Schon in der Vorsaison sind Flieger, Busse und Strände überfüllt. Gleichzeitig können sich viele Einheimische die Mieten nicht mehr leisten. Proteste gegen den Tourismus werden immer lauter. Sind wir auf der Insel überhaupt noch willkommen? Wir gehen auf Spurensuche.
Der Frust vieler Einheimischer richtet sich dabei aber nicht gegen einzelne Urlauber. Sondern gegen die Entwicklung auf der Insel. Aktivist Pere Joan Femenia setzt sich mit dem Verein „Weniger Tourismus - mehr Leben” für die Menschen ein, die „verdrängt” wurden. Er zeigt uns einen Platz in einem Vorort von Palma. Hier stehen rund 150 Wohnwagen, 80 davon sind dauerhaft bewohnt. Auch Sara Ruiz lebt hier. Sie ist Mutter eines sechs Jahre alten Sohnes. Die 27-Jährige arbeitet als Teilzeitkraft in einer Bäckerei in der Hauptstadt Palma. Löhne in Spanien sind niedriger als in Deutschland. Ihre 800 Euro netto reichen nicht im Ansatz, um sich eine Wohnung in Mallorcas Hauptstadt leisten zu können. „Ich sehe mich gezwungen, unter diesen Bedingungen zu wohnen, weil die einzige Alternative wäre unter der Brücke zu leben”, sagt die junge Mutter. Wie Sara Ruiz geht es vielen hier auf der Insel. Insgesamt fehlen rund 90.000 Wohnungen. In der Not besetzen Einheimische auch leer stehende und verfallende Gebäude, wie ein altes Gefängnis.
Ein Grund für die Krise: Wohlhabende Ausländer kaufen Häuser und Wohnungen auf Mallorca und vermieten sie teuer an Feriengäste. Viele Unterkünfte landen auf Plattformen wie Airbnb – teilweise legal, teilweise illegal. Auch Luxus-Makler Marcel Remus kennt das Problem. Seine Werbeplakate wurden in der Vergangenheit sogar beschädigt. Trotzdem sagt er offen: „Die Preise auf Mallorca werden definitiv nach oben gehen.“ Dass normale Familien kaum noch Wohnraum finden, sei aber nicht akzeptabel. Die Politik müsse dringend handeln.
Bei den Dreharbeiten hört unsere Reporterin immer wieder denselben Satz: Niemand wolle den Tourismus abschaffen. Mallorca könne ohne Urlauber kaum überleben. Allein internationale Gäste gaben vergangenes Jahr mehr als 23 Milliarden Euro auf den Balearen aus. Viele Einheimische wünschen sich aber klare Grenzen. Mehr Regeln. Weniger Massentourismus. Und Lösungen für die Wohnungsnot. Denn eins scheint festzustehen: Willkommen sind Urlauber auf Mallorca noch immer. Aber die Geduld vieler Menschen auf der Insel wird kleiner.