Ein weißes Fahrrad erinnert an den Tod des Teenagers. Er stirbt, als Ende August der Fahrer eines Sattelschleppers auf diesen Parkplatz fahren will. Beim Abbiegen übersieht er den 15-jährigen Radfahrer: Ein Schock für Anwohner in Groß-Flottbek.
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(am 02. September 2023)
"Das war ein Junge, der in die Klasse meiner Tochter gegangen ist, und meine Tochter war sozusagen nur ein, zwei Minuten entfernt, auf der anderen Straßenseite, hat das nicht mitbekommen, aber: Ich sag mal so, es hätte unser aller Kind sein können."
Fälle wie diesen kennt auch Jörg Milter: Wenn der Berufskraftfahrer mit seinem Sattelschlepper in Hamburg unterwegs ist, fährt die Angst immer mit.
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"Ich fahre hier extrem vorsichtig an der Ecke , weil ich möchte nicht ein Radfahrer übersehen oder ein Fußgänger übersehen . Definitiv nicht . Da bin ich immer ganz vorsichtig bei der Ecke."
RTL Nord liegen aktuelle Unfallzahlen der Polizei Hamburg vor. Sie zeigen: Jörg Milters Sorge ist berechtigt.
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Seit 2019 kam es in der Stadt zu 345 Abbiegeunfällen in die LKW und Radfahrer verwickelt waren. In 326, also 94% der Fälle, war der LKW-Fahrer der Hauptverursacher.
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Damit die Fahrer besser Acht geben, dürfen seit 2020 LKW in Städten nur noch in Schrittgeschwindigkeit abbiegen - doch nicht jeder hält sich daran, wie eine Polizeikontrolle im September zeigt.
Enno Treumann, Polizei Hamburg
(am 20.09.2023)
"Wir hatten in diesem Jahr schon drei tödliche Abbiegeunfälle. Jedes Mal war der LKW zu schnell."
Aber auch beim vorsichtigen Abbiegen können schwere Unfälle die Folge sein: Denn im toten Winkel rechts vom LKW verschwinden Personen aus dem Sichtfeld des Fahrers: Den umrandeten Bereich kann Jörg Milter über seine Spiegel kaum sehen. Seit 2022 müssen deshalb neu zugelassene LKW mit sogenannten Abbiegeassistenten ausgerüstet sein. Auch in Jörg Milters Sattelschlepper ist ein solches System verbaut: Eine spezielle Kamera überwacht den Gefahrenbereich. Sie erkennt Radfahrer und Personen und warnt den Fahrer.
Freistand Alarm 00:23:47:23
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Jörg Milter, LKW-Fahrer
"Der Abbiegeassistent erleichtert meine Arbeit sehr . Gerade beim rechts abbiegen . Er nimmt auch extrem viel Lasten . Muss nicht ganz so natürlich muss man gucken . Aber es ist ein anderes Gucken , das man nimmt , das ganz anders war . Und die Teile sind schon richtig gut."
Viele ältere Laster sind immer noch ohne die helfende Technik unterwegs.
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In den vergangenen fünf Jahren starben bei Abbiegeunfällen mit LKW allein in Hamburg sieben Radfahrer.
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Nur bei einem der Unglücks-Laster war ein Abbiegeassistent verbaut. Trotzdem sieht der ADAC, der verschiedene Systeme getestet hat, Abbiegeassistenten skeptisch.
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Christof Tietgen, ADAC
"Keines der Systeme ist wirklich fehlerfrei . Vier waren sogar mangelhaft . Das heißt , sie haben Fehlermeldungen ausgegeben . Ja , bei Sachen , wo gar nichts war , wo zum Beispiel ein Baum an der K reuzung stand und das wurde als Gefahr erkannt. Das birgt natürlich Gefahren: Wenn zu viele Fehlermeldungen produziert werden, dann achtet man als Fahrer gar nicht mehr drauf."
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub fordert, dass LKW ohne Abbiegeassistenten mit zwei Fahrern unterwegs sind: Der Beifahrer überwacht dann beim Abbiegen den toten Winkel. Außerdem müssten die Kreuzungen sicherer gebaut werden. Wie das aussehen kann, zeigt der Stephansplatz in der Innenstadt.
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Kaija Dehnkamp, ADFC
"Positiv ist schonmal, dass die Radfahrenden in einem geschützten Bereich an die Kreuzung rangeführt werden, dass sie da nicht von den Abbiegenden übersehen werden können. Dann haben wir - in der Folge - auf der Fahrbahn große rote Aufstellflächen, rote Markierungen auf der Fahrbahn überhaupt, damit klar ist, hier ist Radverkehr."
Ideal ist aber auch diese Kreuzung nicht, sagt die Expertin. Sie wünscht sich, dass Radfahrer vor dem restlichen Verkehr fahren dürfen, damit gefährliche Situationen wie diese hier (17:35) gar nicht erst entstehen können.
Das versucht offenbar auch die Verkehrsbehörde, die Radwege und Kreuzungen weiter ausbaut. Schließlich will Hamburg Fahrradstadt werden. Schriftlich teilt uns die Behörde mit:
"Die Verkehrspolitik der BVM folgt dabei der Maxime, dort wo baulich und räumlich möglich, Kfz-, Rad- und Fußverkehr voneinander zu trennen, um Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmenden zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen."
Abbiegeassistent, langsames Abbiegen und eine sicherere Verkehrsführung: drei Maßnahmen, die keine vollständige Sicherheit geben können. Für Jörg Milter selbstverständlich: Er will auch weiterhin beim Abbiegen extra vorsichtig sein - damit in Hamburg keine weißen Fahrräder mehr aufgestellt werden müssen.