00´00
17 Etagen mit über 300 Mietparteien. Davon haben rund 220 seit Ende Oktober kein hei-ßes Wasser und keine warme Heizung mehr. Ab Etage Sieben aufwärts frieren die An-wohner jetzt schon wochenlang. In ihrer Not haben sie uns um Hilfe gebeten. Das erste Mal bin ich Anfang Dezember da – und treffe verzweifelte Mieter.
00´22
OT: Kimberly, 31 Jahre
„Also Gäste kann ich nicht empfangen und wenn, packt euch warm ein.“
00´26
OT: Manfred Bochow, 70 Jahre
„Die Situation ist sehr prekär…wohne hier seit 40 Jahren…so etwas noch nie erlebt.“
00´40
OT: Roya Alvani, Mieterin: „Man hat ganz oft das Gefühl von Hilflosigkeit…alleine gelas-sen fühlt…keine Lösung gefunden werden kann.“
00´53
Handwerker seien zwar immer wieder mal vor Ort, doch das Problem ist bisher ungelöst. Zum Duschen sollen die Anwohner solange in ein Schwimmbad - zu Fuß rund 30 Minu-ten entfernt. Einige Mieter nutzen stattdessen das benachbarte Fitnessstudio, bei dem sie sich extra deshalb angemeldet haben.
01´11
OT Gabriele Schwerfeld, 66 Jahre:
„Wenn man morgens aufsteht…dauert alles ewig, ne.“
01´33
Mittlerweile haben sich rund 180 Anwohner in einer eigenen WhatsApp-Gruppe zusam-mengetan, versuchen gemeinsam Druck zu machen. Immerhin haben sie jetzt, nach Wochen, zumindest eine mobile Ersatzheizung bekommen.
01´46
OT: Gabriele Schwerfeld, 66 Jahre
„Der Heizofen läuft mehr oder weniger durch. Ohne geht’s gar nicht.“
OT: Verena
„Wie kalt war das denn vorher in der Wohnung? Haben Sie das mal gemessen?“
OT: Gabriele Schwerfeld
„…drei Decken übereinander und Jacken liegen parat.“
02´01
Die Heizung - immer noch defekt. Das Wasser - auch nach Wochen noch eiskalt.
02´07
Freistehend Bad
Verena: „Das ist ganz kalt?…warm ist anders.
Bochow: „…und heiß auch.“
02´17
Manfred Bochow hat sich extra einen Wasserkocher angeschafft, um zumindest spülen zu können. Um sich zwischendurch zu waschen, erhitzt er Wasser in Töpfen. Bei vielen anderen Mietern sieht es ähnlich aus – der Wasserkocher als Notlösung für alles, die eigene Wohnung einfach ungemütlich – seit Monaten. Erst seitdem die kleine Ersatzhei-zung gestellt wurde, sei es halbwegs auszuhalten. Vorher waren es in der Wohnung maximal 18 Grad - nachts deutlich weniger, erzählt mir die 31-jährige Kimberly.
02´47
OT: Verena
„Hatten Sie denn das Gefühl, das Problem wird von Anfang an ernst genommen?“
OT: Kimberley
„Nee,…leider nicht. Vielleicht aber auch selber unterschätzt. Man weißes nicht.“
02´58
So vielen Betroffene, so lange keine Lösung – dieser Fall sorgt in Düsseldorf für Aufsehen. Deshalb ist jetzt sogar eine Bundestagsabgeordnete gekommen: Zanda Martens, die sich in dem Fall bereits eingeschaltet hat.
03´10
OT: Zanda Martens, SPD-Bundestagsabgeordnete
„Es ist offensichtlich keiner da, der in der Lage ist, das Problem zu lösen. Die Stadt nimmt hier eine Beobachterrolle ein…nachfragen kann ich selbst…tun die Mieter schon seit mehr als einem Monat…klare Kante zeigt… das Selbstverständnis, was unsere Stadt Düsseldorf leider nicht hat.“
03´43
OT: Verena Jendges
„Wir schalten uns jetzt auch ein, werden nachhaken, Druck machen und ich hoffe dass es ein bisschen hilft, dass es zumindest schneller hier voran geht. Das sind ja keine Zustände, die man noch lange so hinnehmen kann.“
03´53
Eigentümerin und Vermieterin ist die HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH mit Sitz in Hamburg. Ich konfrontiere sie mit den Vorwürfen der Mieter. Ein Interview be-komme ich nicht, dafür zunächst schriftliche Antwort.
04´07
Zitat - Quelle:
„Die für das Objekt zuständige Hausverwaltung und die beauftragten Installationsfirmen / das Ingenieurbüro arbeiten mit Hochdruck (…) an der Beseitigung des Mangels. Weil sich die Arbeiten deutlich schwieriger als erwartet gestalten, hält der unbefriedigende Zustand unverändert an. Dies bedauern wir zusammen mit unseren Partnern ausdrücklich.“
04´25
Bedauern ist gut, schnelle Hilfe wäre besser, denke ich mir. Mieter könnten auch übergangsweise das gegenüberliegende Hotel nutzen. Doch wie lange der Zustand noch so anhält, ist unklar. Mit der Vermieterin bleibe ich in Kontakt, wie es weitergeht. Jetzt will ich wissen, was die Stadt zu all dem sagt und bekomme ein Interview mit der Leiterin des Wohnungsamtes Düsseldorf.
04´45
OT: Verena
„Es stehen Vorwürfe im Raum, die Stadt habe eher eine beobachtende und abwartende Rolle eingenommen. Was sagen Sie dazu?“
04´52
OT: Friederike Nesselrode, Leiterin Wohnungsamt Düsseldorf
„Da will ich gerne Stellung zu nehmen….untätig waren wir gerade in diesem Fall auf keinen Fall.“
05´24
Was viele Mieter gar nicht wissen: Bei Problemen wie in unserem Fall, können sie sich auch selbst an die Wohnungsaufsicht wenden.
05´31
OT: Friederike Nesselrode, Leiterin Wohnungsamt Düsseldorf
„Wenn ein Mangel im Haus vorliegt, zum Beispiel eine defekte Heizung…nicht funktionierender Aufzug..dann muss man sich zunächst an seinen Vermieter wenden…wenn man da auf Granit stößt, dann kann man sich an uns wenden und wir schicken ein Ermittlungsteam raus und dann läuft unser Verfahren an.“
05´58
Bei der Wohnungsaufsicht können sich Mieter telefonisch, schriftlich oder einfach online melden.
Zurück zu unseren Fall, in dem rund 220 Mietparteien seit Oktober kein heißes Wasser und eine defekte Heizungsanlage haben. Immer wieder hake ich nach, will wissen, wann es endlich eine Lösung gibt. Mitte Januar bekomme ich dann diese Antwort der Vermietergesellschaft.
06´20
Zitat - Quelle: HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH
„…wir haben gestern die positive Nachricht erhalten, dass die Stadtwerke den Wärmetauscher ausgetauscht haben. Unsere Vermutungen, dass hier eine starke Verschmutzung vorlag, haben sich bestätigt.“
06´31
Die Heizungsanlage soll jetzt also wieder funktionieren, warmes Wasser damit auch. Ich treffe mich noch einmal mit den Mietern in Düsseldorf, um mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen, ob wirklich wieder alles in Ordnung ist.
06´44
Begrüßung
Verena: „Sollen wir reingehen, weil es so kalt ist? Sprechen drinnen, ja? Ok.“
06´47
Bei dem kalten Wetter kann ich nur hoffen, dass es die Mieter in ihren Wohnungen endlich wieder richtig warm haben - inklusive heißem Wasser.
06´54
freistehend - Wohnung Herr Bochow
Verena: „Schon getestet heute?…Dann wird’s aber richtig heiß! Wie geht’s Ihnen jetzt wieder?“
Manfred Bochow: „Besser. Nach zweieinhalb Monaten wird es auch wieder Zeit!“
07´15
Auch die Heizung läuft an diesem Tag und ist sogar richtig heiß. Die kleine Ersatzheizung kann Manfred Bochow erst einmal wegpacken. Auch bei Kimberley will ich mir die Situation noch einmal anschauen - und es sieht gut aus.
07´28
OT: Verena
„Wie ist das jetzt, endlich wieder alles warm?"
OT: Kimberly, 31 Jahre
„Heute ist so der erste Tag, wo ich wieder in den Genuss kommen kann…Badewanne…genieße es…einfach nur dankbar…was das macht.“
07´47
Heißes Wasser, eine warme Heizung - ich merke, welche Last der vergangenen Monate von den Mietern fällt.
07´54
freistehend
Verena: „Schön warm…ich komm hier richtig ins Schwitzen heute…richtig heiß!“
Kimberley: „…müsst ihr erstmal vorbeikommen, dass das Ding hier funktioniert.“
Verena: „Egal, ich freu mich! Hauptsache es hat etwas gebracht.“
Kimberley: „Ich mich auch!“
08´09
Nach Abschluss der Reparaturen sollen übrigens Mietminderungen gewährt werden, teilte mir die Vermieterin noch mit. Ich drücke jedenfalls fest die Daumen, dass die Heizungsanlage weiterhin läuft und alle in diesem Hochhaus die kalten Wintermonate noch gut überstehen.