So in etwa sieht ein Knochenbohrer aus. Für Opferanwalt Peter Freyberger ist dieser Skandal OP noch immer kaum fassbar.
Peter Freyberger: "Laut Anklage liegt mein Mandant dort wie ein Stück Fleisch auf dem Silbertablett und wird von einer 12-jährigen am Schädel aufgebohrt, ohne dass er seine Zustimmung dazu erteilt hätte, geschweige denn jemals die Frage gestellt worden wäre."
Was vor einem Jahr in dieser Klinik in Graz passiert sein soll, wird bald ein Gericht beschäftigen. Anwalt Peter Freyberger vertritt das Opfer der mutmaßlich kindlichen Bohrversuche, ein Landwirt, der am 13. August 2024 als Notfall eingeliefert wird.
Peter Freyberger: "Mein Mandant hat einen Unfall erlitten, einen Forstunfall, ist im Baum hinaufgeflogen und dann ein Impressionsbruch am Kopf gehabt. Das ist eine Einstellung und ist damit ins Krankenhaus geflogen worden."
Mit Helikopter im OP müssen die Neurochirurgin und ein weiterer Arzt die Schädeldecke des Patienten öffnen. Dabei darf die 12-jährige Tochter der Ärztin offenbar nicht nur zuschauen, sondern wohl auch den Knochenbohrer benutzen . Kollegen äußern sich entsetzt.
In den OP gehören Menschen, die dort was zu suchen und zu arbeiten haben und sonst gar niemand. Und ein Kind gehört nicht eine Bohrmaschine in die Hand gegeben und am Knochen eines Schwerstverletzten, sonst würde er nicht dort liegen. Herumzubohren.
In einer ersten Aussage soll genau das einer der Ärzte gestanden haben, auch wenn dieses belastende Geständnis zwischenzeitlich zurückgenommen wurde. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher.
Wir gehen davon aus, dass das Kind alleine den Bohrer gehalten hat und alleine am knöchernen, freigelegten Schädel des Patienten das Loch gebohrt hat.
Der Mandant von Peter Freyberger hat übrigens erst Monate später von dem Vorfall erfahren und war entsetzt. Auch wenn der Anwalt verstehen kann, dass Eltern ihren Kindern grundsätzlich mal ihr Arbeitsleben zeigen wollen, aber bitte doch nicht im OP.
Man stelle sich vor, der Patient macht dort einen Exitus. Die 12-jährige - wie verarbeitet die das?
Das mittlerweile 13-jährige Mädchen muss keine Strafverfolgung fürchten, aber ihre Mutter und ein weiterer Arzt sind vorerst vom Dienst suspendiert. Ihnen drohen wegen Körperverletzung Geldstrafen und Schadenersatzforderungen in Höhe von mindestens 20.000 €. Der Prozess könnte noch in diesem Herbst beginnen.