Silke Böschen: Ich habe die Obstabteilung im Supermarkt geplündert für exotische Früchte. Ich habe fast 40 € ausgegeben für meine Waren hier. Und heute möchte ich wissen, ob ich so was nicht vielleicht bei mir auch im Garten anbauen könnte.
In diesem Gartenmarkt vor den Toren Hamburgs hoffe ich auf Unterstützung. Hier arbeitet Ralf Dammasch, Gärtnermeister und Experte für alle Themen rund um Blumen und Pflanzen.
Silke Böschen: Was davon könnte ich jetzt in Pflanzenform in meinem Garten pflanzen und hoffen, dann im nächsten Jahr so was zu ernten?
Ralf Dammasch: Also im nächsten Jahr muss man ganz klar sagen wahrscheinlich gar nichts. Aber grundsätzlich ist das unser Kerngeschäft, dass wir hier Pflanzen vermitteln, die im Garten gepflanzt werden können. Aber wir wollen natürlich keine Ananas anbieten, weil davon ernten sie garantiert hier in Deutschland nichts.
Ananas muss ich also weiter an der Obsttheke kaufen. Auch Bananen fliegen in hohem Bogen aus dem Pflanzplan. Aber mit Kiwis könnte es klappen… Ralf Dammasch macht mir Hoffnung.
Ralf Dammasch: Wir haben drei Kiwi. Die zwei Hier vorne sind auch Kiwis. Okay. Ja, das ist die ganz normale Chinesisch. Das heißt die chinesische. Die ist zweihäusig. Das heißt, männliche Pflanzen gibt es - und weibliche. Man muss also immer zwei haben. Aber mittlerweile geht man auch auf ganz kleinwüchsige Kiwi Arten heran. Das sieht man auch. Die sind etwas kleiner.
Die ist ja richtig starkwüchsig. Da reden wir hier über zehn, zwölf, 15 Meter.
Pflanzen haben eine unangenehme Eigenschaft Sie wachsen, und die wächst besonders stark. Also, wer nur einen Balkon hat, der ist mit einer Kiwi in der Nähe, ist nicht gut bedient. Der sollte lieber auf die Kleinwachsenden zurückgreifen.
Also, Vorsicht mit den großen Kiwis. Vielleicht ist das hier eine Alternative? Die Maulbeere.
Silke Böschen und Ralf Dammasch: Ist etwas ganz Besonderes. Also, Sie sollten nur die Schwarzen essen. Vorsichtig. Nicht zusammendrücken, einfach in den Mund stecken, mit Stil. Und dann mal probieren. Noch vielleicht ein bisschen säuerlich…
Silke Böschen: Man könnte sagen, etwas sehr säuerlich.
Ralf Dammasch: In 14 Tagen sind die fertig. Sie werden alle schwarz. Sobald die schwarz sind, kann man die essen, Marmelade draus machen, Kompott draus machen, direkt vom Strauch.
Das werden richtige Bäume, 15 bis 20 Meter hoch. Die sind für einen Privatgarten viel zu groß eigentlich. Aber es gibt eine wunderschöne Hängeform, die wird nur 2 Meter hoch, 2 Meter im Durchmesser und hängen genauso voll Früchte.
Noch viel eindrucksvoller und 100 Prozent exotisch - dieser Zitronenbaum!
Silke Böschen: Den hätte ich auch gern! Bei mir auf der Terrasse - habe ich eine Chance, dann anschließend so eine tolle Zitrone zu ernten?
Ralf Dammasch: Wenn Sie die gerade gekauft haben. Ja. Man muss ganz ehrlich sagen, die ganzen mediterranen Früchte, Zitrusfrüchte, die kommen aus dem mediterranen Raum. Werden die angezogen, die kommen hier so an, und dann könnte man natürlich am liebsten so reinbeißen. Aber im nächsten Jahr wird das nicht mehr so sein. Die Sonnenstunden sind zu kurz, die Wärmeentwicklung ist nicht da, selbst wenn die die Früchte treiben und man hat einen bisschen warmen Wintergarten, was ja gut funktioniert, die treiben dann auch Früchte, reifen sie oft nicht aus.
Ich lass mich noch nicht entmutigen. Weiter geht’s zu einer Baumschule, die sich auf Exoten spezialisiert hat. Junior-Chef Thorsten Klock hat etwas Besonderes für mich:
Thorsten Klock: Das sind Indianer. Bananen. Die Pflanze wird auch Papa genannt. Kommt aus den USA, sprich von der Ostküste. Das ist eine Frucht, wenn man die nachher isst, die es schmeckt. Absolut exotisch. So wie Ananas, Mango, Banane. Und das Tolle ist, die ist hier absolut winterfest, Die können Temperaturen bis -20 Grad ab, wächst hier einwandfrei.
Im Gewächshaus gibt es noch einen weiteren Treffer.
Silke Böschen: Ich habe mich im Supermarkt so von diesen Früchten begeistern lassen. Ich weiß gar nicht genau, wie die heißen, aber ich fand sie so exotisch. Habe ich hier auch eine Chance, die Pflanze dazu zu finden?
Thorsten Klock: Das ist die Kaki, die wird auch Sharon genannt und das ist eine tolle Pflanze. Und die Pflanze macht tolle Früchte.
Die haben wir auch bei uns hier stehen. Hier drüben. Und zwar ist das so, die hat auch schon Fruchtansätze. Und die werden im September ungefähr reif sein. Also in drei, vier Monaten. Dann sehen sie genauso aus wie die und sind auch ganz toll vom Geschmack.
Die kann man draußen pflanzen die halten Temperaturen bis -15 Grad aus.
Jetzt will ich mal einen Blick in einen Garten mit Exoten werfen. Landschaftsarchitekt Sören von Hoerschelmann hat schon vor Jahren eine Feige gepflanzt.
Silke Böschen: Das ist ja ein richtig ausgewachsener Feigenbaum, aber ich sehe überhaupt keine Früchte. Was ist denn hier passiert?
Sören von Hoerschelmann: Tja, also wenn man so eine Feige sich in den Garten pflanzt, dann muss man eben auch ein bisschen Arbeit reinstecken, vor allen Dingen im Winter. Ich habe hier also wirklich ganz viel Tuch drumherum gebunden. Das sah aus wie ein Dönerspieß den ganzen Winter über. Und im Prinzip habe ich den einfach zu früh entfernt. Und dann kam der fiese Spätfrost und hat also der wirklich einen Schlag versetzt.
Wer solche Wetterkapriolen im Blick behält, der kann Exoten auch in unseren Breitengraden pflanzen.
Indianer-Banane, Maulbeere und Kiwi. Aber auch Feige und Kaki kommen hier bei guter Pflege zurecht. Pro Pflanze muss man mit mindestens 30 Euro Kaufpreis rechnen.
Silke Böschen: Exotisches Obst aus dem eigenen Garten ist machbar. Aber braucht auch viel Aufwand und viel Arbeit. Vielleicht ist dann doch so ein einheimischer Apfelbaum die pflegeleichte Variante - und trotzdem lecker!