So gefährlich ist es Zuhause: Fast 10.000 tödliche Haushaltsunfälle pro Jahr

Mal eben auf die Leiter klettern - von wegen: Stürze im Haushalt sind ein unterschätztes Unfall-Risiko.
Mal eben auf die Leiter klettern - von wegen: Stürze im Haushalt sind ein unterschätztes Unfall-Risiko.
© dpa, Jens Kalaene, jka lof

08. Februar 2017 - 11:55 Uhr

Sterberisiko viel höher als im Straßenverkehr

Schockierende Bilder von tödlichen Autounfällen sind allgegenwärtig. Doch - statistisch betrachtet - ist das Zuhause ein gefährlicherer Ort als Autobahn und Landstraße. 9.815 Menschen kamen 2015 bei Unfällen im Haushalt ums Leben (fast 800 mehr als im Vorjahr) - im gleichen Jahr starben 3.459 Menschen bei Verkehrsunfällen.

"Die Zahl der Haushaltsunfälle wird mit großer Sicherheit weiter steigen"

Das Risiko eines tödlichen Unfalls ist damit im Haushalt deutlich höher als im Straßenverkehr. Die Zahl der tödlichen Hausunfälle wächst seit 2007 Jahr für Jahr. Das teilte die Minijob-Zentrale jetzt auf Grundlage der Daten der Landesstatistikämter mit. "Und die Zahl der Haushaltsunfälle wird mit großer Sicherheit weiter steigen", sagt die Geschäftsführerin des Gemeinnützigen Vereins 'Das sichere Haus', Susanne Wölk. Der Verein engagiert sich unter anderem in Sachen Unfallprävention.

Ein Grund für die Entwicklung ist laut Wölk das steigende Durchschnittsalter der Deutschen: Alte Menschen seien wegen nachlassender Muskel- und Sehkraft besonders sturzgefährdet. Oft fehle ihnen die Einsicht, dass sie manche Dinge ohne Hilfe nicht mehr schaffen. Da viele von ihnen allein lebten, würden sie bei Unfällen vielfach zu spät gefunden.

Haushaltsunfälle sind eine Milliarden-Belastung für die Volkswirtschaft

Stürze sind mit mehr als 80 Prozent die ganz überwiegende Ursache tödlicher Hausunfälle - etwa beim Fensterputzen oder beim Stolpern über Teppichkanten oder Staubsaugerkabel. Hinzu kommen nach früheren Erhebungen von 2013 unter anderem Brände und Ersticken, Vergiftungen und Ertrinken.

Die hohen Todeszahlen und die zahlreichen Verletzungen bei Hausunfällen - nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 3,15 Millionen Fälle im Jahr - belasten die Volkswirtschaft mit Milliardenkosten. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Allein für die Versorgung eines Oberschenkelhalsbruchs, einer typischen Sturzverletzung älterer Versicherter, müssen gesetzliche Krankenkassen mehr als 7.000 Euro bezahlen. Das gab der Bund der Krankenkassen bekannt.