Kiel. Stadtteil Wik am Westufer der Förde. Hier liegt die Unterkunft, die der Landeshauptstadt Probleme bereitet.
Anna Hohns
RTL-Reporterin
"600 Menschen leben hier in dieser Gemeinschaftsunterkunft. Und die meisten von ihnen völlig friedlich und völlig unauffällig. Aber ein kleiner Teil, ungefähr 30 Personen, macht anscheinend Anwohnern und Geschäftsinhabern das Leben schwer und die Behörden scheinen machtlos."
Offenbar so machtlos, dass der Sozialdezernent der Stadt Kiel Gerwin Stöcken den Nachbarn geraten hat, bei Problemen selbst mit Flüchtlingen ins Gespräch zu gehen. Jonathan William Franz, der direkt neben der Unterkunft wohnt, hat das im Juli diesen Jahres versucht. Als nach Mitternacht laute Musik ertönt, geht er auf die feiernden Bewohner der Unterkunft zu - ohne Erfolg, wie dieses Video zeigt. ((Frei Zeugenvideo))
Jonathan William Franz, Anwohner: "Plötzlich kamen mir eben erwachsene Männer aus der Unterkunft entgegen, die sich mir gegenüber gewaltbereit geäußert haben. Und am Ende ist auch einer auf mich zugerannt, der im Lauf praktisch schon ein Messer gezogen hat. Ich habe das Messer gerade noch kommen sehen, habe mich dann entfernt und glücklicherweise hat einer der anderen das auch gesehen und hat sich quasi vor diese Person geworfen."
Und das war nicht der einzige mutmaßliche Gesetzesbruch.
Matthias Arends, Polizei Kiel: "Im Hinblick auf die vergangenen zwölf Monate ist es ausgehend von Bewohnern dieser Unterkunft zu einer hohen dreistelligen Zahl an Straftaten gekommen. Eine Vielzahl davon sind Ladendiebstähle oder auch Hausfriedensbruch. Andere Delikte wie zum Beispiel Körperverletzung liegen im niedrigen dreistelligen Bereich."
Zu der Situation vor Ort hätten wir auch gerne die Stadt Kiel interviewt.
Rafael Fleischmann, RTL-Reporter: "Als wir gestern die Stadt Kiel dazu um ein Interview bitten, bekommen wir eine Absage, stattdessen ein schriftliches Statement. Man nehme die Sorgen und Ängste der Anwohner ernst und habe konkrete Maßnahmen unternommen."
Das seien neben allen Möglichkeiten des Rechtsstaates auch Workshops, um die Anwohner und die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft einander näher zu bringen.
Jonathan William Franz, Anwohner:
"Für mich klingt das wie eine Verhöhnung wirklich der Bürger, die hier leben. Weil wir haben alles probiert. Wir haben Dialog gesucht. Wir haben mit Übersetzungsprogramm auf dem Handy es versucht, unseren Standpunkt klar zu machen. Wir haben hier sogar Schilder aufgestellt. Aber letzten Endes ist hier ein Kern, eine Personenzahl, die möchte eigentlich gar nicht Teil dieser Gesellschaft werden."
Es gibt aber auch andere Stimmen. Bei der monatlichen Ortsbeiratssitzung gestern Abend empfindet ein Anwohner die aktuellen Berichte als Ausländerhetze.
"Das ist nur aufgebauscht von zwei, drei Personen. Sonst ist das hier überhaupt nicht auffällig. Die sind so unauffällig, dass man die überhaupt nicht mitbekommt."
Bei der Sitzung auch mit dabei ist Samet Yilmaz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kieler Rathaus.
Samet Yilmaz, Die Grünen, Ratsherr Fraktionsvorsitzender:
"Es ist natürlich wichtig, wenn die Menschen Ängste auch haben, das muss besprochen werden. Und wichtig ist auch seitens der Politik, die Verantwortung nicht den Menschen abzuwälzen, sondern auch an der Sache zu arbeiten."
Klingt wie eine Kritik am Vorschlag von Sozialdezernent Gerwin Stöcken, der ebenso wie die Stadt Kiel auch heute wieder nicht für ein Interview mit RTL Nord bereit ist. Stattdessen sprechen wir mit der Kieler Polizei über die Situation.
Matthias Arends, Polizei Kiel:
"Seit jeher fahren unsere Kolleginnen und Kollegen dort in dem Bereich regelmäßig Streife zu jeder Tag und zu jeder Nachtzeit."// "Uns liegen tatsächlich relativ wenige Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern vor, die sich an die Polizei gewandt haben. Das heißt, wir können da nur appellieren, wenn sie da irgendwas stört, wenn es was negativ auffällt, dann informieren Sie die Polizei."
So wie Jonathan William Franz, als er im Juni vor der Unterkunft bedroht wird. Er geht den Anwohnern der Unterkunft mittlerweile allerdings aus dem Weg und hofft so, die Polizei nicht mehr rufen zu müssen.