Der Protest gegen den Tiergarten Nürnberg reißt nicht ab. Nach der Tötung von zwölf Guinea Paviane herrscht nicht nur Wut, sondern blanker Hass. Zoodirektor Dag Encke und sein Team bekommen Morddrohungen.
"Dann stehen da Dinge drin, was man für ein Unmensch ist, was für ein Mörder man ist und bis hin dazu Man soll dich erschießen oder wir wissen wo du wohnst usw. und da haben wir in der Stadt einfach eine bestimmte Grenze, ab der wir grundsätzlich, also nicht nur im Tiergarten sondern grundsätzlich Sachen zur Anzeige bringen."
Bereits vor Jahren gibt der Tiergarten Nürnberg bekannt, es gebe zu viele Paviane, die Gehege seien einfach zu klein. Die Lösung des Zoos macht Schlagzeilen.
"Wahrscheinlich werden wir alle Tiere erschießen, weil das die schnellste und menschlichste Methode ist. Und ja, es ist vernünftig, auch Affen zu töten."
Tierschützer laufen seit Monaten gegen die Affentötungen aus Platzgründen Sturm mit Petitionen, Demos oder auch Online.
"Lieber Tiergarten Nürnberg, lieber Dag Encke und alle Verwaltungsmitglieder usw. Wie wollt ihr das denn vor der Öffentlichkeit rechtfertigen?"
Dass mehrere Paviane getötet werden sollen? Das habe sich in Nürnberg bereits länger angedeutet, sagt der Direktor.
"Das basiert darauf, dass wir im Laufe der Jahre gesehen haben, dass es immer weniger Zoos gibt, die noch Kapazitäten für diese Art zur Verfügung hat."
Versuche, die Affen an andere Zoos abzugeben, blieben weltweit erfolglos. In europäischen Zoos leben rund 300 Guinea Paviane. Ihr natürlicher Lebensraum ist Westafrika. Weil der aber immer mehr verloren geht, gelten sie als gefährdet. Da passt die Tötung von zwölf Tieren vielen nicht ins Bild. Doch die Zoobesucher, die wir heute fragen, sind da verständnisvoll.
"Es war letztlich unumgänglich."
"Sicher ist natürlich schade, wenn man Tiere töten muss."
"Und ich glaube, und da vertraue ich auch dem Artenschutzprogramm des Tiergartens, dass es wirklich die letzte Lösung war, dass mit der Tötung der Affen."
Scarlett Treml von Animal Rebellion sieht das anders. Sie wirft dem Tiergarten in Nürnberg fehlenden Artenschutz vor. Aber sie distanziert sich ganz klar von jeglichen Drohungen.
"Mit der Affentötung ist eine ganz klare Grenze überschritten worden. Aber Morddrohungen, das geht zu weit. Da hört der Protest, der friedliche Protest vor allem auf. Für den Animal Rebellion ist diese Art Einschüchterung nicht okay und überschreitet definitiv eine Grenze."
Die Drohungen sind so konkret, dass die Polizei ermittelt.
"Grundsätzlich wird von uns das natürlich sehr genau überprüft. Was ist an dieser Morddrohung dran? Welche Gefährdungssituation ergibt sich dann auch für den Herrn Encke? Wir sind in die Beratung gegangen mit dem Herrn Encke und wir haben tatsächlich Schutzmaßnahmen getroffen."
Zu einzelnen Maßnahmen will sich die Polizei aus Sicherheitsgründen nicht äußern. Die Proteste vor dem Zoo reißen nicht ab. Trotzdem hält Dag Encke an seinem Kurs fest und schließt weitere Tötungen im Sinne der Population nicht aus.
"Was wir jetzt beobachten, ist alles, was wir beurteilen können, ziemlich perfekt. Wir haben eine sehr, sehr tolle Altersstruktur wieder hinbekommen. Wir haben genug Jungtiere in der Gruppe im Moment, dass das Sozialverhalten sich wieder entspannt hat."
Enckes Weg, mit den Morddrohungen umzugehen. Er versucht, sich davon nicht beeinflussen zu lassen und seinen Job weiter so auszuüben wie bisher.