Hafer, Soja oder Mandel: Viele glauben, die pflanzlichen Alternativen sind besser als Kuhmilch. Aber stimmt das wirklich? Wir machen gemeinsam mit
Ernährungswissenschaftler Dr. Stephan Lück den großen Milch-Imitate-Check!
O-Ton Dr. Stephan Lück
„Wenn ich ein Milchersatz Produkt herstellen möchte, dann muss ich schon einiges konstruieren, prozessieren, Ich muss einiges tun mit dem Ausgangsprodukt, um an diese Eigenschaften zu kommen.“
Wie schaffen es die Hersteller, aus Hafer, Mandeln oder Soja ein Getränk herzustellen, das wie Milch aussieht und auch noch so ähnlich schmeckt?
O-Ton Dr. Stephan Lück
„Am beliebtesten ist sicherlich die Hafermilch. Und wenn wir uns die Produkte mal anschauen, dann sehen wir hier als Zutat Wasser, Hafer, Salz,… denkt man Hey, so easy mach ich selber. Ganz einfach. Nehmen wir es auf. Auf Locken. Zudem ein Mixer, Wasser drauf.“
Schön durchgemixt und dann hat man eine Art Haferdrink. Den würde aber keiner trinken, denn er schmeckt nicht.
O-Ton „Jetzt sehen wir auch, wie schleimig das ist.“
Und deswegen müssen die Hersteller mit Dingen nachhelfen, die man unter den Inhaltsstoffen gar nicht findet.
O-Ton „Hier haben wir die kleinen Zauberprodukte… das sind nämlich die Enzyme, die zerschneiden den schleimigen Stoff, so dass er nicht mehr schleimig ist.“
Mit ein paar Tropfen und dreißig Minuten später…sieht der Haferdrink, wie hier rechts, schon eher aus wie Milch.
Überraschend dabei: das Wundermittel ist eigentlich gar nichts besonderes. Denn die Amylase ist ein natürliches Enzym, das in vielen Lebensmitteln vorkommt.
O-Ton „Wir haben sie wenig Zutaten. Das ist gesund… auch um Milch einzusparen.“
Wasser und Hafer – nur wenige Zutaten, aber warum kostet die Milchalternative dann fast doppelt so viel wie Kuhmilch?
Lück:
„Man muss wissen, da steckt ja eine gewisse Entwicklungsarbeit hinter. Und die wollen natürlich gerade die Gründer dieser Hafermilch sich auch bezahlen lassen. Tatsache ist aber, und das sehen wir auf dem Markt, dass die Preise immer mehr purzeln. Es wird auch nicht mehr Trend irgendwann sein und dann wird man diese Produkte auch sehr günstig vor allen Dingen im Discounter bekommen können.“
Das klingt gut!
Und auch Mandeldrinks sind beliebt. Bei denen müssen manche Hersteller aber schon ein bisschen mehr nachhelfen.
Lück:
„Mandeln sind sehr teuer. Das heißt, die Hersteller versuchen wenig Mandeln einzusetzen. Hier sind es gerade mal 2,3 %. Also das ist ja praktisch ein drei oder vier Mandeln, einen ganzen Liter Wasser. Da bleibt nichts an Geschmack übrig. Das heißt, da muss ich arbeiten, mit Aromen, mit Fertigungsmitteln, mit anderen Stoffen, sodass ich ernährungsphysiologisch sagen muss, das hat ja mit der Mandel gar nichts mehr zu tun.“
BLENDE
Aber geschmacklich doch schon, oder?
Wir bitten hier in einem Kölner Einkaufszentrum zur Blindverkostung. Neben echter Kuhmilch bieten wir die Alternativen an. Schon mal probiert?
O-Ton „Nein, hab ich noch nicht probiert. Schon mal dran gedacht, hab schon mal Hafermilch … wusste aber nicht, ob´s mir schmeckt.“
Na, dann mal los. Wie schmeckt sie denn – die Milch-Alternative aus Hafer?
O-Töne „…Hafer … Schmeckt richtig gut.“
Hier ist man geteilter Meinung. Und wie kommt der Mandeldrink an?
O-Tone „Es schmeckt jetzt nicht richtig nach Milch…Mandeln …ist aber lecker. Die gefällt mir.“
Und wie schmeckt`s wenn Milch aus Soja gemacht wird?
O-Töne „Viel süsser… ok, die ist nicht so meins.“
Dann gibt es noch Mischgetränke wie „Not milk“. Mit verschiedenen Zusätzen wie Hafer und Erbsenprotein sollen diese der Kuh-Milch am nächsten kommen.
O-Töne „Kann man gut trinken, Reis?…1 und 2 war jetzt besser!“
Ob Soja, Hafer oder Mandel – in unserer Kostprobe hat jeder, je nach Geschmacksvorliebe, seinen eigenen Favoriten gefunden.
O-Ton „Alles nach Milch…. Nur halt Hafer, Soja oder was auch immer.“
BLENDE
Gerade bei den Produkten, die den vollen Geschmack der Milch nachahmen sollen, wird auch die Liste der Inhaltsstoffe länger.
Insgesamt gilt aber: Für ein Imitat kommen die Milchalternativen mit erstaunlich wenig künstlichen Zutaten aus.
Lück:
„Wir haben hier ein Produkt, das durchaus akzeptiert ist und was auch wirklich seinen Sinn hat und auch seine Daseinsberechtigung.“
Aus ökologischen und ethischen Gründen ist der Griff zu Haferdrink und Co. also durchaus sinnvoll. Aber sind die pflanzlichen Milchalternativen generell auch gesünder?
„Milch ist ein Produkt was sehr hochwertig ist und man eher als Nahrungsergänzung nehmen sollte, um eben eine Ernährung zu optimieren und da können diese Produkte der Milch eben auf keinen Fall das Wasser reichen"
Am Ende ist eine pflanzliche Milch eben nicht das Original - das punktet vor allem mit besseren Nährwerten bei Kalzium, Kalium und Eiweiß. Aber für den ein oder anderen sind die Drinks sicher eine super Alternative .