Ein letztes Leckerli für den unheilbar kranken Chicago, dann geht es im Anhänger Richtung letzter Ruhestätte. Doch statt eines Grabs wartet auf das Pony die Schlachtbank – und die Raubtiere im Zoo Aalborg. Vor fünf Jahren geben Mutter Pernille und Tochter Angelina das Tier hierhin ab. Und sie würden es wieder tun.
Angelina Rasmussen: „Ich denke, der Zoo ist die beste Option für uns. So würde es auch in der Natur ablaufen.“
Mit Chicago hat Angelina an Turnieren teilgenommen und Medaillen gewonnen. Nachdem die Familie in einer Zeitung über Chicagos Ende erzählt, bekommt sie Hassnachrichten: „Pfui, abartig, widerlich. Ich hoffe, man lässt sie später auch im Stich und sie haben einen langen, schmerzhaften Tod."
Angelina Rasmussen sagt dazu: „Ich nehme das nicht persönlich, die Leute haben ihre Meinung. Und es ist nicht mein Job, diese Meinung zu ändern."
Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner – für alles haben sie hier im Zoo Aalborg Verwendung. Letzteres sehen wir bei unserem Besuch als frisches Abendessen für einen Pavian. Die Dänen sehen darin kein Problem.
Der Zoo Aalborg steht hinter der Entscheidung. Zoologin Annette Sofie Warncke Nutzhorn sagt: „Wir sind hier, um den Menschen alles zu zeigen, was mit Tieren und Natur zu tun hat. Dazu gehören auch Fleischfresser, da sie nun mal Fleisch fressen."
In Deutschland ist so ein Vorgehen nur in Ausnahmefällen möglich. Laut Tierschützern stehen trotzdem oft Kleintiere auf dem Speiseplan. Jana Hoger, Tierschutzorganisation PETA Deutschland: „In Deutschland werden ja Tiere, beispielsweise die für Zoohandlungen produziert werden und nicht verkauft werden, keine Abnehmer finden, in Zoos verfüttert."
Generell stehen deutsche Zoos in der Kritik. Der in Köln schläfert im Juli zwei Löwenbabys ein, weil die Mutter sich lieber um ihre Jungen aus dem Vorjahr kümmert. Und wenige Wochen später belagern Tierschützer den Tiergarten in Nürnberg. Hier werden 12 Paviane erschossen, weil die Population zu groß für das Gehege geworden ist. Jörg Beckmann, stell. Direktor Tiergarten Nürnberg: „Des Weiteren werden am Ende die Tierkörper an unsere Raubtiere verfüttert. Das heißt, die Tiere dienen auch Futterzwecken."
So wie in Dänemark. Bevor Chicago den letzten Ritt zum Zoo antrat, hat Angelina den Schwanz abgeschnitten, als Erinnerung an einen sehr guten Freund: „Irgendwann muss man eben Lebewohl sagen. Und wenn du dann noch anderen helfen kannst, warum nicht?"
Ja, warum eigentlich nicht?