Und was hat es mit der roten Nelke auf sich?

Tag der Arbeit: Wie aus dem 1. Mai ein Feiertag wurde

Jedes Jahr am 1. Mai wird in ganz Deutschland der Tag der Arbeit gefeiert
Jedes Jahr am 1. Mai wird in ganz Deutschland der Tag der Arbeit gefeiert
© blickwinkel/McPHOTO/M. Gann, McPHOTO/M. Gann

01. Mai 2022 - 14:08 Uhr

Der Tag der Arbeit ist ein gesetzlicher Feiertag und wird jedes Jahr am 1. Mai in ganz Deutschland gefeiert. Viele freuen sich über diesen zusätzlichen freien Tag, dabei steckt so viel mehr hinter dem Maifeiertag. Doch warum feiern wir den Tag der Arbeit überhaupt?

Der Tag der Arbeit hat seinen Ursprung in den USA

Der Tag der Arbeit ist in allen deutschen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, seinen Ursprung hat er jedoch in den USA. Am 1. Mai 1886 riefen die Gewerkschaften zu mehrtägigen Streiks auf, woraufhin rund 400.000 Arbeiter in mehreren Städten die Arbeit niederlegten, um zu demonstrieren. Ihr Ziel war die Einführung des Acht-Stunden-Tages, denn eine durchschnittliche Arbeitszeit von zwölf Stunden war damals noch Normalität.

Im Rahmen des Streiks kam es vor allem in Chicago zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die heute als "Haymarket Riot" bekannt sind. Mehrere Polizisten und Demonstranten verloren ihr Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Am 1. Mai 1890 streikten auch Arbeiter in Deutschland zum ersten Mal

Die Demonstrationswelle der Arbeiter schwappte 1890 auch nach Europa über – ebenfalls am 1. Mai. Rund 100.000 Arbeiter und Arbeiterinnen gingen auf die Straße, um zu streiken und an den sogenannten "Maispaziergängen" teilzunehmen. Der 1. Mai entwickelte sich zum Symboltag der Arbeiterklasse, wurde jedoch erst 1919 von der Nationalversammlung der Weimarer Republik zum gesetzlichen Feiertag ernannt – befristet auf ein Jahr. Doch auch nachdem dieses eine Jahr vorbei war, nutzten die Gewerkschaften den 1. Mai weiterhin, um für die Rechte der Arbeiterklasse zu demonstrieren.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Wie der Tag der Arbeit zur Propaganda der Nazis wurde

Ab 1933 missbrauchten die Nationalsozialisten den Tag der Arbeit für Propagandazwecke, um die unabhängigen Gewerkschaften zu zerschlagen und die Arbeiterklasse für sich zu vereinnahmen. Der Maifeiertag wurde in den "Feiertag der nationalen Arbeit" umbenannt, bevor ein Jahr später kaum noch etwas vom ursprünglichen Gedanken übrig blieb: Fortan wurde der 1. Mai zum "Nationalen Feiertag des deutschen Volkes". Anstatt um Rechte der Arbeiter und den Klassenunterschied ging es den Nationalsozialisten vor allem um die Kontrolle der Arbeiterklasse.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai wieder zum Tag der Arbeit, wie wir ihn heute kennen. Bis heute finden am 1. Mai noch Demonstrationen statt.

Die rote Nelke als Symbol der Arbeiterklasse

Da die Demonstrationen zum 1. Mai damals nicht gerne gesehen wurden, und das Mitführen von Fahnen verboten war, steckten sich die Arbeiter kurzerhand eine rote Nelke ins Knopfloch, um sich als Gleichgesinnte zu erkennen zu geben. Die rote Nelke wurde so ab 1889 zum Symbol der Arbeiterklasse.

Historisch gesehen hat die Blume jedoch eine ganz andere Bedeutung. Ist sie heute mit Liebe, Stolz und Bewunderung verbunden, erinnerte die rote Nelke damals noch an die Französische Revolution, bei der verurteilte Aristokraten auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung ebenjene Blume als Zeichen der Unerschrockenheit im Knopfloch trugen.