Er kommt entspannt und unaufgeregt am Gericht an – unsere Reporterin Sabrina Suberg trifft auf einen der Angeklagten vor dem Gerichtsgebäude. Nicolas F., 41 Jahre alt und ein ehemaliger Journalist. Vor der Kamera sprechen möchte er nicht, aber…
Sabrina Suberg, RTL-Reporterin: „…was mir aufgefallen ist, ist, dass er sich nicht versteckt, wie andere Angeklagte das oft machen. Und er ist auch nicht aggressiv, wie ich es bei anderen erlebt habe. Im Grunde wirkt er so wie der nette Typ von nebenan.“
Doch das ist er nicht. Als er mit unserer Reporterin spricht, ist von Reue keine Spur. Und nicht nur das: Nicolas F. glaubt, dass er trotz seiner bestialischen Tat nichts zu befürchten hat - dank einer psychiatrischen Untersuchung.
Der verantwortliche Arzt behauptet vor Gericht, keine Störungen gefunden zu haben, gibt ihm sogar eine gute Prognose für die Zukunft.
Sabrina Suberg, RTL-Reporterin: "Aber da gibt es ein Problem, denn diese Untersuchung hat stattgefunden, bevor man auf Nicolas Rechner sexualisierte Bilder von Kindern und von Tieren und anderen sexuellen Devianzen gefunden hat. Der Experte hat das vor Gericht als Erforschung aus Neugierde abgetan.“
Ensetzen darüber auch bei Alexandre Guey, Journalist einer Lokalzeitung, der Nicolas F. von der Arbeit kennt.
Alexandre Guey, Journalist: „Er ist jemand, der sehr freundlich, professionell ist und sich sehr gut ausdrückt. Ich war überrascht und schockiert, wie viele meiner Kollegen in der Redaktion. Zu erfahren, dass er daran beteiligt war in dieser ziemlich schmutzigen Angelegenheit. Es hat wirklich alle überrascht. Das ist nicht das Bild, das wir von ihm hatten.“
Auch Redouan E. ist wegen der Vergewaltigung von Gisele Pelicot angeklagt. Er ist 55 Jahre alt, arbeitet als selbstständiger Pfleger und wohnt in einer ruhigen Gegend, zusammen mit seiner Frau Amina. Für seine Nachbarn ist der Mann aber kein unbeschriebenes Blatt.
Nachbar: „Es musste mehrere Male die Polizei kommen. Anscheinend gab es öfter Streit und er hat seine Frau einfach vor die Tür gesetzt. Er hat sich oft komisch verhalten.“
Außerdem soll der 55 Jährige mehrere Flutlichter an seinem Haus angebracht haben, für viele Nachbarn eine Belästigung. Seit der Anklage ist jetzt auch seine Praxis hier in seinem Wohnhaus gemeldet.
Sabrina Suberg, RTL-Reporterin: „Aber beruflich scheint es ihm nicht so gut zu gehen, denn auf einer Mietplattform habe ich gesehen, dass man sein Haus mieten kann.“
85 Euro für eine Nacht im Haus eines Vergewaltigers? Unsere Reporterin möchte sich das Haus selbst angucken und sieht, wie eine Frau mit Einkaufstüten das Grundstück betritt – es ist seine Ehefrau Amina. Doch im Gespräch mit uns streitet die Frau ab, Redouan überhaupt zu kennen. Verständlich, denn er ist genau wie 50 weitere Männer angeklagt über die bewusstlose Gisèle Pelicot hergefallen zu sein und sie vergewaltigt zu haben. Ob sie dafür ALLE ins Gefängnis wandern, entscheidet sich im Dezember, wenn die Urteile fallen.