Glücklich mit dem Traumpartner bis ans Lebensende – ja, so habe ich mir bisher DIE perfekte Beziehung vorgestellt.
„Es gibt ja auch noch … noch nicht sagen.“
Doch das will ich heute für mich herausfinden. Denn obwohl rund 75 Prozent der Deutschen großen Wert auf Treue in der Beziehung legen, geht etwa jeder Dritte fremd! Einen davon treffe ich mit versteckter Kamera.
Die Liebe ist ja da, warum also trennen? Außerdem ist es bequem, man wohnt zusammen. Ich kann mir auch eine Zukunft mit ihr vorstellen. Es ist ja hauptsächlich das Körperliche, was mir fehlt.
Wäre es dann nicht besser, direkt eine offene Beziehung zu führen, anstatt heimlich fremdzugehen? Ich treffe mich mit einem Paar, das genau diesen Weg gewählt hat. Nele und Fabi sind sechs Jahren zusammen, wohnen seit drei Jahren in ihrer gemeinsamen Wohnung in Berlin – und führen eine offene Beziehung.
„Wir haben die Beziehung nicht irgendwann … Date mit Kate oder so.“
Nele und Fabi erzählen sich im Nachhinein sogar gegenseitig, wie die Dates waren. Und dann führen sie mich auch noch in ihr „Date-Zimmer“!
„Das hier ist nicht euer Schlafzimmer … ist es total fein.“
Der Partner vergnügt sich einfach so nebenan mit einer anderen – für mich persönlich wäre das nichts. Aber: Eifersucht ist laut des Paares überhaupt kein Thema.
So denken auch Julia und Chris aus München. Die beiden sind seit acht Jahren zusammen, fünf Jahre davon „offen“. Und: Sie sind verheiratet! Eine traditionelle Ehe, sie aber modern und offen führen! Das passt für mich eigentlich nicht zusammen.
„Gerade eine offene Beziehung … Dinge, die ja schön sind.“
Treue und Vertrauen - und mit anderen schlafen: könnte DAS die Zukunft sein? Ich bin mir noch unsicher: Bin ich überhaupt der Typ für ein offenes Beziehungsmodell? Das frage ich Paartherapeutin Birgit Fehst.
„Also ich kann dir sagen, … viele Sachen wirklich vorher festlegen.“
So „offen“ diese Beziehungsform auch klingt – Regeln und Kommunikation sind ein MUSS. Aber wie reagieren Männer, wenn man das Thema offen anspricht?
„Ich treffe mich jetzt … oder negativ reagieren werden.“
Als erstes treffe ich mich mit einem 27-Jährigen aus einer Kleinstadt in Brandenburg. Nach kurzem Smalltalk komme ich gleich zum Thema.
„Ich muss ehrlich sein … offene Beziehung vorstellen.“
Ich weiß nicht, ob ich das so könnte, wenn meine Freundin mit jemand anderem …
„Wieso nicht? Das würde mich jetzt interessieren.“
Ich glaube, ich hätte die Angst, dass sie sich in den anderen verliebt. Da bin ich schon etwas eifersüchtiger. Eine Partnerin teilt man meiner Meinung nach nicht.
Ob man das in der anonymen Großstadt anders sieht? Date Nummer zwei ist 32 Jahre alt und kommt aus Berli.
Ich bin nicht abgeneigt. Man muss natürlich gucken, wie es läuft, aber dann spricht nichts dagegen.
„Man muss ja schon … oder mein Partner trifft sich mit jemand anderem“
Ne, da bin ich sehr positiv gestimmt.
„Ok, voll schön!“
Ich löse auf: „Kannst du nochmal sagen … überhaupt nicht, gar nicht.“
In meiner Stichprobe scheint die Großstadt offener zu sein – aber leider auch, was Fremdgehen betrifft. Städter gehen laut Studien häufiger fremd als Menschen auf dem Land.
Und das geht mittlerweile auch ganz einfach über Online-Portale, auf denen Vergebene Gleichgesinnte oder Singles für einen Seitensprung suchen.
Ich habe einfach mal ein paar Männer … aktiv fremdgehen wollen.“
Deine Partnerin weiß ja nichts davon. Wäre eine offene Beziehung nichts für dich? Oder wäre sie dagegen?
Sie wäre absolut dagegen. Ich darf in ihrer Nähe nicht mal andere Frauen anschauen.
Ja, wir haben da öfter drüber gesprochen und waren auch kurz davor, aber am Ende hätte sie es nur mir zuliebe getan.
Tatsächlich scheint bei den meisten Männern, mit denen ich Kontakt aufnehme, die Partnerin gegen eine offene Beziehung zu sein. Deshalb wollen sie mich heimlich treffen!
"Mit einem Mann werde ich mich … genauer nachfragen.“
Mein Date ist seit vier Jahren vergeben – und wohnt sogar mit seiner Freundin zusammen. Ich möchte unbedingt erfahren, warum er fremdgeht.
Ich wusste, dass die Frage kommt. Ich habe sexuelle Bedürfnisse, die ich mit meiner Freundin nicht ausleben kann. Aber mir geht es nicht nur um Sex, ich will auch neue Leute treffen, raus aus dem Alltag.
Warum führt ihr dann keine offene Beziehung?
Da ist sie überhaupt nicht der Typ für. Ich bin sexuell sehr offen und habe keine Lust mehr sie ständig nach Sex zu fragen.
Genau das sucht mein Date jetzt bei anderen Frauen. Eine Trennung kommt für ihn aber nicht in Frage.
Die Liebe ist ja da, warum also trennen? Außerdem ist es bequem, man wohnt zusammen. Ich kann mir auch eine Zukunft mit ihr vorstellen. Es ist ja hauptsächlich das Körperliche, was mir fehlt. Und ich gebe zu, der Reiz ist da, es heimlich hinter ihrem Rücken zu machen.
Wie kannst du das mit deinem Gewissen vereinbaren?
Hm, ja, werden wir ja dann sehen …
Für mich ist das Date hier vorbei – ich löse die Situation auf:
"Warum hast du dich mit mir getroffen?“
Ist jetzt nicht euer Ernst?
Er möchte auf keine weiteren Fragen von mir antworten. Dafür konnte ich für mich eine Antwort finden:
„Wenn man nicht der monogame Typ ist … irgendwann mit dem richtigen Partner.“