Gina Zencirkiran hat Angst um ihre 8-jährige Tochter. Erst vor kurzem sei auch sie aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe von Neonazis angegriffen worden.
„Meine Tochter ist zum ersten Mal alleine nach Netto gegangen. Sie war eigentlich am See mit meiner Mama und zum ersten Mal nach Netto alleine und sie wurde da von Jugendlichen beleidigt und angemacht. Das ist aber nicht das erste Mal.“
Immer wieder komme es in der Plattenbau-Wohnsiedlung Ploggenseering in Grevesmühlen zu rassistischen Anfeindungen. Am Freitagabend sollen hier laut Polizei acht von zwanzig Jugendlichen zwei zehn- und achtjährige Schwestern mit ghanaischen Wurzeln körperlich angegriffen und die jüngere sogar ins Gesicht getreten haben. Als der Vater eingreift, soll auch er verletzt worden sein.
Thomas Jell, RTL-Reporter: "Vor der Kamera möchte die Familie nicht mit uns reden. Über die Gegensprechanlage hat sie uns die Mutter aber gesagt, dass ihre beiden Töchter und ihr Mann wohlauf seien."
Der Angriff scheint ein trauriger Höhepunkt von Gewalt gegen Migranten und Migrantinnen in Grevesmühlen zu sein, aber auch den strukturellen Rassismus zu zeigen. Auch auf dem Stadtfest sollen ausländerfeindliche Parolen gegrölt worden sein. Aus Angst vor den Tätern traut sich nicht nur die Mutter, NICHT offen mit unseren Reportern zu sprechen:
„Wen man die nicht in Ruhe lässt, dann greifen die auch einen an.“
„Die Neonazis?“
„Genau“
„Aber das heißt, es gibt hier schon mehrere, die in dieser Siedlung leben und regelmäßig für Stress sorgen?“
„Genau.“
Genau gegen die müsse jetzt vorgegangen werden, fordern viele in der Stadt - damit ein Angriff wie der auf die junge Familie sich nicht wiederholt und der Hass gegen Menschen mit Migrationshintergrund endlich aufhört.
„Sehr traurig macht mich das. Ich finde das schlimm. Das sind wirklich Menschen, die sich sehr stark hier integriert haben. Und wen man das in den Nachrichten liest, schämt man sich Grevesmühlerin zu sein.“
“Da müssen wir als Gesellschaft auch gegen angehen und das muss knallhart bestraft werden.“
Bundesinnenministerin Faeser spricht auf X von "dumpfem Hass und unfassbarer Unmenschlichkeit" und repostet dazu einen Beitrag der entsetzten Ministerpräsidentin. Die wiederum setzt auf erste Hinweise die zu den Tätern führen, um sie zu bestrafen:
"Ich vertraue unserem Rechtsstaat und auch den Ermittlungsbehörden, dass sie diese Tat aufklären und dass es dann natürlich auch Konsequenzen gibt.“
Gina Zencirkiran will ihre Tochter so lange erstmal nicht mehr alleine aus dem Haus lassen.