O-TON Marcus Beyer
"Ja, das ist halt irgendwo schräg , klar, nicht üblich , aber es wird akzep- tiert."
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"Also wenn ich jetzt eine Krebsdiagnose bekäme, würde ich das schon das volle Therapiespektrum erstmal ausschöpfen , wie das üblich ist//Und wenn es dann nicht weiter- geht , dann würde ich dann Kryonik in Anspruch nehmen wol-len. Ja, und es ist schon gut zu wissen, dass es da noch was gibt . Wenn die Medizin am Ende ist, das mich dann viel-leicht in eine Zu-kunft transpor-tiert, wo man dann noch ei-ne Chance hat, quasi einen Krankentrans-port in die Zukunft."
Tatsächlich sind aber bisher alle Menschen noch einge-froren, die jemals kryokonserviert wur-den. Schon 1967 wur-de diese Technik erstmals eingesetzt: James Bedford, ein amerikanischer Pro- fessor, ließ sich kryokonservieren, nachdem er an Krebs gestorben war. Im Jahr 2002 wurde der wohl bisher berühm-teste Mensch konser-viert statt bestat-tet: US-Baseball-Le-gende Ted Williams.
Ich fahre in die Nord-Schweiz. Dort treffe ich Dr. Emil Kendziorra, den Gründer von Tomorrow Bio, der einzigen deutschen Firma für Kryonik in Europa, im Forschungsinsti- tut des Unterneh- mens. Mittlerweile ist es Standard, Ei-zellen, Spermien oder Stammzellen einzufrieren und nach dem Auftauen wieder zu verwenden. Bei Tomorrow Bio konserviert man aber GANZE Menschen.
Labor Gina "Was ist denn der ganz große Unterschied zwischen dem Einfrieren von beispielsweise Ei- zellen und dem Kryo-konservieren eines Menschen?"
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Kendziorra
"Plakativ gesprochen ist es die Größe.
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Man kann sich merken in der Kryokonser- vierung . Alles , was klein ist, ist leicht. Alles, was groß ist, ist schwierig oder sehr schwierig."
Weil sich beim Her- unterkühlen nämlich keine Eiskristalle bilden dürfen - die würden die Zellen zerstören. Deshalb nutzt man Frost- schutzmittel, soge- nannte Kryokonser- vierungsmittel.
Und das wird HIER gemacht. Unter ande-rem in Berlin steht eine Ambulanz, deren Team, sobald ein Pa-tient vom behandeln-den Arzt für tot er-klärt wurde, anreist und den ersten Schritt zur Kryokon-servierung vornimmt.
Berlin AMBULANZ Kendziorra/ Gina
Gina/Kenziorra
"Was passiert dann ? //
"Der Mensch, sobald er uns freigegeben wurde, würde ich hier drin liegen . Man fängt dann an , so schnell wie mög- lich mit Wasser und Eis, das hier raus- kommt, außen zu küh-len, gleichzei-tig Herzdruckmassage zu machen, sodass das Wasser mit der dem Blut besser in Kontakt kommt, das Blut zirkuliert und damit schneller kühlt. Man würde gleichzeitig Sauer-stoff geben mit die-sem Sauerstoffge-rät hier dann Medikamen-te geben, alles da-für tun, dass in- itial die Zellen langsam absterben, vor allem im Ge- hirn."
Grafik
In diesem ersten Schritt wird der Körper auf minus 20 bis minus 80 Grad heruntergekühlt und es findet ein Aus- tausch sämtlicher Körperflüssigkeiten statt. Rund um das Herz werden Transfu-sionsmaschinen ange-schlossen, die den Körper von Blut und Wasser befreien – stattdessen wird ein Frostschutzmittel eingeleitet. Der Körper wird dann auf etwa minus 130 Grad gekühlt. Das Kryo- konservierungsmittel wird hart, der Men- sch verglast sozu-sa-gen, der Körper ist nun vitrifizier-t. Danach folgt Schritt zwei und der Tote - Kryoniker nennen ihn Patient - wird zur Langzeitla-gerung in das schweizer Institut gebracht, wo er dann in flüssigem Stick-stoff kopfüber bei minus 196 Grad auf-bewahrt wird. Erin-nerungen, Bewußt- sein und die Persön-lichkeit bleiben im Gehirn angeblich er-halten. Stromausfäl-le sind übrigens kein Problem, denn es muss nur ab und zu flüssiger Stick- stoff nachgefüllt werden. Das Kryokon-servieren des gesam-ten Körpers kostet in Europa 200.000 Euro – die bezahlen die meisten Menschen mit einer Risikole- bensversicherung. Zusätzlich wird ein monatlicher Mit- gliedsbeitrag von 25 Euro fällig. Ist man einmal kryokonser- viert, fallen keine weitere Kosten an.“
In der Schweiz zeigt mir Dr. Kendzior-ra jetzt die Langzeit- lagerung - in diesen Tanks. 4 Menschen passen in einen die-ser sogenannten De-wars. Weltweit haben sich bisher etwa 500 Menschen kryonisie-ren lassen, in Euro-pa seit 2023 nur 4 Personen - und die sind hier drin. Rechtlich gilt die Kryonkonservierung übrigens nicht als Beerdigung, sondern als wissenschaftli-che Körperspende, die in den meisten europäischen Ländern legal ist.
Gina/Kendziorra bei Tanks
"Was sagen Sie Men- schen, die sagen das hier, das ist alles der Natur ins Hand- werk pfuschen, das ist Gott spielen?"
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"Ja, ich sage dazu dass viele Dinge , die wir heute machen , hätten Leute vor 50 Jahren für Gott spielen gehalten. Herztransplantation , Radio-Chemothera- pie. Selbst Handys sind eigentlich also im Endeffekt viele Dinge, wo man in der Vergangenheit gesagt hat, kann man sich gar nicht vorstel-len, das ist gegen die Natur, machen wir heute ganz ty-pisch. Das heißt, wenn das jemand sag-t, frage ich dann: Was ist der funda-mentale Unterschied von einem Herz ein Herz zu nehmen und von anderen Menschen zu transplantieren zur Kryo-Konservie- rung?"
Mittlerweile habe ich gelernt: Kryoni-ker streben gar nicht nach dem ewi- gen Leben, sondern setzen darauf, dass sie ihr Leben in der Zukunft noch um ein paar Jahrzehnte ver-längern können.
Marcus Beyer
"Die Idee ist ja nicht, dass ich jetzt mich möglichst früh kryokonservie- ren lasse, sondern dass ich so alt wer-de, wie es geht
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Und dann kommt da noch hinzu: Je län-ger man wartet, de-sto mehr Zeit hat die Technik auch zu reifen. Also das heißt besser, bes-ser, länger warten."
Auch hoffen Kryoni- ker darauf, dass - sollten sie totkrank sein - bis sie wie- derbelebt werden, die Wissenschaft so weit ist, ihre Krankheit heilen zu können.
Gina (Labor Schweiz)
"Was würden Sie denn sagen? Wie hoch ist denn die Wahrschein-lichkeit, dass das mit der Wiederbele- bung irgendwann klappt? "
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Kendziorra
"Wissenschaftlich ist da keine konkre-te Zahl zu nennen"
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"Ich glaube, die einzige faire Vari- ante, darüber nach- zudenken, ist zu sa-gen: Die Alterna-tive ist Einäsche-rung oder Beerdi-gung. Der Patient ist verstorben und hat jetzt im Endef-fekt nur die Wahl Einäscherung oder Beerdigung zu ma-chen. Kryo-Konser- vierung gibt einem zumindest eine bes- sere Chance. Ob das jetzt 1 % besser ist oder 0,0001 %. Kei- ner, kein Wissen- schaftler, auch ich nicht, kann das in irgendeiner Weise besagen oder bewei- sen."
Fakt ist: Es wurde noch nie ein Mensch erfolgreich wieder aufgetaut. Kritiker sagen: Das WIRD auch nie passieren.
O-TON Andreas Sput- tek "Wir Menschen haben 300 verschie-dene Zellarten in unserem Körper. Wir haben nahezu 80 Or-gane. Das heißt, ei-gentlich müsste ich ein Abkühlverfahren machen, was für jede Zellart und für je-des Organ spezifisch geeignet ist.
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"Ich vergleiche das jetzt mal (...) da- mit, als wenn Sie in einem Topf gleich- zeitig Blumenkohl, Kartoffeln und Gu-la-sch garen wollen. In dem Moment, wo Sie die Kartoffeln gar haben, haben sie den Blumenkohl zer-kocht und der Gula-sch ist immer noch roh."
Und das ist nur ei-ner der Einwände, den Kritiker haben. Trotzdem will sich auch Rebecca, die in den USA aufgewachsen ist und die ich mit ihrem Vater treffe, nach ihrem Tod kryo-nisieren lassen; sie ist erst 23.
VOICE OVER Rebecca "Ja. Mir ist be- wusst, dass das un- gewöhnlich ist und ich ziemlich jung bin. Vielleicht liegt es zum Teil auch daran, dass meine Schwester schon in jungen Jah-ren Krebs bekom-men hat und deshalb hab ich angefangen, Kryokonservierung in Erwägung zu ziehen."
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Ich liebe das Leben und bin generell op-timistisch, was die Zukunft angeht. Und wenn es möglich ist, würde ich mein Leben verlängern wollen."
Ihr Vater, die ganze Familie, findet die-se Überlegungen nicht etwa total ab-wegig:
Johannes Ziegler
"Der Haupteffekt war eigentlich, dass es dazu geführt hat , dass man sich mit diesen grundlegenden Fragen: Leben. Was bedeutet Leben? Wie lange will man ei-gentlich leben? Was will man im Leben erreichen, dass man sich damit intensi- ver auseinandersetz-t. Weil es geht ge-nau um diese Frage."
Auch ich habe wäh- rend meiner Recher- che festgestellt: Kryonik stellt indi-rekt die GANZ großen Fragen.
AUFSAGER GINA
"Die kryokonservier-ten Menschen kann man theoretisch für unbestimmte Zeit la-gern. Es ist eine Wette auf den tech- nologischen Fort- schritt. Eine ziem- lich teure. Ich per-sönlich gebe mein Geld lieber für Dinge aus, von denen ich ganz sicher weiß, dass ich was davon habe und ob ich irgendwann in einer Welt aufwachen will, die mir völlig fremd ist? Ich glau-be eher nicht."
Die Idee, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern es ei- ne, wenn auch noch so kleine Chance auf ein Weiterleben gibt - sie ist für einige wenige wahnsinnig spannend. Anderen gefriert schon beim Gedanken daran das Blut in den Adern.















