Blonde Mähne, herzhaftes Lachen und schon fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Anfang der Zweitausender wird Tine Wittler als Deutschlands Dekoqueen zur Kultfigur.
„Willkommen zurück bei Einsatz in vier Wänden. Es geht heute darum, aus einem tristen Kellerraum ein schönes Jugendzimmer zu machen.“
Und das legendäre Zurechtrücken von Dekoelementen. Das hat sie nach all den Jahren noch genauso gut drauf wie damals.
„Warte, ich mach mal kurz den Signature move. So, da haben wir jetzt mal schnell drübergewittlert.
Dank ihrer gut gelaunten und bodenständigen Art erreicht die Einrichtungsikone mit ihrer Doku Soap regelmäßig über 6 Millionen Menschen. 2013 wird die Sendung abgesetzt. Tine zieht sich aus der TV Branche zurück und ist kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen. Aber dann steht die 52-jährige in Berlin überraschend vor unserer Kamera. Bei Instagram schauen sich das über 2 Millionen Menschen an und feiern sie für Tine Wittler. Ein berührender Moment, der aber auch Schattenseiten mit sich bringt.
„Neben positiven Kommentaren gibt es ja immer auch negative Kommentare. Eine schrieb: Sie ist ja gar nicht gealtert. Dann kommentierte jemand darunter: Ja, sie sieht deshalb nicht älter aus, weil sie so viel Fett hat. Da hat man halt keine Falten. Was macht das mit dir, wenn du so was liest?“
„Ich meine, ich bin jetzt seit 20 Jahren im Geschäft und ich glaube, ich bin mit dem Thema ganz gut durch. Aber es war harte Arbeit und deshalb habe ich auch lange Bildschirmpause gemacht, um das zu verarbeiten.“
Schon als Kind muss sich Tine Wittler immer wieder Sticheleien wegen ihres Körpers anhören. Als sie dann deutschlandweit bekannt wird, wird das Gerede intensiver. Auch wenn Tine sich liebt, wie sie ist, dass sie damals ständig auf ihre Figur reduziert wird, zermürbt sie immer mehr. 2013 zieht sie sich schließlich aus der Öffentlichkeit zurück.
„Wie war das denn für dich damals, als du von heut auf morgen auf einmal kein Fernsehen mehr gemacht hast?“
„Wunderbar.“
„Wirklich? Ja. Guck mal, ich konnte endlich wieder selbst über meine Zeit verfügen. Keine straffen Drehpläne mehr und ich konnte meine anderen kreativen Projekte endlich wieder aufnehmen. Bücher schreiben, Theaterspielen singen, Songs schreiben.“
Hier in Weimar hat sie gleich einen Auftritt am Theater. Tine ist nämlich nicht nur Einrichtungsexpertin, sondern auch Sängerin, Autorin und Schauspielerin. Und sie tritt sogar immer wieder in ihrem eigenen Garten auf. Seit 2017 lebt sie in Niedersachsen, in einem Dorf mit nur 48 Einwohnern. Sie liebt die Ruhe, aber gleichzeitig auch das Rampenlicht noch immer sehr. Ihre Bühne findet sie mittlerweile im Theater.
„Also ich liebe tatsächlich den direkten Draht zum Publikum. Es ist was völlig anderes, ob du in so einen Kasten sprichst. Und die Energie, die sich da aufbaut, ist unfassbar. Das ist mit Fernsehmachen nicht zu vergleichen.“
Vor dem großen Auftritt geht es zur Teambesprechung mit dem Regisseur, danach in die Maske und dann geht's auch schon los. Das Ensemble tritt in Weimar mit dem Theaterklassiker „Jedermann“ aus dem Jahr 1911 auf. Tine Wittler spielt die Cousine der Hauptfigur Peter Jedermann.
Wetter, jedermann habt ihr leicht die Melancholie. Wenn nicht, was sonst ficht euch an?
Man merkt total, wie die 52-jährige am Theater aufgeht. Eine Rückkehr zum Fernsehen könnte sie sich wieder vorstellen, zum Beispiel mit einer Renovierungsshow an ihrem Bauernhaus.
„Das Dach muss gedeckt werden. Ich brauche eine neue Dämmung. Ich habe mehrere defekte Schwellen. Ich brauche eine Heizung. Da kann man schon ganz schön was reißen.“
Mit ihrer Rückkehr würde sie auf jeden Fall viele Fans glücklich machen. Wer sie jetzt schon wieder sehen möchte. Im Oktober tritt sie mit ihrem Theater in Bayreuth auf.