Vier Wochen warten – oder sofort einen Termin bei der Zulassungsstelle bekommen.
Für Mathelehrer Friedrich Ach aus Göttingen ist die Rechnung klar.
Friedrich Ach, Gymnasiallehrer: „Mein altes Auto hatte den Geist aufgegeben, Ersatz musste her und dann habe ich mich umgeschaut und habe tatsächlich auch ein schönes Auto gefunden, nicht in Göttingen, unten in Aschaffenburg. Und ja: runtergefahren, gekauft. (...) Und denke prima, dann meldest du das jetzt auch an. Ja, klick auf die Website der Stadt Göttingen, Zulassungsstelle und dann großer Schreck! Wie? Was? Vier Wochen Vorlauf. Das kann ja wohl nicht sein."
Seit Jahren schon gäbe es Probleme bei der Zulassungsstelle der Stadt Göttingen. Weil Friedrich Ach aber dort lebt, muss auch sein Auto dort zugelassen werden. Dabei wäre die Zulassungsstelle des Landkreises mit den vielen freien Terminen doch so nah ...
Friedrich Ach, Gymnasiallehrer: „Da ist das Kreishaus vom Landkreis Göttingen, mit der Zulassungsstelle vom Landkreis. Und das hier ist das Rathaus der Stadt Göttingen. Und da ist die Zulassungsstelle von der Stadt Göttingen."
In einigen Bereichen sind die Verwaltungen getrennt: Ein Sonderfall im niedersächsischen Kommunalrecht, der dem Lehrer zum Verhängnis wird, denn Ach hatte es eilig.
Friedrich Ach, Gymnasiallehrer: „Einerseits habe ich es beim Händler gekauft und das stand dort in der Halle und ich hatte dem Händler versprochen, dass ich es in einer zumutbaren Zeit abhole . (...) Der andere Grund ist: Ich bin Lehrer in Duderstadt. Das sind 35 Kilometer von Göttingen weg."
Die Lösung: einfach in den Landkreis ziehen.
Friedrich Ach, Gymnasiallehrer: „Also habe ich einen Freund gefragt, der im Landkreis ein Haus mit einer leer stehenden Wohnung hat, ob er mir diese Wohnung vermietet. Das hat er dann gemacht. Dann habe ich mich in den Landkreis umgemeldet und als Bürger des Landkreises Göttingen konnte ich dann ja auch zum Landkreis Göttingen zur Zulassungsstelle gehen und die haben mein Auto angemeldet.
Alles innerhalb von EINEM Tag. Also wohnt Ach vorübergehend im Landkreis. Wenn es doch nur rechtlich sauber wäre, den Vorteil einer Nachbargemeinde so zu nutzen.
Arndt Kempgens, Rechtsanwalt: „Also in diesem Fall ist es verboten, dass man seine Wohnung oder die Wohnanschrift jemandem zur Verfügung stellt, nur damit er sich anmelden kann, ohne dass er irgendeine Beziehung zu der Wohnung oder zu der Gegend hat. (...) Ich glaube , dass das Gericht hier ja zumindest eine kleine Geldbuße verhängt. Es werden keine 50.000 Euro sein, aber: Ich glaube schon , dass es ein paar 100 Euro kosten wird."
Ach sieht's gelassen. Er hat schließlich durchaus Bezug zum Hof seines Freundes, auf dem er ein paar Wochen wohnte.
Friedrich Ach, Gymnasiallehrer: „Ich habe da ohnehin schon drei Schuppenteile gemietet, weil ich da am Handwerkern bin. Schrauben. Ich habe da ein Motorboot und stehen und mein Wohnwagen stehen . Da bin ich sowieso immer."
Mittlerweile wohnt Friedrich Ach allerdings wieder in der Stadt Göttingen. Und so braucht er am Ende doch etwas Geduld, also vier Wochen Vorlauf – um sein Auto wieder dorthin umzumelden.