Carl-Joachim Failer, genannt Jo, ist erst Anfang 50, als er erfährt: Er hat Alzheimer. Eine Krankheit, die sein Leben komplett verändert.
Früher war er als Sportreporter auf der ganzen Welt unterwegs – heute kämpft er im Alltag gegen das Vergessen. Wir treffen ihn in München – zum Frühstück.
"Manchmal vergesse ich zu frühstücken , aber dann knurrt der Magen und dann weiß ich: 'Oh , ich habe was vergessen.'"
Routinen wie diese sind für ihn heute überlebenswichtig. Was früher nebenbei lief, kostet ihn jetzt viel Kraft. Immer wieder vergisst er Kleinigkeiten – was er gegessen hat, oder was gestern passiert ist. Sein Leben organisiert er inzwischen mit vielen Merkzetteln.
"Das ist mein aufgeräumter Kopf hier, der mich immer wieder an Sachen erinnert, ist sehr hilfreich. Schlüssel nicht vergessen – extrem wichtig. Ich habe mich schon zweimal ausgeschlossen, obwohl der Schlüssel hier immer steckt und auch hier nochmal ne Zusatzerinnerung ist."
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Bei dieser verliert das Gehirn nach und nach wichtige Funktionen – wie Gedächtnis, Denken und Orientierung. Bei Carl-Joachim Failer kommen erste Warnzeichen schleichend vor fünf Jahren.
"Also ich habe halt gemerkt , dass irgendwas passiert , das nicht normal ist. Wortfindungsstörungen, komplexe Sachen, nicht so verstanden, ein bisschen zurückgezogen aus der sozialen Umwelt."
Im Januar 2024 erhält er dann die Diagnose – vermutlich vererbt, denn auch seine Mutter erkrankte mit Ende 50 daran. In Deutschland leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.
"Das dauert ewig, bis man das verarbeitet, bis man versteht, was man da hat. Ich habe es einfach nicht verstanden. Monatelang."
Ein tägliches Demenzpflaster bremst Carl-Joachim Failers geistigen Abbau, doch seinen Job als Sportreporter musste er aufgeben. Heilung gibt es nicht, aber neue Medikamente wecken Hoffnung.
Neurologe Dr. Kleinschnitz erklärt:
"Über mehrere Jahre konnte man finden , dass der Verlust der Gedächtnisfunktion circa 30 % weniger stark ausgefallen ist, dass man den Übergang von der mittelschweren in eine schwere Alzheimerform oder von einer frühen in die mittlere Alzheimerform durchaus zwischen ein und zwei Jahren verzögern kann."
Wie schnell sich sein Zustand verschlechtert, weiß niemand. Aber Carl-Joachim Failer bleibt positiv – und nimmt seine Vergesslichkeit mit Humor, als er am Ende des Drehtags nach seinem Frühstück gefragt wird.
"Ich habe mir Müsli mit Quark gemacht. Nein, nein – ich habe mir Quark mit Banane gemacht...
ich kann nicht sagen, wo ich es gegessen habe. Auf der Couch. Auf dem Stuhl. Wo war ich denn? Daheim? Am Tisch? Na klar, am Tisch."
Trotz allem – er lacht weiter. Und kämpft gegen das Vergessen an. Jeden Tag.