Der Gottesdienst in der Washington National Cathedral am Tag nach der Amtseinführung ist Tradition. Wahrscheinlich aber schwang noch nie zwischen den Zeilen der Predigt so viel Kritik gegenüber dem frisch vereidigten US Präsidenten mit wie dieses Mal. Bischöfin Maryanne Buddy richtet ihren deutlichen Appell direkt an Trump.
In The name of our God n ask you.
Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie um Gnade mit den Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben. In demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien gibt es schwule, lesbische und transgender Kinder, von denen einige um ihr Leben fürchten.
Fear for their lives.
Damit spricht die Bischöfin, eine der jüngsten Entscheidungen Trumps, an, dass es in den USA künftig nur noch zwei Geschlechter geben wird männlich oder weiblich? Trump selbst folgt den Worten der Bischöfin mit versteinerter Miene. Auch als es um seine Maßnahmen gegen Migranten geht. Denn der 78-jährige hat nach seinem Amtsantritt allein zehn Dekrete zum Eindämmen legaler und illegaler Migration unterschrieben. Unter anderem darf die US Einwanderungsbehörde ab sofort Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus auch in Kirchen, Schulen und Krankenhäusern aufgreifen. Die Bischöfin findet auch dazu deutliche Worte.
Majority of immigrants are not criminals.
Die überwiegende Mehrheit der Einwanderer sind keine Kriminellen. Sie zahlen Steuern und sind gute Nachbarn. Ich bitte Sie, Herr Präsident, um Gnade mit denen in unseren Gemeinden, deren Kinder befürchten, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden und dass sie denjenigen, die vor Kriegsgebieten und Verfolgung in ihrem eigenen Land fliehen, helfen, hier Mitgefühl und ein Willkommensgefühl zu finden.
Zones and persecution in their own lands to find compassion and welcome here.
Weiterhin regungslos lässt Trump die Predigt über sich ergehen. Im Anschluss von einer Journalistin auf den Gottesdienst angesprochen, antwortet Trump nur Es war kein guter Gottesdienst. Sie könnten es viel besser machen.
Much better.
Und er legt sogar noch in seiner typischen Art nach. Die sogenannte Bischöfin, die beim Gottesdienst sprach, war eine Trump Hasserin der radikalen Linken. Sie brachte ihre Kirche auf sehr unfreundliche Weise in die Welt der Politik. Sie hatte einen bösen Ton und war weder überzeugend noch klug, schreibt Trump am Tag danach auf seiner Social Media Plattform True Social und fordert von der Bischöfin und der Kirche jetzt sogar eine öffentliche Entschuldigung.