Es ist eine Sensation, was die Kamera hier vor der Küste der Karibikinsel Dominica festhielt. Erstmals war es Forschenden gelungen, die Geburt eines Pottwals in freier Wildbahn zu filmen.
„Nie zuvor stand uns all diese Technik zur Verfügung. Eine Drohne und Unterwassermikrofone. Damit konnten wir alle Details der Interaktionen zwischen den Tieren festhalten. Wer die Mutter unterstützt, wer das Baby hochgestupst hat und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Wir kennen diese Pottwalfamilie seit 20 Jahren. Es war also nicht einfach nur Tier A, das Tier B berührt. Wir wussten, dass es die Großmutter war, die die Mutter während der Geburt unterstützte.“
Die sozialen Bindungen der Tiere gehen sogar über die enge Verwandtschaft hinaus. Insgesamt versammelten sich zehn Tiere aus zwei Familien neben dem Muttertier. Ihr Verhalten direkt nach der Geburt war dabei von großer Bedeutung. Innerhalb einer Minute kamen die ausgewachsenen Wale der Gruppe zusammen, um das Neugeborene an der Oberfläche zu halten.
„Baby-Pottwale haben nicht viel Fett im Kopf, was ihnen Auftrieb verleihen würde. Wäre es ein Junges anderer Säugetiere, würde es im Grunde genommen sofort absinken, zumal die Schwanzflosse in den ersten Stunden noch zusammengefaltet ist. Damit die Säugetiere erfolgreich im Wasser gebären können, sind diese Kommunikation und das Anheben des Jungtieres notwendig.“
So ein Verhalten hatte man zum Beispiel bei Schwertwalen schon beobachtet. Die Unterstützung der Gruppe war in der Situation überlebenswichtig für den neugeborenen Meeresbewohner.
Erst nach zwei Stunden trennten sich die Pottwale wieder voneinander. Die Geburt hatten die Forscher 2023 gefilmt. Die Forschungsergebnisse zu ihren Beobachtungen veröffentlichten die Wissenschaftler.
Jetzt, ein Jahr nach den Aufnahmen, sahen die Wissenschaftler den kleinen Wal wieder. Er hatte also das erste Jahr und damit eine sehr kritische Zeit im Leben eines Wals überlebt.