Diese Aufnahmen zeigen Pflegerin Karin B. bei der Arbeit. „Wieso klingeln sie oft, haben sie Langeweile?“ Weil sie offenbar von einer Bewohnerin genervt ist, nimmt sie ihr die Notrufklingel ab. „Du wirst nicht mehr klingeln, versprochen. Du wirst nicht mehr klingeln, Omilein. Ich bin jetzt in der Pause.“ Nur eine von vielen erschreckenden Szenen, die RTL bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht hat.
Das ist Familie Rabahieh. Sie musste mit ansehen, wie Karin B. ihre Mutter beziehungsweise Schwiegermutter misshandelte. Sohn Rami Rabahieh: „Ich zittere am ganzen Körper, ich merke das nicht. Ich kann das bis heute immer noch nicht angucken.“
Bereits im November letzten Jahres bestätigte unsere Undercover-Recherche ihre größte Angst: eine Pflegerin, die Bewohner und Bewohnerinnen teils beleidigte und quälte. Die Rabahies fordern Konsequenzen!
Rückblick: Drei Wochen lang recherchierte RTL-Reporter Abdullah getarnt als Pflegepraktikant im Seniorenheim St. Margareta in Königswinter und dokumentierte dabei gravierende Missstände.
Was sofort auffällt: Karin B. scheint bei manchen Tätigkeiten zu pfuschen. Hier soll eine Auszubildende die Gesundheitswerte der Patientinnen eintragen. Karin B. gibt ihr Werte vor, korrigiert sie dann oder fordert sie auf, etwas anderes einzutragen.
Unser Reporter beobachtet außerdem immer wieder, wie schlimm Karin B. mit Bewohnerinnen umgeht. Dabei droht die Pflegerin auch körperliche Gewalt an. „Ich kann das nicht haben, wenn einer schreit. Ich sage dir, ich klatsch dir eine.“
Konfrontiert mit diesen Situationen weist das Heim damals Schuld von sich - und Karin B. Eine einzige Beschwerde hätte es gegen sie in zwei Jahren gegeben, die vollständig widerlegt worden sei.
Äußerungen, die Familie Rabahieh bis heute sprachlos machen. Die Familie hatte sich laut eigener Aussage bereits lange vor unserer Ausstrahlung über Karin B. beschwert: bei der Pflegedienstleitung und vielen weiteren Entscheidungsträgern. Unter anderem aufgrund einer Aussage von Rami Rabahies Mutter, die angibt, von Karin B. geschlagen worden zu sein.
Wir treffen Mitarbeitende des Pflegeheims zum Interview. Aus Angst vor Konsequenzen wollen sie anonym bleiben. Mitarbeitende haben sich gewundert, was für Verletzungen Bewohner häufig gehabt haben nach [Karin B.s] Nachtschichten. Wir von RTL haben gehört, dass Kollegen ihre Bedenken wohl auch der Pflegedienstleitung gemeldet haben.
Selbst am Tag nach unserer Berichterstattung habe es zunächst keinerlei Konsequenzen durch die Heimleitung für Karin B. gegeben, sie sei ganz normal zur Arbeit gekommen. Die Mitarbeitenden distanzieren sich dagegen umgehend nach unserer Berichterstattung von den Vorkommnissen.
Letzte Woche fahren wir erneut nach Königswinter ins Pflegeheim. Ein Interview will man uns nicht geben, inoffiziell äußert sich die Heimleitung: „Ich möchte mich nicht dazu äußern. Das ist einfach aus meiner Sicht völlig falsch dargestellt worden. [Karin B.] arbeitet nicht mehr hier. Insofern wäre alles getan, was wir tun mussten.“
Von Verantwortung keine Spur. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es Anfang dieser Woche: „Die zuständige Heimaufsicht hat […] den gesamten Fall […] erneut geprüft und sowohl der Heimleitung als auch der Pflegedienstleitung und den Pflegekräften des Hauses ein unter keinem Gesichtspunkt zu kritisierendes oder gar vorzuwerfendes Verhalten attestiert, sondern vielmehr festgestellt, dass es sich hier ganz offensichtlich um einen schwer erklärbaren und bedauerlichen Einzelfall gehandelt hat.“
Ohne wirkliche Aufklärung kann auch Familie Rabahieh nicht abschließen. Ihre Angehörige ist Ende letzten Jahres verstorben. „Die Pflegerin hat ganz schlimme Sachen gemacht. Das ist nicht zu entschuldigen. Aber sie ist halt auch nicht gestoppt worden."
Es bleibt die Frage: Wenn selbst die, die kontrollieren sollten, nicht gut genug hin- , ja vielleicht sogar wegschauen, wer schützt dann die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen?