Mit verhaltenem Applaus wird er empfangen. Und Jens Söring tritt erst einmal demütig auf: "Das bedeutet mir sehr viel. Denn für den Großteil meines Lebens sah es so aus, als ob ich nie wieder in so ein schönes Restaurant kommen würde.“
Über 33 Jahren saß Jens Söring in einem Hochsicherheitsgefängnis in den USA. Der deutsche Diplomatensohn: verurteilt zu zweimal lebenslanger Haft wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin, die mit Messerstichen übersäht und durchgeschnittenen Kehlen aufgefunden wurden. Er hatte die Tat aus dem Jahr 1985 zunächst gestanden, später das Geständnis aber widerrufen - mit der Begründung, er habe damit nur seine Freundin vor dem Elektrischen Stuhl bewahren wollen.
Und genau dazu haben die Besucher des „Wine & Crime“-Abends Fragen:
„Wäre mit der Erfahrung von heute, die Sie haben: Würden Sie das noch mal gestehen?" "Auf keinen Fall. Nein, nein, nein. […] Die Polizei zu belügen ist erstens ein Verbrechen. Zweitens unmoralisch und drittens saudumm."
Jens Söring hat immer wieder seine Unschuld beteuert; 2019 wird er nach Deutschland abgeschoben - Freigelassen, aber nicht freigesprochen, obwohl es in seinem Fall bis heute keine eindeutigen Beweise gibt.
Offensichtlich löst das eine Faszination aus... Und so drehen sich ja aktuell auch viele Serien und Podcasts um solche wahren Verbrechen - von denen auch Reality-TV-Star Matthias Mangiapane nicht genug bekommen kann - der hier heute auch unter den Gästen ist:
Matthias Mangiapane, Reality-TV-Star:
„Ich bin privat sehr, sehr extrem interessiert an solchen Fällen. […] „Und ich bin wirklich gefesselt an seinen Lippen, um immer noch mehr zu erfahren.“
Und da ist er hier nicht der einzige...
„Ist ja nicht Alltag, dass man so nen Menschen kennen lernt… der über 30 Jahre im Gefängnis gesessen hat, ne.“
"Er hat diese Faszination – ich hab ihn auch schon gesehen. Ich weiß es nicht, was es ist.“
Die Faszination: so groß, dass viele hier nach der Lesung am Samstag sogar noch für ein Selfie mit Söring anstehen... Alles mit drin - bei dem 50-Euro-teuren Abend in einem Kölner Restaurant - Essen und ein Sekt inklusive!
Er selbst sagt uns: Ich will mich der Fragen aller Zweifler stellen - und: mein Gesicht zurück.
Mittlerweile arbeitet Söring auch als Coach für mentale Stärke... DIE brauchte er nicht nur im Knast, sondern auch, als er mit 53 Jahren einen Neuanfang in Deutschland wagen musste. Inzwischen, erzählt er uns, wäre er auch offen für eine neue Beziehung:
Jens Söring:
„Selbstverständlich bin ich weiterhin an Liebe interessiert; Und habe auch Kontakt zu Frauen gehabt seit meiner Entlassung. [...] Ich will auf keinen Fall, dass diese schreckliche Erfahrung von damals mir das heute raubt."
Jens Sörings Vergangenheit: Auch drei Jahre nach seiner Entlassung, begleitet sie ihn überall hin - Zusammen mit diesem Rest an Zweifel, der wohl auch seine Faszination ausmacht.