Auf Bilder wie diese wartet gerade ganz Schweden!!
Über 12 Millionen Menschen schauen gebannt zu - bei der Elchwanderung. Ein Live Stream rund um die Uhr, bei dem oft stunden oder Tagelang nichts passiert.
Offenbar ist genau das aber das Erfolgsgeheimnis.
Wir befinden uns in Schweden, genauer gesagt in Kullberg. Eine kleine Ortschaft, irgendwo im nirgendwo, im Norden Schwedens. Doch genau hier bereitet man sich auf die legendäre Elchwanderung vor. Der schwedische TV- Sender svt ist auch dieses Jahr ganz nah dran an den Elchen. Dem sogenannten König der Hirsche.
Hier oben haben wir unseren Kontrollraum und dort passiert es. Hier kommen alle Bilder an.
Stundenlang passiert oft nichts. Trotzdem ist die große Elchwanderung zu einem der beliebtesten Programme Schwedens geworden.
24/7 Livestream, und die TV-Quoten sprechen für den Erfolg. Nach Senderangaben kam es letztes Jahr auf sieben Millionen gestreamte Stunden und hat mittlerweile eine treue Fangemeinde. Der Grundschul-Lehrer David Östberg, der ein großer Elch-Fan ist und das Programm seit mehreren Jahren verfolgt, macht mit seinen Schülerinnen und Schülern in Nordschweden sogar im Unterreicht eine Art „Public Viewing“, was bei den Kindern gut ankommt.
Es ist schön, eine Pause zu machen und sie auf den Bildschirm zu beobachten.
Es macht Spaß und ist gemütlich.
Ich finde es super.
Für die Zeit zwischen April und Mai werden dazu, wie bereits in den vergangenen Jahren rund 36 Mikrofone und 32 Kameras an ausgewählten Plätzen verteilt. Außerdem werden auch 360-Grad-Kameras eingesetzt und Drohnen. In solchen Kästen werden die vielen Kabel im Wald gebündelt.
Jetzt gibt es wahrscheinlich einige, die denken, hallo, diese Schränke sind wirklich weiß und gut zu sehen. Deswegen werden sie mit solchen Camouflage-Netzen überzogen - so verschwinden sie im Wald.
Das Team muss die Technik ständig überprüfen, damit der Stream nicht abreißt.
Es war Douglas, also schauen wir mal.
Hast du eine Verbindung? Kannst du umswitchen?
Ja kann ich!
Vor 2 Jahren statten Forscher einer Universität in Schweden 22 Elche extra mit einem solchen GPS Halsband aus. Damit können die Forscher die genauen Routen der Tiere noch besser verfolgen. Während die Elche im Sommer und Herbst überall verteilt sind, ziehen sie im Frühling Richtung Norden, vorbei an den Kameras.
Hier bekommen wir viele schöne Nahaufnahmen der Elche zu sehen. Denn hier werden sie durchs Wasser waten, um dort rüber auf die Insel zu gelangen. Dort warten dann weitere Abenteuer auf sie. Das ist ein wichtiger Ort für uns, hier haben wir unsere Haupt-Technik.
Durchschwimmen die Elche den Fluss ist das der absolute Höhepunkt. Viele der zur Übertragung nötigen Kameras werden deshalb rundherum platziert und dann über Solaranlagen oder mit Batterien betrieben. Sogar Nachtlichtkameras werden installiert, um 24 Stunden senden zu können und kein Highlight zu verpassen.
Das ist quasi der Eingang. Die Elche kommen vom Süden und dann gehen sie in diese Richtung ein Stück in den Wald hinein. Dort haben wir zwei Wildkameras installiert, die uns als Warnsystem helfen, dass sich etwas bewegt.
Im Kontrollraum können mit diesen Sticks die Kameras um 360 Grad gedreht werden, damit bleibt kein Tier ungesehen.
Das ist einer meiner Lieblingsorte, muss ich sagen. Hier passiert alles Mögliche. Das Eis wird dünn und die Elche müssen wirklich kämpfen, um da wieder rauszukommen. Das sorgt jedes Mal für Herzrasen.
Die Zuschauer fiebern gerade bei solchen Szenen mit!
Oh nein! Schlimm, dass er sowas durchmachen muss.
Glaubst du, dass die Elche beim Schwimmen erstarren?
Ja, das Wasser ist eiskalt Papa.
Er hats fast geschafft.
Komm schon!
Ja! Endlich!
Zum Glück kann sich der Elch selbst befreien. Genau solche Momente warten die Zuschauer gefühlt 24 Stunden am Tag.
Immerhin hat das Tier ja irgendwie schon Kultstatus.
Die Menschen wollen ganz nah dran sein, wie mit dem Elch-Stream. Und obwohl die doch eher selten zu sehen sind, räumte die Übertragung bereits nationale und internationale Filmpreise ab. Stolze 12 Millionen Zuschauer schalteten allein im vergangenen Jahr weltweit beim schwedischen TV-Sender ein. Zum Vergleich: In Schweden gibt’s gerade mal 10 Millionen Einwohner. Das Interesse im Ausland scheint also auch groß.
Das Slow-TV und die damit verbunden Langsamkeit fasziniert offenbar viele Menschen. Und er ist dafür verantwortlich: Elchwanderungs-Produzent Johan Erhag, der nach seiner eigenen Elchsichtung auf die Idee kam.
Alles ist heutzutage sehr schnell und mit Musik oder Sprache unterlegt. Und das hier ist das genaue Gegenteil davon. In der Sendung wird nicht gesprochen. Wir haben einfach den natürlichen Klang der Natur und können nicht selbst entscheiden was als nächstes passieren wird. Wir sind einfach Beobachter und folgen dem, was wirklich in unserer Natur passiert.
Und weil genau das so gut ankommt, gibt es für dieses Jahr noch weitere, besondere Kameras, die etwas ganz Neues zeigen sollen:
Wir haben eine halbe Stunde entfernt von den Elch-Kameras auch Bären gefilmt. Wir haben das letzte Jahr schon ein bisschen angefangen und machen das dieses Jahr nochmal um mehr Aufnahmen von ihnen zu bekommen.
Auch Bären, Füchse, Enten, Vögel, sollen einem ab jetzt auch vermehrt in dem Livestream begegnen können. Und allein fast hundert Elche konnten im vergangenen Jahr gefilmt werden. Ganz uninszeniert, Jetzt sorgen sie nicht nur in Schweden sondern auch bei uns zuhause für echte Entspannung. Einfach nur den Elchen beim Wandern zusehen..