Mit einem Segelschiff alle Ozeane durchqueren: Mit null Ahnung um die Welt! Die „Segeljungs” im RTL-Interview
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Nach dem Schulabschluss wollen die vier Jungs Tim, Vince, Michi und Tom das Abenteuer ihres Lebens wagen: Gemeinsam kaufen sie ein Segelboot und segeln um die Welt. Das einzige Problem? Die Freundesgruppe kann gar nicht segeln. Welchen Herausforderungen sich die jungen Männer stellen mussten und woran ihre Weltreise beinahe scheiterte, erfahrt ihr im Video oben.
Vier Freunde erleben die Zeit ihres Lebens. Direkt nach der Schule stürzen sich Tim, Vince, Michi und Tom in ein waghalsiges Abenteuer: Sie wollen mit einem Segelschiff alle Ozeane überqueren. Der große Haken? Vom Segeln haben sie keine Ahnung.
Während ihrer fünfjährigen Reise erleben die Freunde unglaubliche Momente: In einer Nacht kreisen plötzlich Haie um das Schiff. Ihre Reise droht immer wieder zu scheitern!
Der Dokumentarfilm „Segeljungs“ erzählt ihre unglaubliche Geschichte – und wie die Vier zu Männern werden!
Vor wenigen Tagen treffen wir die vier Freunde in Bad Tölz. Tim, Michi, Vincent und Tom sind mittlerweile alle wieder zurück in Deutschland. Hier in Oberbayern sind sie aufgewachsen und zur Schule gegangen.
Michi: „Wir wollten irgendwas Großes, irgendwas Cooles machen nach dem Abitur. Und Tim, glaube ich, war derjenige, der dann irgendwie auf die blöde Idee kam und gesagt hat so, kaufen wir uns halt ein Segelboot und segeln um die Welt.“
Am 20. September 2018 startet die vierköpfige Freundesgruppe die Reise im Hafen von Fehmarn. Tim, Vince, Michi und Tom sind zu diesem Zeitpunkt zwischen 18 und 20 Jahre alt. Die Einzigen, die zumindest die Grundregeln des Segelns kennen sind Tim und Michi – der Rest hat vom Führen eines Boots Null Plan!
Tim: „So richtig Praxiserfahrung war quasi gar nicht da.“
Die erste Etappe führt die Oberbayern durch den Ärmelkanal nach Spanien und Portugal.
Um sich die Weltreise mit dem Segelschiff leisten zu können, muss Tim seinen Bruder um Hilfe bitten.
Tim: „Um uns das Boot zu kaufen, haben wir uns Geld geliehen von meinem Bruder. Und damit konnten wir lossegeln. Das war schon die erste große Hürde, die wir da geschafft haben. Und dann haben wir auch auf einem sehr sparsamen Fuß gelebt.“
Das Leben an Bord ist teuer. Damit Essen, Sprit und Reparaturen bezahlt werden können, posten sie Videos ihrer Reise im Netz. Zwischenzeitlich verfolgen 100.000 Menschen ihr Abenteuer.
Vincent: „Es war immer klar, ohne das wird es nicht gehen. Wir müssen auf der Reise Geld verdienen.“
Die Reise geht weiter, von Portugal über Marokko und die Kanaren hinaus in den Atlantik. Alles scheint zunächst perfekt – das Wetter spielt mit, die Stimmung an Bord ist ausgelassen.
Doch im Januar 2019 gerät die unerfahrene Crew mitten auf dem Atlantik plötzlich in einen Sturm! 463 Kilometer vor der rettenden Küste. Das nächste Land ist noch mindestens zwei Tage entfernt! Die Lage spitzt sich zu: plötzlich Motorschaden.
Wenn der Motor jetzt nicht wieder angeht, haben sie ein riesiges Problem.
Tim: „Dann am Ende haben wir halt diesen Motor auch komplett repariert.“
Doch die Probleme mit ihrem Segelschiff treten immer wieder auf. Immer wieder macht der Motor schlapp. Die vier Jungs sind gezwungen das Schiff zu wechseln. Ihr Glück: Ein Fan – der ihre Videos im Netz verfolgt – meldet sich und bietet an, sein Schiff günstig abzugeben!
Tim: „Es war ein sehr guter Preis und es war ein sehr gutes Boot und es war für uns die Chance einfach diese Reise nochmal neu zu starten.“
Noch einmal über den Atlantik. Am 3. Oktober 2019 starten sie mit dem neuen Schiff jetzt von Marseille aus.
Doch dann der nächste Rückschlag: Michi bekommt mentale Probleme und steigt aus – und auch Tom hat keine Lust mehr und verlässt die Crew.
Vincent: „Ja, als die anderen beiden Jungs ausgestiegen sind, waren wir auf jeden Fall enttäuscht und das hat uns schon so ein bisschen den Boden unter den Füßen weggerissen.“
Tim und Vincent sind ab jetzt auf sich allein gestellt: Sie wollen den Traum nicht aufgeben, alle Ozeane der Welt zu überqueren. Und trotz aller Probleme erleben sie unvergessliche Momente.
März 2020: Vor der Küste Venezuelas ändert sich die Stimmung. Plötzlich zieht starker Wind auf. Um das Schiff zu sichern, will Tim ein Segel einholen – doch das knallt mit voller Wucht herunter – direkt auf Tims Fuß.
Vincent: „Und da ist jetzt eine circa fünf bis sechs Zentimeter lange, richtig tiefe Platzwunde.“
Tim: „Glaubt mir, so ein bisschen mein Tag, muss ich sagen.“
Vincent: „Das ist definitiv die schwerste Verletzung, mit Abstand.“
Tim: „Selbst ist der Mann.“
Zum Glück hatten sie sich immerhin auf solch einen Fall eingestellt.
Tim: „Eine Vorbereitung, die wir vor der Reise gemacht haben, ist, dass wir einen ausführlichen Erste-Hilfe-Kurs gemacht haben mit einem befreundeten Arzt. Der hat dann so zwei Schweinefüße mitgebracht und dann haben wir die aufgeschnitten und an denen nähen geübt und eine Infusion gelegt und so was.“
Am 6. Mai 2021 erreichen sie die zu Mexiko gehörende Vulkaninsel San Benedicto. In der Nacht dann plötzlich der Schock: Mehrere Haie umkreisen das Schiff.
Am nächsten Morgen sind die Haie immer noch da. Die Jungs trauen sich trotzdem ins Wasser und erleben spektakuläre Momente zwischen Haien und Rochen.
Tim: „Das war der Wahnsinn.“
Mittlerweile sind Tim und Vincent über 1.200 Tage unterwegs. Die inzwischen 24- und 22-jährigen Segler sind auf ihrer Reise von unerfahrenen Jungs zu Männern geworden.
Im Frühjahr 2022 starten sie die Pazifik-Überquerung: über 10.000 Kilometer liegen vor ihnen.
Dabei kommt es zu einer ganz besonderen Begegnung. Mitten auf hoher See ist plötzlich dieser Vogel mit an Bord.
Vincent: „Oh der ist echt schön, aber der gehört hier sicher nicht hin. Wir haben seit heute Morgen oder heute Mittag einen gefiederten Freund an Bord. Wir haben ihn jetzt Eddie genannt, weil er die ganze Zeit da ist und uns langsam vertraut.“
Für die Jungs ist der Vogel eine willkommene Abwechslung. Um ihn zu füttern, bereiten sie ein Müsli mit Sojamilch zu – keine gute Idee.
Tim: „Ich habe gerade was wirklich Spektakuläres gesehen: Eddie hat gerade gekotzt. Ich glaube, der ist einfach etwas seekrank.“
Vincent: „Oh nein.“
Tim: „Hast du schon einmal einen Vogel kotzen sehen?“
Vincent: „Das arme Vieh.“
Tim: „Dem geht es nicht gut.“
Vincent: „Drei Tage.“
Tim: „Drei Tage.“
Vincent: „Drei Tage, das dauert nicht so lang.“
Tim: „Dann gewöhnt man sich daran.“
Vincent: „Wir werden schon verrückt. Wir reden mit einem Vogel. Der tut uns wirklich leid. Wir wissen aber nicht, was wir machen sollen. Ich hab mir schon überlegt, ob es gut wäre, ihn einzufangen und ihm irgendwie Wasser einzuflößen. Aber Tim meint eher nicht. Hoffentlich geht er uns nicht ein, in ein paar Tagen.“
Am nächsten Morgen suchen Tim und Vincent auf dem gesamten Schiff nach Eddie. Doch der Vogel ist verschwunden.
Im Januar 2023 führt die Weltumsegler ihre Reise von Sri Lanka auf die Malediven. Und überall: Müll!
Tim: „Von so was wird mir richtig schlecht. Das wird mir richtig übel. Das ist so eklig. Das ist wirklich assi. Und hier ist so viel Müll im Wasser. Hier, schaut euch das an! Soll ich mal ran zoomen, um es zu sehen? Alles voll mit so einer Kacke. Was machen wir damit? Nehmen wir es mit?“
In den Maschen eines alten Fischernetzes kämpft eine Schildkröte ums Überleben.
Tim: „Ich war jetzt einfach mit dem Handy am Filmen, von dem ganzen Müll, der hier rumschwimmt und nur durch Zufall gerade diese Schildkröte da im Netz gesehen. Oh Mann, es ist widerlich.“
Dank ihres Eingreifens entkommt die Schildkröte ihrer ausweglosen Situation und überlebt.
Am 21. August 2023 endet ihre Weltreise.
Tim: „Die letzten Seemeilen, die allerallerletzten Seemeilen. Das Ziel ist quasi schon in Sicht. Gleich da vorne um die Ecke.“
Nach 74.000 Kilometern und 38 bereisten Ländern endet ihr fünfjähriges Abenteuer im Port St. Louis bei Marseille.
Vincent: „Das letzte Mal in den Hafen fahren. Es ist irgendwie schwierig, das zu begreifen. Aber es ist natürlich ein krasser Moment, irgendwie.“
Vincent: „Wir werden hier nicht mehr rausfahren. Es ist so das Ende der Reise, markiert dieser Moment gerade.“
Tim lebt mittlerweile in Hamburg und restauriert dort ein altes Holzboot für neue Abenteuer! Vincent wohnt in Innsbruck und studiert dort Geografie. Michael ist nach Leipzig gezogen, wo er Maschinenbau studiert. Und Tom lebt wieder in Oberbayern und arbeitet dort als Mechatroniker.
