Für Benjamin Debus ist es wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen. Endlich wieder Auto fahren. Es ist eine neu gewonnene Freiheit, die ihm lange verwehrt war. Flexibilität und Zeitersparnis? Natürlich immens.
Der Verwaltungsfachangestellte leidet seit mehr als zwei Jahrzehnten unter Epilepsie. Keiner wusste, was mit dem kleinen Jungen los ist. Er war sechs beim ersten Anfall und hat seitdem zahlreiche Medikamente bekommen. Sein Vater hat ihn zu den Ärzten begleitet, bis Benjamin Debus durch Zufall vom Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein Main erfährt.
Felix Roseno vom Epilepsiezentrum: „Der Herr Debus hatte in seiner Karriere mindestens fünf verschiedene Medikamente, auf die er nicht angesprochen hat. Und wir wissen: Je mehr Medikamente ausprobiert wurden, desto geringer die Chance, dass mit dem nächsten noch Anfallsfreiheit hergestellt wird. Das ist der Zeitpunkt, wo sie überwiesen werden sollten.“
Aber das machen nicht alle Neurologen, weil die Ursache für Epilepsie im MRT oft nicht erkannt wird. Die meisten haben eine jahrzehntelange Odyssee hinter sich.
Felix Roseno vom Epilepsiezentrum: „Dass Anfälle auftreten, immer wieder spontan, ohne irgendeinen Auslöser. Und das kann verschiedenste Ursachen haben. Meistens ist eine Hirnveränderung.“
Hier im Epilepsiezentrum wurde die Veränderung im Gehirn lokalisiert.
Felix Roseno vom Epilepsiezentrum: „Da kam raus, dass es alles von der rechten Seite kommt, des Schläfenlappens, also rechter Schläfenlappen. Und das ist immer ganz gut operabel, weil die Sprache ja bei den meisten Menschen links liegt. Das ist dann rechts etwas weniger problematisch, da Gewebe zu entfernen. Und das haben wir dann gemacht.“
Ein Ärzteteam hat Benjamin Debus die Vor- und Nachteile einer Operation aufgezeigt.
Felix Roseno vom Epilepsiezentrum: „Wie wahrscheinlich ist es, dass er anfallsfrei ist? Meistens sind es so irgendwo zwischen 50 und 80 Prozent. Und was wird es für Probleme geben, wenn man das operieren lässt? Zum Beispiel wird das Gedächtnis schlechter oder könnte ich eine Lähmung kriegen? Kann ich schlechter sehen? Solche Dinge spielen eine Rolle.
2016 entscheidet sich Benjamin Debus für die Hirn-OP. Im April dieses Jahres wurden dann alle Medikamente abgesetzt. Im Juli hat sich der 30-Jährige hier nochmals durchchecken lassen mit einem EEG, das die Hirnströme misst.
Stresssituationen könnten einen Anfall auslösen. Beim Autofahren wäre das ein erhöhtes Unfallrisiko. Deshalb werden zahlreiche Tests durchgeführt. Von dem Ergebnis hängt für Benjamin Debus viel ab.
Felix Roseno vom Epilepsiezentrum: „Weswegen ich den Job auch mache. Das ist natürlich sehr befriedigend, wenn Sie einem jungen Menschen zu einem völlig normalen Leben verhelfen können.“
Es ist nicht nur die Zeitersparnis von drei Stunden, um zur Arbeit zu fahren und Einkäufe heimzubringen. Für den 30-Jährigen ist es ein Stück Freiheit, die er nie wieder verlieren will.