"Es ist das Risiko nicht wert. Das werde ich nie wieder machen."
Kaylie Bailey (36) spricht über die Botox-Behandlung, die sie mit einer Vergiftung auf die Intensivstation brachte, und auf der sie um ihr Überleben kämpften musste.
"Es war erschütternd, daran zu denken, dass ich meine Kinder vielleicht nie wieder sehen werde."
Zum Glück rettete ein Gegengift der dreifachen Mutter das Leben. Wie sich später herausstellte, war es illegales Billigbotox, das die Sechsunddreißigjährige fast getötet hätte. Aber ob in England oder hierzulande: Den wenigsten scheint bewusst zu sein, worauf sie sich mit einer Botoxbehandlung einlassen.
Philip Siantidis, Arzt für ästhetische Medizin: "Der Patient selber nimmt das nicht mehr als medizinischen Eingriff wahr. Und da muss man natürlich sagen, dass wenn man eine Expertise hat, sind diese Eingriffe sehr sicher. Aber wenn man überhaupt nicht weiß, was man tut und ist medizinisch nicht ausgebildet, dann ist so was sehr gefährlich."
Deshalb dürfen in Deutschland eigentlich nur zugelassene Ärzte Botoxbehandlungen vornehmen. Wir machen den Test mit versteckter Kamera. Unsere Kollegin geht zu einer angeblichen Heilpraktikerin, die im Netz einen Botoxtag anbietet.
"Ich würde gern hier meine Stirnfalte mit Botox..." - "Ja." - "...wegmachen lassen. Das soll wirklich glatt sein, das ist also richtiges Botox?" - "Jaja."
Die Frau kann aber keine Qualifikation nachweisen, unsere Reporterin gibt vor, Angst zu haben und bricht den Termin ab. Wer eine Botoxbehandlung wünscht, sollte vorher ganz genau checken, zum wem er da eigentlich geht.
Philip Siantidis, Arzt für ästhetische Medizin: "Ärzte kann man zum Beispiel auch über die Ärztekammer suchen. Wenn Sie meinen Namen bei der Ärztekammer Nordrhein-Westfalen eingeben, dann finden Sie den auch. Insbesondere ein Impressum ist sehr wichtig, vor allem bei Social Media. Wenn Sie da nur eine Telefonnummer sehen oder nur eine E-Mail und haben da keinen Namen und keine vernünftige Homepage, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es ein illegaler Behandler ist."
Kaylie Bailey muss noch sechs Wochen nach der fatalen Botoxbehandlung eine Augenklappe tragen. Nimmt sie die ab, sieht sie alles doppelt.
"Ich war jetzt schon so viele Male bei Ärzten und habe geweint, aber sie können nichts tun. Sie sagten, ich hätte einen Nervenschaden. Ich müsse warten, bis der sich regeneriert hat und dann sehen, wie es weitergeht. Wenn es nicht wieder normal wird, könnte es sein, dass ich mich einer Operation an den Augenlidern unterziehen muss."
Kaylie Bailey ist mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit gegangen, um anderen deutlich zu machen: Botox ist ein Nervengift, und eine Behandlung damit ein medizinischer Eingriff - der immer auch mit Risiken verbunden ist.