Alexander Müschen, Moderator:
Wenn man an die Bedrohung der Pressefreiheit denkt, dann denken ganz viele jetzt eher an eine Diktatur in einem Land und jetzt nicht unbedingt direkt an Deutschland. Ich würde das einordnen. Wie steht es denn um die Pressefreiheit hier bei uns im Land?
Sonja Schwetje, Geschäftsführerin und Programmchefin:
Grundsätzlich können Journalisten schon bei uns im Land gut ihre Arbeit machen. Und es gehört ja auch zur Natur unseres Jobs, dass Menschen nicht wollen, dass wir genau da reingucken, wo wir glauben, dass es wichtig ist, dass wir Sachen aufdecken, die lieber andere unter Verschluss gehalten hätten. Also es gab schon immer Versuche, unsere Arbeit zu behindern. Aber natürlich wird es kritisch da wo Journalistinnen angegriffen werden, das passiert oder beleidigt werden, im Netz bedroht werden. Oder eben natürlich auch, wenn Redaktionen, so wie jetzt jüngst bei den Kollegen von der Zeit, genötigt werden sollen, dass sie Recherchematerial, was dem Redaktionsgeheimnis unterliegt und dem Quellenschutz, rausgeben. Weil dafür ist eben ein besonderer Schutz vom Grundgesetz im Rahmen der Pressefreiheit eigentlich gedacht gewesen. Und das darf man aus meiner Sicht nicht ankratzen.
Alexander Müschen, Moderator:
Genau. Ein ganz, ganz akuter Fall irgendwie, in dem versucht wurde, dass die Androhung gab, eine Redaktion zu durchsuchen, dass das eine das andere ist, vielleicht aber auch das, was wir jeden Tag erleben oder fast jeden Tag erleben. Diese, diese Verächtlichmachung, dieses Diffamieren von Journalismus und Presse weltweit natürlich, aber auch hier bei uns immer und immer wieder. Welchen Effekt hat das?
Sonja Schwetje, Geschäftsführerin und Programmchefin:
Also es ist wirklich ein Unterschied, ob man vereinzelte Beleidigungen oder Drohungen erfährt oder ob sozusagen systematisch ein gesamter Berufsstand diskreditiert werden soll. Das dient dazu, dass man das Vertrauen in demokratische Institutionen unterwandern will, die Glaubwürdigkeit von Presse und auch vielleicht von anderen Institutionen, so dass Menschen am Ende ganz verunsichert sind und nicht mehr wissen was kann ich denn noch glauben und was nicht? Und dann können halt Leute, die das manipulativ ausnutzen, das für ihre Zwecke nutzen. Aber wichtig ist, dass wir trotzdem immer noch sagen: Wwir stellen euch eine faktenbasierte Grundlage dar und auf der könnt ihr euch eure Meinung selber bilden. Wir wollen niemanden bevormunden. Dafür braucht es aber dann eben auch eine Orientierung. Also was sind vertrauenswürdige Marken? Was sind Medien, die wirklich nach journalistischen Grundsätzen recherchieren und produzieren? Und das sollte dann auch jedem klar sein.
Alexander Müschen, Moderator:
Wir sehen es irgendwie ein weltweites Thema aktuell, wenn wir jetzt mal zu uns hier in die Region in den Norden schauen. Was würdest du sagen, was wird denn fehlen, wenn es hier bei uns im Norden keine freie Presse mehr gäbe?
Sonja Schwetje, Geschäftsführerin und Programmchefin:
Wir sind natürlich sehr nah dran an den Menschen, die bei uns in der Region leben. Das heißt, wir wissen genau, wo drückt der Schuh und wo müssen wir genau reinbohren. Wir hören auch zu, weil die erzählen uns das ja zum Glück. Wir leben ja auch auf dem Land oder in den Städten, in der Region. Und das ist ein großer Vorteil, wo definitiv was fehlen würde, wenn denjenigen dann keiner mehr auf die Finger schaut, die Dinge zu verantworten haben. Budgets beispielsweise in den Kommunen oder wenn Geld in eine Fähre über die Schlei geht und die funktioniert ständig nicht, ist es auch wichtig zu sagen: Wir sehen das und deswegen müsst ihr da jetzt mal nachbessern, da muss schnell was passieren. Also ich glaube, da würde eine ganze Menge fehlen.
Was macht RTL Nord noch, abseits von diesem Rausfahren quasi tagtäglich, um die Pressefreiheit zu stärken?
Wir stärken sie tatsächlich jeden Tag im Kleinen. Und das hat einen großen Impact. Und darüber hinaus machen wir auch ganz transparent, wie wir arbeiten. Wie kommen wir zu unseren Rechercheergebnissen? Was bedeutet das Zwei-Quellen-Prinzip? Wie sind Verifizierungstechniken? Wir laden auch Leute ein, die bei uns hinter die Kulissen kommen können, so wie im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit, mitlaufen und dann auch sehen, dass niemand bei uns anruft, keine Pressestelle oder wer auch immer und uns sagt: Das dürft ihr machen, das sollt ihr machen, das könnt ihr alle gerne versuchen. Aber wir halten uns natürlich nicht dran. Und deswegen ist es wichtig, dass wir da eine Offenheit und Transparenz haben und dass wir den Leuten auch sagen: Wenn ihr was seht, auf Social Media beispielsweise, erst mal skeptisch draufschauen und dann vielleicht gucken, wie kann ich selber noch mal gegentreten, ob ich das wirklich glauben soll oder nicht.
Alexander Müschen, Moderator:
Ganz wichtige Themen, die uns alle was angehen. Ganz, ganz herzlichen Dank für diese Klarstellung, Sonja.