Leän wirkt gefasst. Dabei hat sie das, was sie erlebt hat, schockiert. Es ist Freitagabend, circa 2:30 nachts. Leän ist nach Feierabend in einem Parkhaus auf dem Weg zu ihrem Auto. Alleine.
"Ein bisschen kuscheln. Küssen? Ja. Du sollst ganz schnell gehen. Das wäre besser für dich. Ich mach Kickboxen."
Anfangs reagiert Leane noch relativ gelassen, doch der Mann lässt nicht von ihr ab. Soll sie am Arm packen, Sagt immer wieder, dass er sie küssen möchte.
"Hör auf, mir hinterherzulaufen. Lauf mir nicht hinterher. Ich will nicht."
Liän schafft es, in ihr Auto zu flüchten.
"Dann ist mir aufgefallen, dass das Ticket noch nicht bezahlt war. Deswegen bin ich wieder vorgefahren. Er hat sich in der Zwischenzeit rechts zwischen den Autos versteckt. Als ich ausgestiegen bin zum Ticket zahlen, ist er noch mal auf mich zugelaufen."
Liän versteckt sich erneut im Auto und der Mann lässt zum Glück von ihr ab. Sie hat sichtlich Angst und der Schock sitzt auch heute noch tief.
"Für mich war einfach Überlebensinstinkt. In meinem Kopf war einfach nur rennen und weg von der Situation. Irgendwo in Sicherheit begeben."
Das Video findet auf Social Media viele Frauen, die sich in Leene hineinversetzen können. Wir Frauen wollen uns frei fühlen, wenn wir nach Hause gehen. Nicht mutig. Und dann jammern Männer über Frauenparkplätze. Das ist der Grund. Reality TV Star Antonia Hemmer hat erst vor kurzem eine ähnliche Situation beim Joggen erlebt.
"Er stand da einfach so, hat ein Telefon in der Hand gehabt und hat einfach nur so rumgeguckt, aber mich auch teilweise angeguckt. Und ich dachte mir schon so, warum steht er einfach?"
Der Mann verfolgt und spricht Antonia zwar nicht an, aber er soll sie angestarrt und sich dabei selbst befriedigt haben.
"Man fühlt sich einfach machtlos als Frau. Man fühlt sich in dem Moment machtlos, weil man weiß okay, ein Mann ist einfach das stärkere Geschlecht. Der kann mich jetzt einfach packen."
In einer RTL-Forsa-Umfrage geben 4/10 Befragten an, dass sie sich bei Dunkelheit nicht sicher fühlen. 35 % der Frauen geben sogar an, dass sie sich überhaupt nicht sicher fühlen. 23 % geben an, dass sie schon einmal sexuell in der Öffentlichkeit belästigt wurden. Besonders erschreckend 40 % davon sind Frauen, bei den Männern sind es nur 5 %.
"Die meisten Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben schon mal irgendwas in die Richtung erlebt und wissen ganz genau, dass es für uns eigentlich Alltag ist. Ich hab das nicht gepostet, um irgendwas zu generieren. Ich hab das gepostet, weil ich schon mal Hilfe gebraucht hätte und mir damals auch keiner geglaubt hat."
Die Polizei sieht das Video, nimmt Kontakt zu Leen auf und bittet sie, Anzeige zu erstatten.
"Wir als Polizei raten natürlich bei sowas stets Bitte, wenn Sie das Telefon in die Hand nehmen, bevor Sie hier anfangen, was zu fotografieren oder zu filmen, wählen Sie die 110. Wählen Sie den Polizeinotruf, dann kann am schnellsten geholfen werden."
Leene hatte in der Tiefgarage keinen Empfang und wusste nicht, dass sie trotzdem den Notruf hätte wählen können. Mittlerweile hat sie Anzeige erstattet, da sie so selbstbewusst reagiert hat. Ist wichtig und richtig, sagt Selbstverteidigungsexperte Patrick Cockney.
"Das ist auch Körpersprache ganz wichtig. Wenn man jetzt Ja sagt Stopp, bleiben Sie stehen. Aber dabei einen Schritt zurück macht, dann glaubt einem das keiner. Wenn man die Hände hoch nimmt und vielleicht ein bisschen eine Grenze zeigt, dann hat man schon mal einen guten Schritt gemacht in die richtige Richtung."
Inwiefern der Verfolger von Liän strafrechtlich belangt werden kann, ermittelt jetzt die Polizei. Liän war und ist es vor allem wichtig, weiterhin auf das Problem aufmerksam zu machen und so möglichst andere Frauen zu warnen und zu schützen.