Der Zwischenfall ereignete sich am 10. Juli auf Ryanair-Flug FR1879 von Thessaloniki in Griechenland nach Memmingen. Kurz nach dem Start zerbarst das Fenster neben Karovićs Sitz. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte Triebwerksgeröll die Scheibe getroffen haben.
Durch den plötzlichen Druckabfall wurde der Mann teilweise aus dem Flugzeug gerissen. Sein Kopf und ein Arm ragten bei rund 600 km/h Fahrtwind nach draußen. Weil Karović angeschnallt war und seine Frau gemeinsam mit anderen Passagieren seine Beine festhielt, wurde er nicht vollständig aus der Maschine gezogen. „[…] Er blickte dem Tod, dieser anderen Welt, ins Auge und kehrte zurück“, erklärt der Anwalt.
Passagiere des Fluges, darunter auch Karovićs Ehefrau Svetlana, haben noch lebhafte Erinnerungen an den Moment, als die Scheibe zersplitterte. Sie und andere Passagiere eilen ihrem Mann direkt zur Hilfe, erzählt sie: „Ein Mann, ich glaube, er war Albaner, war unglaublich. Er hat alles versucht, um ihn hereinzubringen, und dann versucht, das Fenster abzudichten, erst mit einer Tasche, die sofort herausgesaugt wurde.“ Anschließend versuchte er, das zerstörte Fenster mit einem Koffer abzudichten, mit Erfolg.
Karović schildert, dass er während des Vorfalls zeitweise das Bewusstsein verlor: „[…] mein Gesicht sei wegen des Drucks und des Luftstoßes kurzzeitig angeschwollen und verformt gewesen.“ Erst nach der Notlandung in Thessaloniki sei er wieder richtig zu sich gekommen. Besonders dankbar ist er den Mitreisenden. Sie hätten ihm nach seiner Überzeugung das Leben gerettet. Seine Frau bestätigt dem Guardian, dass vor allem andere Passagiere sofort reagiert hätten. Karović und sein Anwalt werfen der Kabinenbesatzung dagegen vor, zunächst geschockt gewesen zu sein und nicht unmittelbar eingegriffen zu haben. Ryanair weist diese Darstellung zurück und erklärt, die Crew habe alle vorgeschriebenen Notfallmaßnahmen eingehalten und den Passagier nach der sicheren Sinkflugphase versorgt.
Noch immer leidet der 61-Jährige unter Schmerzen, Schlafproblemen und Angstzuständen. Die Brandwunden und blauen Flecken an seinem rechten Arm reichen von der Achselhöhle bis zur Brust. Er könne sich kaum konzentrieren und sei „mental zerstört“, sagt er. Trotz allem empfinde er große Dankbarkeit, den Vorfall überlebt zu haben.
Allen Flugreisenden gibt er einen eindringlichen Rat mit auf den Weg: den Sicherheitsgurt auch während des gesamten Fluges geschlossen halten. Seiner Überzeugung nach habe genau das ihm das Leben gerettet. Ryanair selbst wollte sich auf unsere Anfrage mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche