Mit rund 45 Minuten Verspätung geht der Prozess in Palma heute los … Es ist hektisch vor Gericht, den Angeklagten José L. sehen wir nur kurz von hinten.
Seine Mutter dagegen treffen wir schon vorher. Sie möchte unerkannt bleiben, aber sagt uns: Ihr Sohn sei unschuldig.
„Mein Sohn hat weder vergewaltigt noch misshandelt, noch all diese Grausamkeiten getan, die behauptet werden.“
Die Vorwürfe gegen ihren Sohn sind heftig. Es geht um Menschenhandel und jahrelangen sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen.
Diese Aufnahmen zeigen den Moment, als das mutmaßliche Martyrium für die damals 17-Jährige endet. José L. wird abgeführt. Nachdem die Polizei sein Anwesen gestürmt hat. In DIESEM Keller unter seinem Schreibtisch soll er das Mädchen fünf Jahre lang immer wieder eingesperrt haben. Er soll sie auch missbraucht und dabei sogar gefilmt haben.
Alles begann 2015: Damals soll der Angeklagte nach Nigeria gereist sein, wo er sein späteres Opfer und dessen Familie kennengelernt haben soll.
Er soll sich als Retter in der Not inszeniert und der Mutter und ihren Töchtern ein besseres Leben auf Mallorca versprochen haben. Nach Jahren soll sie auf sein Angebot eingegangen sein, die beiden heirateten sogar zum Schein. Später soll er die Mutter aus dem Haus gedrängt und ihr mit Abschiebung gedroht haben – die damals zwölfjährige Tochter dagegen soll er bei sich behalten haben und sie einen Vertrag unterschreiben lassen haben, der angeblich täglichen Sex mit ihm vorsah. Das Mädchen hat alles ertragen – in dem Glauben, nur so der eigenen Familie helfen zu können. 2024 – also nach fünf Jahren – bricht die dann 17-Jährige ihr Schweigen. Öffnet sich ihrer Mutter: José L. landet in U-Haft.
Die ersten beiden Prozesstage finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – zum Schutz des mutmaßlichen Opfers. Der Angeklagte kam mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze in den Saal, wollte offenbar nicht erkannt werden. Auch die Familie des Mädchens war da – begleitet von einer Sozialarbeiterin – sie möchte ebenso anonym bleiben.
Die Staatsanwaltschaft fordert insgesamt rund 40 Jahre Haft für José L. und 200.000 Euro Schadensersatz für das Mädchen. Ein Urteil soll Ende April fallen.