Vinted, Sellpy oder der klassische Flohmarkt - wo ist die Kleidung ein Flop, wo top? Unser Test wird zeigen: Es lohnt sich, bei gebrauchter Kleidung ganz genau hinzuschauen.
“Das finde ich wirklich eklig.”
Denn nicht immer können wir den Angaben der Verkäufer vertrauen…
„Mir persönlich wäre es auch unangenehm, so einen Schuh zu verschicken und jemanden anderes anzubieten zum Verkauf.”
Los geht es für mich auf dem Flohmarkt. Meine Mission: Ein stylisches Outfit zu finden! Hier kann ich direkt mit den Verkäufern ins Gespräch kommen
“Ich muss dir ehrlicherweise sagen, ich habe einen Hund. Es kann sein, dass da noch ein Hundehaar oder so dran ist, nicht dass du allergisch bist.”
Bin ich nicht, die Hose nehme ich mit. Meine Schatzsuche ist erfolgreich - ein Pullover für 8 Euro, ein T-Shirt für 5 Euro und eine Hose für 10 Euro kommen mit mir nach Hause:
“Das T Shirt macht einen richtig neuwertigen Eindruck auf mich. Es riecht auch noch ganz frisch nach Waschmittel und die Verkäuferin hat mir auch versichert, dass es frisch gewaschen ist.”
Zuhause nehme ich von allen drei Kleidungsstücken Abklatschproben. Lassen sich Bakterien, Pilze oder Hefen nachweisen?
“Second-Hand-Shopping geht nicht nur auf dem Flohmarkt, sondern auch online. Da gibt es verschiedene Plattformen und da stöbere ich mich jetzt mal durch.”
Vinted zum Beispiel. Hier können Privatpersonen ihre gebrauchten Sachen direkt an Interessenten wie mich verkaufen. Eine Prüfung der Ware durch Vinted findet nicht statt, aber die Plattform weist die Verkäufer an, die Kleidung sauber weiterzugeben und auf Mängel hinzuweisen. Dieser Mantel zum Beispiel soll in einem “sehr guten” Zustand sein. Das Profil macht einen guten Eindruck, die Verkäuferin hat viele positive Bewertungen:
“Sehr gepflegte Kleidung. Das hört sich ja richtig gut an. Hier steht sogar fünf Sterne sind hier zu wenig. Na, da erwarte ich jetzt aber viel.”
Ich bestelle den Mantel für 20 Euro. Als nächstes suche ich ein Top. Das hier macht einen sehr guten Eindruck. Verkäufer können jegliche Mängel des Artikels in der Beschreibung wie auch in den Bildern dokumentieren.
“Und wenn mir das nicht reicht, kann ich sogar noch mit den Verkäufern chatten und alle möglichen Fragen stellen, die ich habe.”
Diese Möglichkeit habe ich auf der Plattform Sellpy nicht. Mir wird hier aber versprochen, dass alle Artikel vor dem Verkauf von Sellpy selbst geprüft und mangelhafte oder unhygienische Produkte aussortiert werden. In der Kategorie “gut” finde ich ein Paar Turnschuhe:
“Es steht aber da, der Schuh wurde gut behandelt, die Defekte sind aufgelistet und fotografiert. Ich bin mal gespannt, ob der auch in desinfiziert wurde, weil das wäre bei Schuhen ja nicht so schlecht.”
Die Schuhe kosten 32,50 Euro. Als letztes landet eine Handtasche für 35 Euro in meinem Warenkorb, hier soll der Zustand sogar “sehr gut” sein. Ein paar Tage später trudeln alle Pakete von Vinted und Sellpy bei mir ein. Die Verkäufer auf Vinted scheinen ihre Versprechen halten zu können:
“Es riecht auf jeden Fall sehr frisch, ein bisschen nach Waschmittel.”
Auch der Mantel macht einen sehr guten Eindruck auf mich. Die Tasche von Sellpy scheint auch dem angegebenen Zustand zu entsprechen, bei den Schuhen sieht das leider anders aus:
“Hier auf dem Boden des Schuhs sind Haare, relativ viele Haare sogar. Es riecht relativ neutral, aber die Haare? Was haben die da zu suchen?”
Auch von den Produkten aus dem Netz nehme einen Abklatschtest.
Während wir auf die Ergebnisse warten, wirft Stilexpertin Cindy Kreißmann schon mal einen Blick auf meine neuen, gebrauchten Klamotten. Los geht’s mit dem Mantel von Vinted:
"Also die Sachen riechen so, als würden sie von einem Raucher / von einer Raucherin kommen, sie riechen nach kaltem Rauch. Das kriegt man aber, wenn man es wieder wäscht wieder raus.”
Bei dem Tshirt, der Hose und der Tasche kann sie keine größeren Verschmutzungen oder Mängel feststellen, bei dem Pullover vom Flohmarkt sieht das leider anders aus:
“Allerdings muss ich feststellen, dass der sehr, sehr gebraucht aussieht, weil der hat was natürlich typisch ist für so Wollpullover, überall so kleine Knötchen drauf.”
Unabhängig davon scheint der Pullover aber sauber zu sein:
“Im Kragen drin sind auch oft immer Flecken. Der hatte jetzt nichts. Das ist ja alles in Ordnung.”
Trotzdem empfiehlt die Expertin, gebrauchte Kleidung vor dem ersten Tragen IMMER zu waschen:
“Im Prinzip kannst du die Sachen reinigen, wie auch die anderen Sachen, die du neu kaufst im Geschäft, so wie es auch im Schild meistens auch drin steht nach den Waschvorgaben.”
Beim Schuh wird das allerdings schwierig. Und der bereitet Cindy Kreißmann auch noch die größten Sorgen:
“Das ist ein Schuh, den man auf jeden Fall aussortieren sollte und nicht verkaufen sollte. Mir persönlich wäre es auch unangenehm, so einen Schuh zu verschicken und jemanden anderes anzubieten zum Verkauf.”
Dabei war der bei Sellpy sogar als „gut“ beschrieben worden! Und die Ergebnisse unserer Abklatschproben zeigen: Es kommt noch schlimmer. Bei fast allen Kleidungsstücken können wir Bakterien nachweisen. In den Schuhen tummelt sich aber noch mehr:
“Überraschung, die rosa Seite des Abklatschtests also die für Hefen und Pilze hat bei den Schuhen von Sellpy angeschlagen.”
Das feucht- warme Klima in Turnschuhen schafft den idealen Nährboden für Keime:
„Gerade an den Füßen wachsen gerne Warzen oder auch Fußpilz. Und das kann natürlich sehr leicht übertragen werden, wenn man barfuß in den Schuhen war und die dann anschließend verkauft."
Denn Pilze können über einen sehr langen Zeitraum in Schuhen überleben. Keine schöne Vorstellung, finde ich. Und frage mich: Wie kann das überhaupt sein? Sellpy hatte doch laut Richtlinien versprochen, alle Artikel vor dem Verkauf zu prüfen. Ich frage bei der Plattform an und schicke ihnen die Ergebnisse unseres Tests.
“Obwohl wir uns bemühen, jeden Artikel mit größter Sorgfalt zu bearbeiten, können im Einzelfall Fehler passieren. (…) Kund*innen haben das Recht, innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf eine Reklamation anzumelden und eine Rückerstattung zu erhalten, wenn der Artikel nicht den Erwartungen entspricht."
„Ein Glück kann ich die Schuhe zurückschicken und genau das mache ich jetzt auch“
Mein Geld bekomme ich innerhalb von 14 Tagen zurück aufs Konto überwiesen.
Mit den anderen Kleidungsstücken bin ich zufrieden; nach der Reinigung sind alle Teile frei von Hefen und Pilze. Ein paar Bakterien sind noch übrig, aber das ist normal und nicht schädlich:
“Unser Zusammenleben mit den Keimen bestimmt, dass wir gesund sind , dass wir eine bestimmte Abwehr Funktion erfüllen.”
Für 82 Euro habe ich ein komplettes Outfit mit sechs Teilen Second-Hand geshoppt! Und unser Test hat gezeigt: Nach einmal waschen können wir die meisten Kleidungsstücke auch guten Gewissens tragen.