Sie schluchzt, fleht, hämmert immer wieder gegen die Scheibe.
Diese Passagierin hat einen Ryanair-Flug von Sofia in Bulgarien nach Wien gebucht, wird am Flughafen aber nicht mitgenommen. Schuld ist ihre Reisetasche. Sogar die Grenzkontrolle schaltet sich ein.
„Ich bin es leid, dass jeder in diesem Land macht was er will, ohne die Regeln zu befolgen.“
Die Stimmung rund um das Ryanair-Abmessungsgerät: aggressiv. Ein Mitreisender teilt diese Aufnahmen auf Social Media. In den Kommentaren ist man gespaltener Meinung.
„Regeln sind Regeln.“
„Wir alle sollten Ryanair boykottieren. So was passiert ständig.“
„Ich hatte nie Probleme. Haltet euch doch einfach an die Regeln.“
Ja, das mit den Handgepäck-Regeln ist ja immer so eine Sache. Vor allem bei Billig-Airlines. Ist die Tasche zu groß, muss man schnell mehr bezahlen.
„Die werden ja reingesteckt in die Dinger und dann guckt das so weit raus und ja - 50 €.“
„Ist schon ein bisschen übertrieben. Es gibt ja auch übergewichtige Menschen, da verlangt ja auch keiner irgendwie einen Zuschlag. Wenn er über 120 Kilo wiegt, fliegt er auch mit.“
Die Vorgaben sind von Airline zu Airline unterschiedlich.
„Da gibt es keine einheitliche Regelung in der EU. Die Fluglinien bieten die Flüge günstig an, aber versuchen natürlich auf anderem Wege ihre Euros zu machen, sei es durch Essen an Bord, was man zusätzlich zahlen muss oder eben durch Geld was sie einnehmen für zusätzliches Bordgepäck.“
Im Flugpreis inklusive, also kostenlos, ist bei Ryanair immer ein sogenanntes kleines Gepäckstück, eine Handtasche oder ein Rucksack - etwas, das unter den Vordersitz passen muss. Ein Handgepäckstück bis zu zehn Kilogramm ist kostenpflichtig, außer man hat Priority Boarding gebucht. Kontrolliert wird das mit diesen Vorrichtungen hier zum Gepäck abmessen. Mitarbeiter kassieren fürs Checken sogar Prämien. Die aufgebrachte Frau am Flughafen in Sofia hat den billigsten Tarif gebucht. Ihre Reisetasche dürfte sie also gar nicht dabeihaben. Ryanair schreibt uns dazu:
„Da die Tasche dieses Passagiers die zulässige Größe überschritt, wurde er zu Recht aufgefordert, eine Standardgebühr für Handgepäck zu zahlen, weigerte sich jedoch, dies zu tun und wurde gegenüber dem Gate-Personal aggressiv.“
Wer hier zuerst aggressiv wurde, können wir nicht beurteilen. Um sich selbst so ein Drama zu ersparen, bleibt einem also nichts anderes übrig, als seine Tasche vorher gut abzumessen oder eben draufzuzahlen.