Eigentlich sollte alles besser werden: Im Februar fusionierten das Evangelische Krankenhaus und das katholische Dreifaltigkeits-Hospital in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) zum Klinikum Lippstadt. Die katholische Kirche bestimmt, wo es langgeht, und inzwischen entscheidet nicht mehr die Medizin, was hilft – sondern die Kirche, was erlaubt ist.
Der Kirche gehe es nicht darum, im Sinne der Menschen zu handeln – sondern im Sinne eines Dogmas, behauptet Joachim Volz, der die Frauenklinik in Lippstadt leitet. „Einer kirchlichen Vorschrift, die in Stein gemeißelt ist und die es nicht zu diskutieren gilt. Wie es den Frauen geht, wie es mir als Arzt geht, wie es den Paaren geht, wie es der Familie geht – das soll eigentlich keine Rolle spielen, weil dieses Dogma darübersteht."
Das Abtreibungsverbot gilt kategorisch, auch im Falle einer Behinderung beim Ungeborenen oder wenn es zur Gefahr für seine Mutter werden könnte. „Ein Embryo und eine Frau sind ein Wesen, die kann man nicht trennen. Die kann man künstlich in Gedanken trennen, aber ein Embryo ohne eine Mutter geht nicht", sagt Volz. Dass die Frau eine Gefahr für den Embryo sein könnte, das gibt es nicht. Unsere Patientin steht immer an oberster Stelle – immer."
Die katholische Kirche geht noch weiter und verbietet Volz nicht nur Schwangerschaftsabbrüche in der Klinik, sondern auch in seiner eigenen Praxis in Bielefeld. Seine Mitarbeiterinnen müssen Frauen in Not abweisen – obwohl sie eigentlich helfen wollen. „Die Frauen tun mir unendlich leid“, sagt Fachärztin Bettina Löppenberg. „Es ist irgendwie unvorstellbar, dass das heutzutage noch möglich ist.“
Auf RTL-Anfrage reagiert das Klinikum Lippstadt knapp und will zum laufenden Verfahren keinen Kommentar abgeben. Das Erzbistum Paderborn verweist auf eine Stellungnahme auf seiner Website. Darin heißt es: "Schwangerschaftsabbrüche und assistierter Suizid sind im Grundsatz ausgeschlossen. Eine Ausnahme bei Schwangerschaftsabbrüchen besteht dann, wenn das Leben oder die körperliche Unversehrtheit der Mutter akut gefährdet ist und es keine medizinisch mögliche Alternative gibt, das Leben des ungeborenen Kindes zu retten."
Deutschlandweit stehen Klinikfusionen an, oft unter Beteiligung der katholischen Kirche. Der Fall in Lippstadt könnte Signalwirkung haben.