Mein neuester Fall führt mich heute nach Bielefeld. Es geht um die kompletten Ersparnisse einer Frau von rund 65.000 Euro und es geht um Menschen, die selbst vor dreisten Lügen nicht zurückschrecken, um offenbar Betrüger zu schützen. Das Opfer in dieser Geschichte ist Birgit Obermeyer.
Dieser Betrug ist an Dreistigkeit wohl kaum zu überbieten. Birgit Obermeyer ist seit vielen Jahren berufsunfähig und hat das Geld in über 30 Jahre mühsam angespart. Die Betrüger wussten das und nutzten dennoch ihre Situation schamlos aus.
Birgit Obermeyer beschreibt es als eine emotionale Achterbahnfahrt. Auch wenn ich schon oft Betrüger gejagt habe, ist dieser Fall und die Summe für mich extrem. Ich möchte helfen, aber auch keine falschen Hoffnungen wecken. Denn – wie ich schon bei meiner Vorrecherche feststelle, haben die Betrüger ihre Spuren sehr gut verwischt.
Es ist Mitte Juli, als bei Birgit Obermeyer das Handy klingelt. Wenige Tage zuvor hatte sie sich bei Online-Banken über Tagesgeldkonten informiert.
Daher schöpft sie zunächst keinen Verdacht, als sich ein angeblicher Finanzberater bei ihr meldet. Er behauptet von einer Firma namens Aptus GmbH zu kommen und für die Postbank Berlin zu arbeiten.
Ich frage mich, gibt es bei den kontaktierten Banken ein Datenleck? Die Bafin, die Aufsicht der Finanzunternehmen, reagiert sofort und veröffentlicht aufgrund meiner Recherchen kurz darauf eine Warnung.
Bei Birgit Obermayer schafft es der angebliche Finanzberater, ein Vertrauensverhältnis zu der 54-Jährigen aufzubauen. Das Vorgehen deutet auf eine professionelle Bande hin.
Auf Birgit Obermeyer wirkt alles professionell – ist es auch – aber nicht so, wie sie es sich wünscht. Sie überweist ihre gesamten Ersparnisse von rund 65.000 Euro auf ein Postbankkonto. Erst als Freunde sie auf Unstimmigkeiten aufmerksam machen, realisiert Birgit Obermeyer, dass sie betrogen wurde. Die Firmen-Homepage ist kurz danach offline.
Doch aus Datenschutzgründen darf eine Bank solche Informationen nicht herausgeben. Birgit Obermeyer bittet mich deshalb. die Hintermänner ausfindig zu machen. Es wird nicht leicht, doch noch ahne ich nicht, auf welch ausgeklügeltes System ich stoßen werden.
Wochenlang recherchiere ich zu dem Fall und tauche in eine Welt von vermeintlichen Scheinfirmen und Strohmännern ein. Ich entschlüssele ein weitverzweigtes Netzwerk, das seinen Ursprung in Berlin hat und dessen Verbindungen offenbar bis nach Frankreich und Spanien reichen.
Aber bin ich auf der richtigen Spur? In einem Telefonate bitte ich Birgit Obermeyer eine Rücküberweisung bei ihrer Hausbank zu beantragen. Ich erhoffe mir dadurch weitere Informationen. Manchmal schaffen es Banken auch, das Geld zurückzuholen. Auch wenn sich einige Finanzinstitute weigern, sich solche Anträge auszuführen - sie sind dazu verpflichtet – und zwar für bis zu eineinhalb Jahre rückwirkend.
Doch was dann folgt, habe ich so noch nicht erlebt.
Offenbar hat der Täter diesen Brief verfasst und wollte damit die Rücküberweisung der gut 65.000 Euro verhindern. Ich sehe mir den Fake-Brief an und sehe noch einige andere Hinweise. Doch ich will auf Nummer sicher gehen.
Wenig später bekomme ich eine Rückmeldung. Das Konto, auf das Birgit Obermeyer das Geld überwiesen hat, gehört einem Edmur D. aus Angola. Laut meinem Informanten lebt der Mann in Berlin und hat eine Transport-Firma. Ich besuche zuerst zu seiner Privat-Adresse. Auf den Briefkästen finde ich seinen Namen nicht. Doch ich gebe nicht auf und gehe zu seiner Firmenadresse.
In diesem Gewerbegebiet im Süden von Berlin ist das Transportunternehmen des mutmaßlichen Betrügers gemeldet. Im Eingangsbereich finde ich einen ersten Hinweis.
Ich fahre in den 7. Stock. Auf den Briefkästen hier finde ich seinen Namen auch nicht. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das Firmenschild wurde erst vor kurzen entfernt. Auch alle anderen Spuren auf der Büroetage sind verschwunden. Die Atmosphäre hier ist, sagen wir mal, etwas dubios anmutend. Ein Mann, der mich sieht, versucht zunächst die Tür vor mir zu verschließen
Der Mann kennt die Firma anscheinend nicht. Doch meine weiteren Recherchen werden zeigen, dass ich hier richtig bin. Ich arbeite mich von Stockwerk zu Stockwerk durch. Befrage jeden, den ich antreffe.
In dieser Dönerbude im Erdgeschoss des Bürogebäudes treffe ich dann auf diesen Mann mit der grünen Jacke. Er wirkt auf mich zunächst aufgeschlossen und hilfsbereit.
Was ich da noch nicht weiß. Der Mann kennt Edmur D.. Er ist nämlich sein Büro-Vermieter. Trotzdem: Er macht auf ahnungslos und schickt mich zum Hausmeister.
Den treffe ich im Flur an. Er bittet mich in sein Büro – die Kamera soll jedoch draußen bleiben. 10 Minuten später weiß ich mehr.
Ich gehe in die Tiefgarage, denn dort soll der Vermieter auch einen Autohandel betreiben. Ich möchte von ihm wissen, warum er mir kurz zuvor noch erklärte, dass er den mutmaßlichen Betrüger nicht kennt. Ich frage mich, will er Edmur D. decken?
Der Mann wird schnell ungehalten. Immerhin erfahre ich am Ende noch, dass er offenbar die derzeitige Adresse seines ehemaligen Mieters kennt.
Noch am gleichen Tag informiere ich Birgit Obermeyer von meinen Rechercheergebnissen und darüber, dass ich neben der Identität des mutmaßlichen Betrügers auch eine weitere mögliche Spur gefunden habe.
Ob das gelingt, weiß ich noch nicht, aber wir sind in jedem Fall einen großen Schritt vorangekommen. Meine Informationen habe ich an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Sie müssen jetzt den Rest erledigen.