Dass Mario Reschke heute hier steht und in die Kameras lächelt, hat er einem sogenannten Herzpflaster zu verdanken, das die Forscher an der Universitätsmedizin Göttingen entwickelt haben. Vor 17 Jahren hat der 56-Jährige einen schweren Herzinfarkt, seitdem pumpt sein Herz nur noch zu 20%.
Im Endeffekt wäre so dieses Jahr wohl das Jahr gewesen, wo selbst ein eingebauter Defibrillator oder die medikamentöse Therapie, die ich bekomme, mich nicht mehr am Leben gehalten hätte. Und ich habe darum das große Glück gehabt, letztes Jahr durch einen Tischtenniskollegen und durch das Internet mich mit einer Sache beschäftigen zu dürfen, die mich so weit gehend wieder stabilisiert hat, nämlich das Herzpflaster. Das habe ich letztes Jahr mit einer minimalinvasiven OP am Herzen verpflanzt bekommen.
Als einer von zwanzig Patienten nimmt er an der Gemeinschaftsstudie der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein teil. Die Herzpflaster werden hier im Labor hergestellt.
Das Pflaster besteht aus Bindegewebe. Aus Kollagen. Und aus Bindegewebszellen und Herzmuskelzellen, die aus Stammzellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen hergestellt werden. Die werden in einem bestimmten Verhältnis zusammen gegeben und dann in der Zellkultur in dünnen Schichten differenziert. Von diesen Schichten legen wir dann mehrere übereinander. Insgesamt sind es 20 kleine Patches, die übereinander gelegt werden, sodass wir am Ende ein Herzpflaster haben, was so circa fünf mal zehn Zentimeter groß ist. Und was dann auf die Herzvorderwand aufgebracht werden kann und ein großes Stück der Herzmuskulatur bedeckt, die zuvor abgestorben ist oder krank ist.
Heute stellen die Forscher die ersten Ergebnisse der Studie vor: demnach sind die Pflaster sicher und wirken.
Diese Zwischenergebnisse haben gezeigt, dass die Herzwand in Patienten mit Herzmuskelschwäche durch unsere Implantate tatsächlich wieder gestärkt werden kann, das die Pumpkraft des Herzens gesteigert werden kann und das die Patienten symptomatisch von ihrem Befinden tatsächlich besser sind. ((00:21:17:12 ))Vielleicht nicht mehr herztransplantiert werden müssen, vielleicht nicht mehr versorgt werden müssen mit einer Herzpumpe.
Doch bevor das Herzpflaster auf den Markt kommen kann, soll es noch weitere Studien geben. Sie sollen in Deutschland, Europa und den USA in den nächsten Jahren durchgeführt werden.
Mario Reschkes Gesundheit und Lebensqualität haben sich seit der OP merklich verbessert.
Ich gehe mit meiner Frau jetzt mittlerweile einkaufen, trage zwar keine schweren Taschen, aber ich schiebe auch gern mal den Einkaufswagen Tischtennis. Da sitze ich nicht nur, wie gesagt auf der Bank und schaue den Spielen der anderen zu, sondern ich gehe auch an die Platte ran. Nimm den Schläger in die Hand und spiel so das eine oder andere Bällchen mit.
Er hofft, dass die nächste Herz-OP in weiter Ferne liegt - und auf viele weitere Jahre an der Seite seiner Partnerin.