Plötzliche Wende in den Ermittlungen

Imam (26) in Ebersbach getötet: Polizei nimmt Bruder und Lebensgefährtin fest

Imam (26) in Ebersbach getötet: Polizei nimmt Bruder und Lebensgefährtin fest
Imam (26) in Ebersbach getötet: Polizei nimmt Bruder und Lebensgefährtin fest
© imago images/onw-images, Marius Bulling via www.imago-images.de, www.imago-images.de

29. Dezember 2020 - 8:56 Uhr

Stuttgarter Imam totgeprügelt: Polizei vermutet "familiären" Hintergrund

Kurz vor Weihnachten sorgte der gewaltsame Tod eines Imams aus Ebersbach bei Göppingen für Aufsehen: Der 26-Jährige soll bei einem Spaziergang von zwei Unbekannten überfallen und totgeprügelt worden sein – so hatte den Vorfall zumindest seine Lebensgefährtin der Polizei geschildert. Sie selbst sei mit leichten Verletzungen davongekommen. Nun die Wendung in den Ermittlungen: Mittlerweile stehe die Frau selbst unter "schwerem Verdacht", hieß es von der Polizei. Sie und der Bruder des Toten sitzen in Untersuchungshaft. Man vermute ein familiäres Motiv.

 Tötungsdelikt in Ebersbach, 21.12.2020, Baden-Württemberg, Ebersbach an der Fils: Die Polizei ermittelt und sichert Spuren rund um einen Tatort nahe dem Fluss Fils. Zuvor war eine Leiche auf einem Fußweg aufgefunden worden. Die Ermittlungen ergaben
Der Tote war an einem Schotterweg nahe der Fils gefunden worden. Die Polizei hatte sofort intensive Ermittlungen aufgenommen.
© imago images/onw-images, Marius Bulling via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Polizei ermittelte nach der Tat auf Hochtouren, tappte aber zunächst im Dunkeln

Nach der Tat hatte die Polizei sofort eine Fahndung und intensive Ermittlungen eingeleitet. Sie bildete eine Sonderkommission, um die Tat aufzuklären. Die Polizeikräfte suchten die Umgebung um den Tatort intensiv nach Spuren ab. Die Obduktion an der Leiche ergab, dass der Mann durch massive Gewalt gegen den Kopf verstorben ist.

Zunächst tappte die Polizei im Dunklen, startete auch einen Zeugenaufruf. Weil es sich bei dem Opfer um einen muslimischen Imam gehandelt hatte, der in einer Stuttgarter Moschee predigte, war den sozialen Medien auch über ein mögliches rassistisches Motiv der Tat spekuliert worden –dazu hatte die Polizei sich nicht geäußert.

Imam und Lebensgefährtin wohnten mit Bruder in derselben Wohnung - Beweismittel sichergestellt

Über die Feiertage kam nun Bewegung in den Fall – jetzt vermutet die Behörde einen familiären Hintergrund: Im Zuge der Ermittlungen habe sich ein schwerer Verdacht gegen die Lebensgefährtin des Imams und gegen seinen Bruder ergeben, teilte die Polizei am Montag mit. Deshalb durchsuchte die Polizei am Samstag die Wohnung des Getöteten und seiner Lebenspartnerin, in der auch dessen Bruder wohnte. Auch eine weitere Wohnung wurde demnach durchsucht. Dabei habe man verschiedene "mutmaßliche Beweismittel" festgestellt, die derzeit noch ausgewertet würden. Konkreter wurde die Polizei nicht. Die Ermittlungen zum Motiv der Tat dauern derzeit noch an. "Dieses vermuten die Ermittler derzeit im familiären Bereich", teilte die Polizei mit.

Auf Antrag der Ulmer Staatsanwaltschaft sitzen der Bruder des Getöteten und seine Lebensgefährtin nun in Untersuchungshaft. Der Imam und die 30-jährige Deutsche waren nach islamischem Recht verheiratet.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Polizei Ulm sucht Radfahrer und zwei Mädchen dringend als Zeugen

Weil die mutmaßlich einzige Zeugin nun selbst unter Tatverdacht steht und die Tat ganz anders abgelaufen sein könnte als sie bislang schilderte, hat die Polizei jetzt erneut einen Zeugenaufruf gestartet.

Insbesondere suchen die Ermittler einen Radfahrer und zwei Mädchen. Wie die Polizei bei den Vernehmungen erfuhr, soll der Radfahrer auf dem Schotterweg kurz vor 18 Uhr in Richtung Reichenbach/Plochingen gefahren sein. Nahe der Brücke sei er dem späteren Opfer der Tat und seiner Lebenspartnerin begegnet. Der Radler hatte eine Leuchte am Rad, zusätzlich eine Stirnleuchte. Er trug typische Radlerkleidung mit Reflektoren. Ebenfalls auf dem Schotterweg noch vor der Brücke der Albstraße, gingen zwei Mädchen etwa zur selben Zeit in dieselbe Richtung. Von ihnen ist lediglich bekannt, dass sie etwa 15 bis 18 Jahre alt sind. Eines der Mädchen hat dunkle lange Haare. Sie wurden nahe der Treppe zum Fußgängerüberweg gesehen.

Die genannten Personen sind für die Ermittler möglicherweise wichtige Zeugen. Die Polizei bittet sie deshalb, sich zu melden. Die Ermittler bitten aber auch weitere Personen, die sich am Montag vor Weihnachten gegen 18 Uhr auf dem Weg an der Fils neben dem Gentenriedweg und der Kanalstraße aufgehalten haben, sich unter der Telefon-Nr. 0731/1880 zu melden.